Zusammenschluss
Paukenschlag: Bettlacher Mathys AG geht mit US-Multi zusammen

Das Bettlacher Orthopädieunternehmen Mathys AG und die amerikanische Firma DJO gehen überraschend zusammen. «Die Aktionäre von Mathys werden ihre Aktien an die Muttergesellschaft von DJO, das US-Unternehmen Colfax Corporation, verkaufen», heisst es in einer am Dienstag publizierten Medienmitteilung.

Urs Mathys
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Der Hauptsitz der Mathys AG in Bettlach.

Der Hauptsitz der Mathys AG in Bettlach.

Oliver Menge

Livio Marzo, Präsident des Verwaltungsrats der Mathys AG, wird in der Mitteilung mit der Aussage zitiert, dass «der Verwaltungsrat und die Aktionäre von Mathys den Entscheid für DJO sorgfältig abgewogen» hätten. Der Spirit des Familienunternehmens werde «in einem neuen Umfeld langfristig erfolgreich weiterleben». Und Benjamin Reinmann, CEO von Mathys, lässt verlauten, dass «der Verbund mit DJO die optimale Lösung zur weiteren Stärkung und Entwicklung von Mathys ist.

Durch den Zusammenschluss würden Kompetenzzentren in den USA und in Europa entstehen, heisst es:

«So wird das nicht-amerikanische Chirurgiegeschäft seinen Hauptsitz in Bettlach haben und die Aktivitäten der DJO-Chirurgie-Division ausserhalb der USA zusammenfassen.»

Gleichzeitig werde Mathys von der starken Position von DJO auf dem heimischen US-Markt profitieren. So erwarte das kombinierte Unternehmen, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen, die Einführung des Mathys-Hüftportfolios in den USA.

«Aus einer Position der Stärke» hinaus

Dass in Zeiten von Corona viele elektive (planbare) Operationen wie etwa für den Gelenkersatz hinausgeschoben worden waren, hatte der Implantatehersteller Mathys massiv zu spüren bekommen. Allein im ersten Halbjahr 2020 war der Umsatz um 20 Prozent zurückgegangen. Gemäss Mitteilung von Mathys sei es das Ziel des Zusammenschlusses, «die Stärken und Fähigkeiten der Marken, Standorte und Mitarbeitenden von Mathys und DJO zu kombinieren, um Entwicklungschancen zu nutzen und Wachstum zu realisieren». Was die Beschäftigten in Bettlach und an den übrigen Standorten in aller Welt wohl am meisten interessiert: «Die Marke Mathys wird weitergeführt und die heutige Unternehmensstruktur von Mathys wird innerhalb von DJO beibehalten.» Und:

«Für die Mitarbeitenden ändert sich nichts, die bestehenden Arbeitsverträge werden fortgeführt.»

Der Gelenkersatzmarkt sei ein Wachstumsbereich in dynamischer Entwicklung, wird das Marktumfeld beschrieben. Die Kunden hätten laufend steigende Anforderungen an Innovationskraft, Präsenz in relevanten Märkten sowie Sortimentsumfang und Anbieter reagierten darauf vermehrt mit einer Bündelung der Kräfte. «Aus einer Position der Stärke sowie in enger Abstimmung mit dem Aktionariat prüfte der Verwaltungsrat Optionen, wie Mathys die Firma optimal und nachhaltig positionieren kann», heisst es weiter.

Nach langen Gesprächen sei klar geworden, dass «Mathys und DJO im Bereich der künstlichen Gelenke ähnliche Werte und Ziele verfolgen, wobei es nur wenige Überschneidungen bei Technologie, Produkten und Märkten gibt».

Einer der Pioniere der Medizintechnik

Das traditionsreiche Familienunternehmen, 1946 gegründet von Robert Mathys sen., befindet sich im Besitz der Familien Mathys und Marzo. Im Oktober 2020 übergab Hugo Mathys das Verwaltungsratspräsidium an Livio Marzo, der bereits seit 2008 VR-Mitglied war und Vertreter der dritten Mathys-Generation ist. Marzo hatte bei der Übernahme des Präsidiums 2020 erklärt, dass er «den eingeschlagenen Weg im Sinne unserer Werte als innovatives Familienunternehmen mit dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung weiterführen» wolle. Hugo Mathys gehört dem Verwaltungsrat weiterhin als Vizepräsident an.

Bereits 2003 hatte das Familienunternehmen unter Führung von Hugo Mathys den grössten Teil der Firma an den US-amerikanischen Medizintechnikkonzern Synthes verkauft und sich in der Folge voll auf den Bereich Orthopädie konzentriert.