Freude und Enttäuschung lagen im kleinen Aare-Saal im Hotel Roter Turm in Solothurn nahe, sehr nahe beieinander – dort, wo CVP-Kandidaten, Mitglieder und Fans am Sonntagnachmittag den Wahlkrimi auf Laptops und Beamer mitverfolgten. «Ich kann persönlich herunterfahren», sagte der bisherige Nationalrat Stefan Müller-Altermatt bereits gegen 13.30 Uhr. Er führte die Liste «Die Mitte» souverän an.

Insbesondere erfreut war er über das Ergebnis in seiner Wohngemeinde Herbetswil. Von den 265 Wählenden hat er 311 Stimmen erhalten. Aber er leide mit der Partei und hoffe auf den Erhalt des zweiten Sitzes im Nationalrat. «Politik ist schliesslich ein Mannschaftssport.» Während er bereits erste Gratulationen zur Wiederwahl entgegennehmen durfte und sich gut gelaunt auf den Weg ins Medienzentrum in der Reithalle machte, traf der zweite bisherige CVP-Mann, Urs Schläfli, im Saal ein.

Schläfli und der krasse Unterschied

Und mit seinem Eintreffen veränderte sich die Atmosphäre, wenn auch kaum spürbar. Denn die Staatskanzlei lieferte aktuelle Zahlen, die Wahlkampfleiter Stefan Berger unverzüglich auf die Leinwand projizierte. Zu diesem Zeitpunkt konnte die CVP zwar ihre beiden Sitze noch halten, aber beide gingen an die Stammliste «Die Mitte».

Die zweite Liste «Sichere Werte» mit Nationalrat Urs Schläfli lag nach 70 ausgezählten der insgesamt 109 Gemeinden meilenweit, ja unaufholbar im Rückstand. Und er, der Meisterlandwirt aus Deitingen, wusste Bescheid: «Ich bin Realist genug und weiss, dass ich die Wiederwahl nicht schaffen werde», sagte er mit Blick auf die vorliegenden Resultate und sichtlich mit den Emotionen kämpfend. Nicht nur über sein persönliches Resultat war Schläfli enttäuscht – er lag zwar vorne, aber auf der falschen Liste –, sondern auch über das Ausmass der Differenz der Wählerstimmen für beide Listen.

Er sei davon ausgegangen, dass beide Listen gleichwertig seien. «Ich kann mir den krassen Unterschied auch nicht erklären.» Bei sich persönlich ortete er ein Manko. «Ich habe wohl Medien und Öffentlichkeit zu wenig gesucht.» Aber immerhin habe die Solothurner CVP ihre zwei Sitze im Nationalrat halten können, redete er sich Mut zu. Das war kurz vor 14 Uhr.

Doch bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass diese zwei Sitze alles andere als gesichert sind. «Es wird ein heisses Rennen mit der SP geben», analysierte Michael Ochsenbein, stellvertretender Wahlkampfleiter. «Die drei Städte werden das Rennen entscheiden.»

Bischof sorgte für Zwischenfreude

Für grosse Freude im Saal sorgte derweil – zwar nicht persönlich, aber in Form von Wahlstimmen – der wiederkandidierende CVP-Ständerat Pirmin Bischof; von Beginn an lag er deutlich an der Spitze des vierköpfigen Kandidatenfeldes. Relativ früh war klar, dass er den Sitz im ersten Wahlgang wird verteidigen können. Nach 15 Uhr stieg die Spannung im inzwischen gut gefüllten Saal an. Nach 106 von 109 ausgezählten Gemeinden war die CVP weiterhin mit zwei Sitzen in der grossen Kammer vertreten. Es fehlten noch die Ergebnisse aus Olten, Grenchen und Solothurn.

Und dann kam erst die Erlösung: Bischof verteidigte den Ständeratssitz diskussionslos im ersten Wahlgang. Der Applaus war riesig. Dann die Ernüchterung: Die CVP verliert ihren zweiten Nationalratssitz, die SP behält den ihrigen. Wahlkampfleiter Berger verliess kurz den Saal und sagte: «Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Wir haben Vollgas gegeben und einen engagierten Wahlkampf betrieben.» Das reichte nicht. Und im Saal wurde es still.