Neuendorf

Zum Verirren ist im Notfall keine Zeit: Deshalb hat diese Migros eine eigene Feuerwehr

Der Migros-Verteilbetrieb in Neuendorf hat eine eigene Feuerwehr. Kommandant Daniel Haltinner erklärt, warum.

Der Migros-Verteilbetrieb in Neuendorf: das Gelände ist riesig, die Orientierung schnell verloren. Auf einer Fläche von etwa 70 Fussballfeldern stehen auf den Arealen Nord, Ost und West je drei riesige Hallen. Sogar neun Kilometer Bahngleise mit eigenen Lokomotiven gehören dazu. «Es haben sich schon Mitarbeiter in den Gebäuden verirrt», sagt der Feuerwehrkommandant Daniel Haltinner und blickt auf die Tiefkühlhalle vor ihm. Zwei Feuerwehrleute steigen über eine Leiter aus einem der Fenster. Die Übung, die die Betriebsfeuerwehr des Verteilbetriebs heute durchführt, nennt sich «Rettungsdienst Leitern».

Viele Fehlalarme, wenig Feuer

Eine Betriebsfeuerwehr ist eine Feuerwehr, die nur für einen Betrieb zuständig ist. Im ganzen Kanton haben sieben Firmen eine Betriebsfeuerwehr, unter anderem die ETA in Grenchen oder die SBB in Olten.

In Verteilbetrieb in Neuendorf sind es 38 Feuerwehrleute – 32 Männer und 6 Frauen. Da kommt die Frage auf, ob es im Verteilbetrieb in Neuendorf so oft brennt, dass eine eigene Mannschaft nötig ist. «Nein», sagt Haltinner lachend. «Dieses Jahr hatten wir 30 Einsätze». Die Hälfte davon seien Fehlalarme gewesen, die andere Hälfte kleinere Einsätze. Ein Lastwagen der Öl verliert, Elektroschäden, aufgewirbelter Staub: Häufig sind bei den Einsätzen keine Flammen im Spiel.

Warum es dennoch eine Betriebsfeuerwehr braucht? «Es sind alles sehr komplexe Gebäude», erklärt Daniel Haltinner. Jemand, der das Gebäude nicht kennt, würde sich in einer Stresssituation verirren. Und in Notfall habe man dafür schlicht keine Zeit. Dazu komme, dass es sich beim Verteilbetrieb um ein Unternehmen mit über 1000 Mitarbeiter und einem hohen Versicherungswert handelt. «Die Gebäudeversicherung schreibt eine Betriebsfeuerwehr vor.» Die Mannschaft müsse aber nicht mehr können als eine «normale» Feuerwehr. Sie sei nur etwas spezialisierter ausgebildet.

Beinahe allzeit bereit

Die Feuerwehr führt auch präventive Massnahmen durch. «Wir bilden die Mitarbeiter aus, wie sie einen Handfeuerlöscher benützen oder wie man korrekt alarmiert», so der Kommandant. Zudem hat sie eine ergänzende Funktion zur Feuerwehr in Neuendorf. Brennt es bei Tag in der Region, sei die Betriebsfeuerwehr unter Umständen schneller vor Ort, da alle Feuerwehrleute im Betrieb angestellt sind. Brenne es aber in der Nacht, seien die Mitglieder der Neuendörfer Feuerwehr wohl schneller vor Ort, da sie in Neuendorf wohnen. Was wiederum bei den Feuerwehrleuten des Verteilbetriebs meist nicht der Fall sei.

«Viele unserer Leute wohnen nicht in der Region», so Daniel Haltinner. Zusätzlich ist die Betriebsfeuerwehr für das Briefzentrum in Härkingen zuständig, da sie auf die hohen Regale spezialisiert sind. «In vorderen Jahren sind wir auch schon für Verkehrsunfälle in der Umgebung ausgerückt.» Dieses Jahr hätten sie aber noch keine auswärtigen Einsätze gehabt.

Einsatz für die Gemeinschaft

Die Feuerwehrleute sind alle voll berufstätig, nur Haltinner ist als Kommandant angestellt. Es sei nicht immer ganz einfach, die Leute an die Übungen zu bringen. «Meistens kommen etwa zwei Drittel der ganzen Mannschaft.» Deshalb sei es umso wichtiger, dass regelmässig Übungen durchgeführt werden, damit eine gewisse Routine bei den Abläufen entstehen könne. «Auch wenn wir eine Milizfeuerwehr sind, erwartet man von uns, dass alles funktioniert.» Doch damit eine Feuerwehr bestehen könne, könne man nicht nur froh sein, dass sie da ist, sondern müsste man auch bereit sein, mitzumachen und sich für die Gemeinschaft einzusetzen.

Wie lange es die Betriebsfeuerwehr noch geben wird, stehe in den Sternen. Erst vor kurzem wurde ein neues Magazin gebaut und bald erhalte die Mannschaft neue Fahrzeuge. «Laut der Gebäudeversicherung, wird es uns die nächsten Jahre noch geben», so Daniel Haltinner zuversichtlich. Die Frage sei doch: «Will man lieber eine Betriebsfeuerwehr – oder bei jedem Alarm eine Evakuierung durchführen müssen».

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Autorin

Lara Enggist

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