Um die ehemals stolze Webmaschinenherstellerin Sulzer in Zuchwil ist es ruhig geworden. Wenn es etwas zu melden gab, dann war es ein Stellenabbau. Nun hat sich das Blatt bei der seit 2001 zur italienischen Itema-Textilmaschinengruppe gehörenden Firma gewendet. Seit 2010 sei der Geschäftsgang gut, sagt Christian Straubhaar, Geschäftsleitungsmitglied der Itema (Switzerland) AG. «Wir schreiben wieder schwarze Zahlen und die Auftragslage ist gut, aktuell gar sehr gut.»

Grossauftrag an Land gezogen

Im Frühjahr sei es gelungen, einen Grossauftrag an Land zu holen. «Wir können für einen türkischen Hersteller von hochwertigem Jeans-Stoff 180 Projektil-Webmaschinen liefern», meldet Straubhaar nicht ohne Stolz. Zur Einschätzung des Auftragsvolumens einige Zahlen. Im Durchschnitt produziert die Itema in Zuchwil jährlich rund 100 Webmaschinen. Mit dem erwähnten Auftrag werden es im laufenden Jahr also rund 280 Anlagen sein.

Hohe Flexibilität

«Das wird eine grosse Herausforderung sein», erklärt denn auch der 39-jährige operative Leiter. Wird doch der Jahres-Ausstoss mit dem Türkei-Auftrag fast verdreifacht. Zur Bewältigung solcher Auftragsschwankungen benötige es eine extrem hohe Flexibilität in der Produktion. So werde der Personalbestand von aktuell rund 160 Angestellten nicht gross aufgestockt, sondern nur mit einigen Temporärstellen ergänzt. «Das ist aber nur dank einer motivierten und engagierten Belegschaft möglich», weiss Straubhaar und windet den Mitarbeitenden ein Kränzchen.

In der riesigen Montagehalle wird ruhig und konzentriert gearbeitet. Schritt für Schritt werden die in blauer Farbe gehaltenen Webautomaten je nach Kundenwunsch montiert, komplizierte Steuerungen eingebaut, getestet – am Schluss warten sie fixfertig verpackt auf den Abtransport. Sie wiegen zwischen zwei und vier Tonnen, maximal können darauf Stoffe mit einer Breite bis 6,55 Meter gewoben werden. Nebst der Montage der Projektil-Webmaschinen – bei diesem System klemmt ein Projektil den Faden ein und «schiesst» ihn an die gegenüberliegende Seite – ist Itema in zwei weiteren Bereichen aktiv.

5000 verschiedene Teile

In der Fertigung werden Teile für diese Maschinen, aber auch Ersatzteile hergestellt. Insgesamt sind es rund 5000 verschiedene Teile. Die Fertigungstiefe sei hoch, erläutert Straubhaar auf dem Betriebsrundgang. Da wird gedreht, geschliffen oder gelötet, die Teile wärmebehandelt, gehärtet und anschliessend oberflächenbehandelt. Im dritten Bereich, der Logistik, ist das gesamte Ersatzteilgeschäft der Gruppe zentralisiert. Das heisst, von Zuchwil aus werden weltweit alle Ersatzteile ausgeliefert. Das riesige, rund 20 Meter hohe vollautomatische Hochregallager umfasst über 100 000 Teile. Die Mitarbeitenden könnten je nach Auftragslage in allen Bereichen eingesetzt werden.

Webmaschinen für Nischenmärkte

Ist der Standort Zuchwil für die Webmaschinenmontage und Teilefertigung im harten globalen Wettbewerb überhaupt überlebensfähig? Christian Straubhaar sagt Ja und liefert die Begründung. «Wir produzieren Webmaschinen für Nischenmärkte. Dort können wir unsere Stärken ausspielen.» Dazu habe man sich auf die bereits während der Sulzer-Ära angewandte Projektiltechnik konzentriert. Diese Anlagen – Straubhaar bezeichnet sie als Spezialitäten – seien geeignet für die Herstellung von Nischenprodukten, wie etwa Filtergewebe, Grundgewebe für Teppiche oder für hochwertige Textilstoffe.

Zudem könne darauf sehr breit gewoben und feine bis grobe Garne verarbeitet werden. Dank dieser Spezialisierung mit hohem Nutzen für den Kunden und hoher Qualität sei es möglich, Preise zu erzielen, die einen rentablen Betrieb erlaubten. Mit Anlagen für «gewöhnliche» Stoffwebereien hätte Zuchwil keine Chance. Diesen Bereich decke Itema in ihren Werken in Italien und China ab, wo sogenannte Greifer- und Luftwebmaschinen produziert werden.

«Extrem konjunkturabhängig»

Trotz der momentan guten Auftragslage zeigt sich Straubhaar aber nicht übermässig euphorisch. «Der Textilmaschinenmarkt ist extrem konjunkturabhängig. Sobald weniger Stoff gebraucht wird, werden auch keine neuen Webmaschinen mehr bestellt.» Es gehe darum, mit diesen Zyklen leben zu lernen. Hauptaufgabe sei es, die Produktion schlank zu halten, um die Kosten in jeder Phase im Griff halten zu können. Längerfristige verlässliche Prognosen über den Geschäftsverlauf sind nicht möglich. Der Standort Zuchwil liefere gute Resultate, und für 2014 sehe es eher positiv aus, gibt sich Straubhaar vorsichtig.

Mehrere Aufträge steckten in der Pipeline. Bei einem Exportanteil von über 95 Prozent spiele auch der Wechselkurs eine wichtige Rolle; zurzeit drücke der starke Franken auf die Marge. Wichtigste Absatzmärkte sind, so Straubhaar, Naher und Ferner Osten, Nordafrika und Europa. Einigen Schub für die Maschinen aus Zuchwil erwartet Itema vom geplanten Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China. Leider sehe es so aus, dass die Zölle in einigen Industriebereichen nur teilweise oder gar nicht abgeschafft werden sollen. «Darunter fallen auch Textilmaschinen. Das ist schade», bedauert Straubhaar.