Reisen
Zügig und bequem vom Jurasüdfuss nach Down Under

Australienreisen sind nicht nur bei Backpackern beliebt. Runter zum 5. Kontinent führen mittlerweile viele Wege. Noch längst nicht überall bekannt ist derjenige ab Zürich via Hongkong, wurde er doch unlängst neu erschlossen. SZ-Chefredaktor Theodor Eckert hat ihn ausprobiert.

Theodor Eckert
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Australien-Reise von Theodor Eckert und Familie
22 Bilder
Whitsundays
Whitsundays
Schnorcheln am Great Barrier Reef
Das Great Barrier Reef gilt als Schnorchelparadies schlechthin.
Schnorcheln am Great Barrier Reef
Green Sea Turtle
Diagonal Stripe Sweetlips
Der eindrückliche Big Buddha auf der Insel Lantau, wo sich auch Hongkongs Flughafen befindet. Ein Katzensprung für einen Ausflug also
Ab Hongkong ist jede Stadt in Down Under direkt erreichbar, so auch Cairns.
Brisbane
Brisbane
Lieblingsbeschäftigung der Australier: Barbecue und viel Bier
Salties lauern tatsächlich in der freien Natur, Warnschilder also ernst nehmen.
Salzwasserkrokodile
Whalewhatching an der Ostküste

Australien-Reise von Theodor Eckert und Familie

Rahel Eckert-Stauber

Australien liegt nicht gerade am Weg. Dennoch haben Reisende nach Down Under die Qual der Wahl, wie sie auf den 5. Kontinent gelangen wollen. Nonstop-Flüge von Europa aus existieren keine, zu gross sind die Distanzen. Beliebt und gefragt sind deshalb Zwischenlandungen in Dubai und Singapur, die auch schon mal mit Besuchen der jeweiligen Städte verbunden werden.

Eine etwas weniger bekannte, aber nicht minder attraktive Alternative, heisst Hongkong. Seit gut einem Jahr fliegt die zu den sichersten Airlines zählende Cathay Pacific die asiatische Metropole direkt ab Zürich an und hat Anschlussflüge in sämtliche wichtigen australischen Städte im Angebot. In den vergangenen Wochen haben wir die Probe aufs Exempel gemacht.

Lockende Ziele an der Ostküste

Ziel ist Brisbane im Sunshine-State Queensland, dem zweitgrössten Bundesstaat Australiens. Mit dem Wohnmobil geht es in den tropischen Norden. Immer in Sichtweite des faszinierenden Weltnaturerbes Great Barrier Reef. Eine Reise übrigens, die sich besonders im australischen Winter anbietet: Keine starken Regenschauer mit den gefürchteten Überschwemmungen (und verirrten Krokodilen auf den Strassen), erträgliche Temperaturen um die 27 Grad während des Tages und angenehme Abkühlungen in der Nacht – so die wesentlichen Vorzüge. Kommt hinzu, dass die Campingplätze zwar bei den wärmesuchenden Senioren aus den südlicher gelegenen Regionen Sydney und Melbourne gut besucht sind, aber doch nicht überfüllt, da die äusserst reisefreudigen Australier in dieser Zeit keine Schulferien haben.

Erste Bilanz

Nach einer 14 Jahre langen Pause nahm Cathay Pacific im Frühjahr 2015 die Verbindung von Zürich zu ihrem Drehkreuz Hongkong wieder auf. Brian Tsoi, Country Manager Switzerland, konnte nach dem ersten Jahr eine positive Bilanz ziehen: «Wir durften bereits unseren 85’000sten Gast auf der Strecke zwischen Zürich und Hongkong empfangen. Das ergibt eine durchschnittliche Auslastung von 85% nach zwölf Monaten – ein erfreuliches Ergebnis.» Bis zu 79% der Schweizer Fluggäste von Cathay Pacific nutzen die Umsteigeverbindungen in Hongkong. Bei den Ferienreisen stehen die australischen Destinationen sowie Cebu, Bali (Denpasar) oder Vietnam hoch im Kurs. Geschäftsreisende, die etwa 20% der Schweizer Passagiere ausmachen, bevorzugen Flüge nach Schanghai, Taipeh, Manila oder Sydney. Durch die Kooperation mit der 100%-Tochter Cathay Dragon sind auch die Flüge von Hongkong ins chinesische Streckennetz beliebt. Die Mindestumsteigezeit in Hongkong wird mit
50 Minuten angegeben.

Der Abflug ab Zürich erfolgt jeweils kurz nach Mittag. Cathay setzt dabei eine ihrer 70 Boeing 777 ein. Nach gut elf Stunden in der Luft erreicht man Hongkong in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages (Zeitverschiebung sechs Stunden). Ein unmittelbarer Weiterflug ist möglich. Attraktiv: Sollte der Anschlussflug mehr als fünf Stunden später erfolgen, gewährt die Airline den Zugang zu einer Ruhelounge mit Verpflegung und Duschmöglichkeit. Wer mit Kindern reist, ist jedoch gut beraten, zumindest eine Nacht in Hongkong zu verbringen. Gelegenheit sich zu erholen und die Stadt zu erkunden. So bieten sich eine gemütliche Fahrt mit der Standseilbahn auf den Aussichtspunkt Peak an (tolle Rundsicht) oder eine schwindelerregende Gondelfahrt auf der Insel Lantau zum eindrücklichen Big Buddha und dem mystischen Po-Lin-Kloster.

Frisch gestärkt und mit etlichen exotischen Eindrücken versehen, geht es auf den rund 8-stündigen Flug Richtung australische Ostküste. In Brisbane wartet bereits das Wohnmobil, welches für die kommenden drei Wochen das behagliche Zuhause sein wird. Gewöhnungsbedürftig, das Steuerrad befindet sich auf der «falschen» Seite und sowohl die Autos als auch die Monstertrucks kommen einem ständig auf der rechten Strassenseite entgegen. Doch das gibt sich bereits nach wenigen Kilometern.

Die Strände entlang der Ostküste sind schlichtweg gigantisch. Sie erstrecken sich über viele Kilometer und laden zu schier endlosen Spaziergängen ein. Abstecher nach Fraser Island und etwas weiter oben eine Bootsfahrt zu den Whitsundays gehören ganz einfach zum Pflichtprogramm.

Aufgepasst: Ab Rockhampton, auf dem Wendekreis des Steinbocks, warnen Tafeln vor Krokodilen in Flüssen und an Stränden. Diese Hinweise zu missachten, kann in der Tat tödlich enden. So unlängst geschehen, als eine deutsche Touristin in der Dämmerung die Lust auf ein kühlendes Bad überkam. Und sie ward nie mehr gesehen.

Die direkte Distanz zwischen Brisbane und Cairns beträgt rund 1700 Kilometer. Weiter nördlich endet die befestigte Küstenstrasse bei Cape Tribulation. Freunde tropischer Regenwälder kommen hier im Daintree Rainforest (auch dies ein Unesco-Weltnaturerbe) voll auf ihre Rechnung. Hier endet denn auch die Reise für herkömmliche Wohnmobile. Danach sind Offroader gefragt. Spätestens in Port Douglas kommen auch Schnorchler voll auf ihre Rechnung. Eineinhalbstündige Bootsfahrten bringen sie zur faszinierenden Unterwasserwelt des einmaligen Barrier Riffs. Wer zur Seekrankheit neigt, wird dabei auf einen möglichst erträglichen Wellengang hoffen.

Lebensfrohes Cairns

Die Fahrt geht schliesslich zurück nach Cairns. Die 1876 gegründete Hafenstadt (165 000 Einwohner) hinterlässt mit seiner Beizen- und Backpackerszene einen äussert lebhaften Eindruck. Der internationale Flughafen ist seit 1984 in Betrieb, was den Tourismus deutlich belebt hat. Hier heisst es Abschied nehmen vom inzwischen so vertrauten Eigenheim auf vier Rädern.

2300

So viele Kilometer lang ist das Great Barrier Reef. Es wird als eines der sieben Weltwunder der Natur bezeichnet. Als einziges Riff ist es aus dem Weltall erkennbar. Das Ökosystem des gigantischen Korallengartens droht aus dem Gleichgewicht zu geraten.

So reibungslos bis dato alles verlief, so spannungsgeladen gestalteten sich die letzten zwei Tage in Australien: Der Taifun «Nida» steuerte bedrohlich auf Hongkong zu. Der gesamte Flugverkehr musste eingestellt werden, Schulen wurden vorsorglich geschlossen, Lebensmittelgeschäfte leergekauft – kurz, es herrschte Untergangsstimmung. Zum Glück schwächte sich der angekündigte Mega-Tropensturm bereits über dem Meer etwas ab und zog rascher als befürchtet ab. So ging es doch noch wie geplant mit einem Airbus A330 zurück in die einstige britische Kronkolonie, wo sich der Heimatflughafen von Cathay Pacific befindet.
Übrigens, es soll Menschen geben, die auf Langstreckenflügen dem Sardinen-Dasein kaum Freude abgewinnen können. Dann ist man bei dieser Airline an der richtigen Adresse: Sie verfügt über das Vierklassensystem. Wenn First und Business den Budgetrahmen bei weitem sprengen und Economy zu unbequem erscheint, heisst die Lösung Premium Economy. Sie liegt im Trend. Airlines, die noch nicht darüber verfügen, sind daran diese Klasse einzuführen. Um nur die wichtigsten Vorzüge zu nennen: Für einen angemessenen Aufpreis gibt es in einem gesonderten Kabinenabschnitt breitere Sessel mit einem grösseren Neigungswinkel, deutlich mehr Beinfreiheit und eine reichhaltigere Verpflegung. Kommt hinzu, dass das Einchecken an speziellen Schaltern kaum mehr mit Schlangestehen verbunden ist.

Fazit: Wer auf dem Weg nach Down Under noch nie über Hongkong geflogen ist, kann auf dieser Reiseroute durchaus neue, positive Erfahrungen machen.