Kanton Solothurn
«Zukunft sieht düster aus»: Viehändler klagen über schwierigen Markt

Die Solothurner Viehhändler klagen über sinkenden Fleischkonsum, tiefere Preise und zunehmende Regulierungen.

Benildis Bentolila
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Der Tiertransport und der Tierschutz sind vieldiskutierte Themen. (Archiv)

Der Tiertransport und der Tierschutz sind vieldiskutierte Themen. (Archiv)

Keystone

«Eines zeichnet uns Viehhändler seit je her aus, nämlich dass wir uns immer wieder neuen Situationen angepasst haben.» Mit dieser Feststellung begrüsste Rolf Nützi, Präsident des Solothurner Viehhändlerverbands, zur Generalversammlung im Restaurant St. Urs und Viktor in Walterswil. «Heute erhalte ich einen monatlichen Milchzahltag von rund 12'000 Franken», fuhr er weiter, «vor 15 Jahren waren es um die 30'000 Franken für die gleiche Menge zu wesentlich tieferen Kosten.» Die Zukunft würde weisen, ob Grossbetriebe mit 100 Kühen die ganze Produktion übernehmen können. «100 Kühe, aber keine Mitarbeitenden und folglich keine Arbeitsstellen mehr», befürchtet er. «Und am Schluss verliebt sich die Bäuerin in einen vermeintlich Besseren – an ihrem Arbeitsplatz in der Stadt.»

Für Rolf Nützi ist es wichtig, dass Viehhändler ihren Beruf als Dienstleistung sehen. «Ich liebe meinen Beruf», hielt er fest, «aber im Moment sieht die Zukunft düster aus.» Früher seien mehr Tiere auf dem Markt gewesen, alle hätten sich an die publizierten Marktpreise gehalten und Bauern und Händler seien zufrieden gewesen. Über den Tiertransport und den Tierschutz könnten Zeitungen gefüllt werden. Es gebe immer mehr Leute, die besser Bescheid wüssten über ihr Metier als sie selbst, die täglich auf der Strasse seien. «Mir kommt es manchmal vor», beschrieb er die Situation, «dass die Tiere bald im Rolls Royce herumgeführt werden müssen, sich jedoch niemand um das Wohl der Chauffeure sorgt.» Es sei ein harter Job mit unregelmässigen Arbeitszeiten und erst noch vor allem nachts. Hinzu kämen auch Polizeikontrollen, wobei meistens nichts beanstandet werden könne.

Rolf Nützi und Markus Zemp (Proviande).

Rolf Nützi und Markus Zemp (Proviande).

Benildis Bentolila

Sinkender Fleischkonsum

Als Gastreferent trat Markus Zemp ans Rednerpult. Der Präsident von «Proviande», der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft», bot weitere nicht leicht verdauliche Kost. Er zeigte die Entwicklung des Pro-Kopf-Fleischkonsums seit 1949 in der Schweiz und weltweit, wobei besonders die stete Abnahme des Schweinefleischs gegenüber Poulet ins Auge sticht. Er wies hin auf die Herausforderungen, die auf die Schweizer Fleischproduzenten zukommen: Der Fleischkonsum, allen voran Schweinefleisch, werde weiter sinken, weil rund 800 000 Personen hierzulande keines essen, und das eigenartige Denken mancher Kreise, dass wir in der Schweiz keine Nutztiere bräuchten, denn wir könnten alles importieren. Zemp empfahl, dem Raufutter Sorge zu tragen und besonders für das Tierwohl besorgt zu sein.

Alle sechs Vorstandsmitglieder stellten sich für weitere drei Jahre zur Verfügung, nämlich Patrick Allemann, Aktuar Valentin Biedermann, Vizepräsident Alexander Hänni, Aktuar Karl Nützi und Präsident Rolf Nützi.