Zuschauen und Zuhören
Geschichten von Burren und Lenz im Dorftheater Utzenstorf: Mehr als nur Vergnügen

Mit «Burren Lenz» landet das Dorftheater Utzenstorf einen neuen Bühnenhit.

Gundi Klemm
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Das Dorftheater Utzenstorf zeigt als Uraufführung «Burren Lenz». Texte und Episoden der beiden Schriftsteller als Bühnenstück.

Das Dorftheater Utzenstorf zeigt als Uraufführung «Burren Lenz». Texte und Episoden der beiden Schriftsteller als Bühnenstück.

Zvg

Texte von Ernst Burren und Pedro Lenz als Theaterstück? Solches ist derzeit im örtlichen Reformierten Kirchgemeindehaus in Utzenstorf zu erleben. Das Dorftheater Utzenstorf bringt dort die Uraufführung von «Burren Lenz» auf die Bühne. Aus der Kenntnis der Bücher beider Autoren und seiner Freundschaft zu ihnen, formte Regisseur Charles Benoit eine um sechs Titel gruppierte Themenfolge, die amüsant doppelbödig Begebenheiten aus dem täglichen Leben erzählt. Aber dies auf eine so mitreissende, originelle Weise, dass Hören und Zuschauen über das Vergnügen hinaus zu einem an Tiefsinn und Komik prallen Erlebnis werden.

Benoit hat die «Verheiratung» von Auszügen aus den Werken «Chrüzfahrte», «Blaui Blueme», «No einisch uf d Maledive» des Oberdorfer Schriftsteller Ernst Burren und aus «Plötzlech hets di am Füdle», «Liebesgeschichte», «Der Liebgott isch ke Gränzwächter» von Pedro Lenz feinfühlig vollzogen. Doch als Zuschauender spürt man kaum, wo Lenz anfängt und Burren aufhört. Denn beide Schriftsteller schöpfen aus ihrer sensiblen Beobachtungsgabe, die sich mit spürbarer Menschenliebe und dem scharfen Blick für die kleinen Dinge verwebt.

Wie Pingpongbälle lässt die neunköpfige sprachlich und schauspielerisch höchst präsente Theatercrew, die der Regisseur besonders wegen der zahlreichen Corona-Hürden als «sensationell kooperatives Team» bezeichnet, ihre Dialoge und Monologe zumeist in Mundart mit wenigen Einschüben Hochdeutsch ins begeisterte Publikum fliegen. Mal von der Bühne herab, mal aus dem Zuschauerraum gewinnt das gesprochene Wort ohne viel Zutun faszinierende Wirkung.

Mit menschlichem Pulsschlag

Gegliedert ist der Stoff unter die sechs Obertitel «Läse u Rouke», «Schtärbe u Bache», «Gloube u Wüsse», «Rede u Lose», «Gwinne u Verlüüre» und «Afah u Ufhöre». Versammelt sind hier Geschichten mit philosophischem Hintergrund.

Da sind der Autor, der bedrängt wird, sich doch endlich diesem oder jenem Thema zu widmen, der Anhänger Gotthelfs, für den die Schriftstellerei seit ihm längst gestorben ist, die elende Quasselstrippe, die jedermann mit Details aus dem eigenen Leben behelligt, das Drama um Kaffeerahmdeckeli und Schoggikueche und das teilnehmende Gespräch als menschentaugliches Networking.

Alltagsrassismus und Gespräche mit dem Hund Platz finden in dem Szenenmix aus Komik, Ernsthaftigkeit und Satire radikale Glaubensthesen, wilde Fussballliebe, auch eine Prise täglicher Rassismus, Schönfärberei im Lehrer-Elterngespräch, ein Zwiegespräch mit dem leibhaftigen Hund Alexander, Marketingroutine im Kosmetikinstitut und die Erinnerung an alte Liebschaften, die hintergründig immer noch für Gefühlsaufruhr sorgt. Das gesamte Geschehen lebt von nachvollziehbarer, innerer Logik, die eben menschlichen Pulsschlag spüren lässt.

Mit Musik von Klassik bis Mani Matter Eingebettet ist «Burren Lenz» in die treffsicher gewählte Musik des Duos Peter Siegenthaler (Biel) und Stefan Siegenthaler (Jegenstorf), die mit Klavier, Gitarre und Gesang diesem literarischen Anlass mit Kompositionen aus Klassik, Jazz und sogar mit Mani Matter eine leichtfüssige Note verleihen.

Hinweis: Aufführungen bis 25. September. Vorverkauf über tipo.ch oder bls-Reisezentrum. Weitere Infos: www.dorftheater.be

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