Der Unfall hatte sich am 29. Dezember 2014 um 17.53 Uhr bei winterlichen Verhältnissen ereignet. Verletzt worden war glücklicherweise niemand, dagegen entstand grösserer Sachschaden, wie es im soeben publizierten Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) heisst.

So war der vorderste Wagen der Rangierkomposition mit beiden Drehgestellen entgleist; die Streckenlok und die vordersten Wagen wurden stark beschädigt. Der SUST-Bericht zeigt auf, dass der Fahrweg bis zum vorgesehenen Zielpunkt – anders als es nach Praxiserfahrung nach einem «Fahrt mit Vorsicht» zeigenden Signal zu erwarten war – eben nicht frei, sondern durch eine Streckenlok blockiert war.

Zum Unfall haben demnach beigetragen, dass «die Beteiligten von erwarteten und nicht von effektiven Situationen und Zuständen ausgegangen» seien und dass «der Lokführer der Streckenlok ohne die erforderliche vorgängige Kontaktaufnahme mit der Fahrdienstleiterin handelte, wodurch die tatsächlich vorhandene Situation nicht allen Beteiligten bekannt war». Zudem, so die SUST, habe der Rangierleiter wegen der «schneebedeckten Weichenzunge deren Stellung nicht für die Orientierung zu Hilfe nehmen» können.

«Häufung solcher Vorfälle»

Bei Rangiermanövern liege die Verantwortung für die Sicherheit «fast ausschliesslich beim Rangierpersonal» heisst es weiter. Gebe es – wie in diesem Fall – eine Differenz zwischen Erwartungshaltung und effektiver Situation, «so steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Kollision oder Entgleisung».

Und: «Die Häufung vergleichbarer Ereignisse zeigt, dass der bestehende Prozess keine genügende Wirkung zeigt.» Daraus leitet die SUST die Sicherheitsempfehlung ab, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) «Lösungen auf der Ebene Technik, Prozess und Mensch erarbeitet, die das Risiko von Kollisionen bei einem ‹Fahrt mit Vorsicht› zeigenden Zwergsignal senken».

Die Sicherheitsmassnahmen bei Arbeiten im Gleisbereich seien «Personen, die gelegentlich solche Arbeiten ausführen, nicht oder zu wenig bekannt», benennt die SUST ein zweites Sicherheitsdefizit. Auch hier sei das BAV gefordert: Dieses «soll sicherstellen, dass die Schulungen (...) allen möglichen Betroffenen zukommen» und «nötigenfalls für eine Nachschulung sorgen».