Amtsgericht
Zum dritten Mal verurteilt: Seit 2007 bedroht er seine Ex-Frau immer wieder

Weil er seine Ehre verletzt sah, beschimpfte und bedrohte Baran T.* seine Ex-Frau. Er schickte ihr Drohungen in Form von SMS und schimpfte auch vor seinen Kindern über sie. Das geschah nicht zum ersten Mal: T. wurde bereits zweimal verurteilt.

Christoph Neuenschwander
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Baran T. verschickte via SMS Drohungen und Beleidigungen an seine Ex-Frau. (Symbolbild)

Baran T. verschickte via SMS Drohungen und Beleidigungen an seine Ex-Frau. (Symbolbild)

Keystone

Es waren Kurznachrichten, die man von keinem erhalten möchte, schon gar nicht vom Ehemann: «Ich hasse dich für immer, Saumore» oder «Du bist ein Scheissmensch, du Teufel» gehörten da noch zu den anständigeren SMS, die Nadine R.* von Mitte 2013 bis Anfang 2014 bekam. Weitere Nachrichten unterstellten ihr etwa übermässige sexuelle Freizügigkeit, Alkoholmissbrauch oder ganz generell die Eigenschaft, eine «Scheissmutter» zu sein.

Schwerer als die Beschimpfungen wogen allerdings die Drohungen, die Baran T.* ebenfalls in elektronischer Form an seine heutige Ex-Frau richtete. Dabei war er mit den Folgen dieses Delikts bekannt: Bereits 2007 und 2013 wurde der gebürtige Türke wegen Drohungen verurteilt. Ob ihn das denn gar nicht beeindruckt habe, wollte Ueli Kölliker, Amtsgerichtspräsident Bucheggberg-Wasseramt, an der gestrigen Verhandlung wissen. Eine schlüssige Antwort kriegte er nicht.

Mutter fürchtete um die Kinder

«Mir ging es damals schlecht», begründete der Angeklagte. Eine etwas ausgeklügeltere Theorie brachte seine Verteidigerin, Simone Kury, vor. Ihr Mandant habe sich beleidigt und in seiner Ehre verletzt gefühlt, weil die Frau kurz nach der Trennung schon einen neuen Partner hatte. «Er empfand dies als Provokation.» Angst und Bang wurde es Nadine R. aber, als T. drohte, er würde dafür sorgen, dass man ihr die beiden gemeinsamen Kinder wegnehme. «Deine Zeit läuft ab», schrieb er dazu.

«Er machte mir Angst», gab die Geschädigte gestern zu Protokoll. «Seine SMS kamen teilweise im Minutentakt – und er sprach davon, dass er mit den Kindern in die Türkei fahren würde. Das hatte etwas Unberechenbares.» Also erstattete sie Anzeige, auf welche Baran T. wiederum mit Kurznachrichten antwortete. «Nimm die Anzeige zurück, sonst muss ich mich wehren», kündigte er an. «Glaub mir, du wirst weinen!!!» Mit diesen Zeilen war für die Staatsanwaltschaft auch der Tatbestand der versuchten Nötigung erfüllt. Im August 2014 erhielt T. einen Strafbefehl und wurde zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 50 Franken verurteilt – ein Urteil, das er anfocht. In einer Verhandlung im Dezember 2014 einigten sich die Parteien auf einen Vergleich, doch die friedliche Lösung sollte nicht lange andauern.

Gefährdungsmeldung bei Behörde

Alle zwei Wochen besuchten die Kinder ihren Vater. An jenen Wochenenden habe er über Nadine R. geschimpft, den Kindern gar Nacktfotos ihrer Mutter gezeigt und gesagt, Mami sei eine Schlampe. Die achtjährige Tochter habe dann Zuhause gefragt, was das eigentlich sei, erinnert sich R. Sie widerrief den Vergleich Anfang 2015 und machte bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde eine Gefährdungsmeldung, wodurch das Besuchsrecht von T. sistiert wurde.

«Er sagte immer, es gehe ihm um die Kinder», argumentierte Andreas Wehrle, Anwalt der Ex-Frau. «Wenn dem so wäre, hätte er sich anders verhalten.» Dieser Einschätzung stimmte Richter Kölliker zu, der T. wegen mehrfacher Drohung, versuchter Nötigung, Beschimpfung und Missbrauch einer Fernmeldeanlage zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 70 Franken, einer Busse von 400 Franken, so wie einer Genugtuung von 800 Franken an Nadine R. verurteilte.

Namen von der Redaktion geändert.