Zuchwil
Auch dank Orchideen: Wie das Wyss Gartencenter die Corona-Pandemie übersteht

Viele Betriebe hatten im vergangenen Jahr Mühe, sich über Wasser zu halten. Die Gärtnerei Wyss AG in Zuchwil hat im letzten Jahr einige Tricks zum Überleben dazugelernt.

Andri Morrissey
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Das Gartencenter Wyss Zuchwil verkaufte viele Orchideen.

Das Gartencenter Wyss Zuchwil verkaufte viele Orchideen.

Michel Lüthi

Es ist ein schöner Freitagmorgen und die Sonne leuchtet über die Wyss Gärtnerei in Zuchwil. Auf dem grossen Parkplatz vor dem Eingang stehen nur wenige Autos und Menschen sind kaum zu sehen. Auf dem Weg bis zum Eingang entsteht fast der Eindruck, der Laden stecke noch im Lockdown. Durch die Glasfront neben dem Eingang sind die ersten Pflanzen zu sehen.

Sobald man durch die Türen tritt, trifft man auf Kundschaft. Der Laden ist nicht gerade überfüllt – im Vergleich zum letzten coronageprägten Jahr hat's aber einige Leute im Aussenbereich bei den jungen Bäumen und kleinen Pflanzen und nebenan bei den Rosensetzlingen.

Patrick Birrer ist seit Anfang 2015 Leiter des Gartencenters in Zuchwil. Er tritt sehr selbstsicher auf und kann auf Anhieb über alle Erfahrungen vom letzten Pandemiejahr berichten. Er erklärt, dass die Saison für seinen Betrieb mit dem Frühling jetzt losgeht. «In den letzten drei Wochen konnten wir schon wahnsinnig viele Kunden begrüssen», sagt Birrer.

Michel Lüthi

Dies liege vor allem am frühlingshaften Wetter. Die Orchideen-Ausstellung, die zusätzlich zu betrachten war, habe sich schnell herumgesprochen und viele weitere Kunden wurden davon angelockt. «Am Anfang des zweiten Lockdowns, gerade um Weihnachten, hatten wir Angst», sagt Birrer. Aber als Anfang Januar die Orchideen-Ausstellung begann, war diese Angst wieder weg.

Das Zentrum Wyss, wie andere Gärtnereien und Gartencenter in der Schweiz, durfte durch den zweiten Lockdown hindurch ihre Türen offen behalten. Im ersten Lockdown im März 2020 war dies nicht der Fall. Bis auf Betriebe, die Güter des täglichen Gebrauchs anboten, mussten alle Läden schliessen.

Davon waren auch die Gartencenter in der ganzen Schweiz betroffen. «Im letzten Jahr hatten wir Kurzarbeit. Damals war alles ungewiss, weil es am 17. März hiess, alle müssten schliessen. Und das war für uns der schlimmste Moment, der Saisonbeginn», sagt Birrer. Die «Rettung» sei der Onlineshop gewesen. Dieser wurde durch die ganzen Lockdownmonate hindurch betrieben und gab den 40 Angestellten des Gartencenters sehr viel zu tun. «Wir konnten fast nicht mithalten. Wir hatten so viele Bestellungen im Shop.» Natürlich ersetzte der Onlineshop bei weitem nicht den Umsatz eines normalen Frühlings, ergänzt Birrer.

Die Kunden des Gartencenters verstärken Birrers Aussage. Die beiden Lockdowns in der Schweiz haben scheinbar nicht zu ganz neuen grünen Daumen bei den Leuten geführt, viele erzählen aber, dass sie keine grossen Gartenplanungen durchgenommen hätten, wenn sie nicht über drei Monaten hätten zu Hause bleiben müssen. «Vielleicht hätte ich keine grossen Planungen durchgenommen, wenn keine Pandemie wäre», sagt eine Kundin.

Orchideen und andere Zimmerpflanzen der Hit

Das Bedürfnis nach Pflanzen in der Wohnung und im Garten wurde somit bei vielen verstärkt. «Ich freue mich auf den Frühling», sagt eine weitere Kundin. Auch die anhaltende Pandemie und die damit einhergehenden Massnahmen stellen für die Kundschaft des Gartencenters kein Hindernis dar. Der Abstand wird eingehalten und alle halten sich während dieses Besuchs strikt an die Maskenpflicht.

Daher ist es passend, dass laut Patrick Birrer sich vor allem Orchideen und andere Zimmerpflanzen in den letzten Monaten gut verkauft hatten. Ab Mitte Februar, als das Wetter wieder ein bisschen wärmer wurde, hätten auch Primeln und viele weitere Frühlingsblumen bei den Kunden an Beliebtheit gewonnen.

Das schöne Wetter hat in den vergangenen Tagen zu einem ziemlichen Andrang im Zuchwiler Gartencenter geführt.
9 Bilder
Eine Möglichkeit, die Zeit zu Hause zu nutzen: Den Garten aufpeppen.
Derzeit im Trend: Frühlingsblumen.
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Blick aufs Areal

Das schöne Wetter hat in den vergangenen Tagen zu einem ziemlichen Andrang im Zuchwiler Gartencenter geführt.

Michel Lüthi

Einen Einbruch erwartet, der nie gekommen ist

Während der ersten Märzwoche dieses Jahres wurden die ersten Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gelockert. Somit konnten auch Kleider-, Sport- und Elektronikläden wieder öffnen. Aus diesem Grund wurde laut Patrick Birrer in dieser Woche ein kleiner Einbruch an Besuchern erwartet.

Dies war aber nicht der Fall. «Dadurch, dass das Wetter gut war und dass es so warm war, haben wir schon jetzt einen ziemlich grossen Andrang», sagt Birrer. Der Andrang sei sogar grösser gewesen als in den Jahren vor der Pandemie. Die geschäftliche Feuertaufe, die Wyss durchmachen musste, hat auch zu einigen Lektionen für den künftigen Verkauf gelernt. Dazu gehört, laut Birrer, ein besser aufgebauter Onlineshop.

Michel Lüthi

Zwar sei es ein schwieriges Jahr gewesen, Birrer spricht aber von Glück im Unglück. «Wenn man andere Betriebe anschaut, zum Beispiel Gastrobetriebe oder Detailhandel, die zumachen mussten, sind wir mit einem hellblauen Auge davongekommen», sagt Birrer.

«Wir können gar nicht sagen, dass wir riesige Verluste eingefahren haben, wenn man uns mit anderen Betrieben vergleicht, die viel schlimmer getroffen wurden.»

Birrer zeigt sich vor allem solidarisch mit den Betrieben, die es gerade viel schwerer haben, sich über Wasser zu halten. «Wir hoffen, dass die Pandemie nicht noch einmal eintrifft, aber nicht nur für uns, sondern auch für die anderen im Gewerbe.»

Zum Schluss verweist Patrick Birrer auf die kleinen Änderungen, die jetzt trotzdem wegen der Pandemie im Gartenhaus eingekehrt sind. Zwar gehen Kunden wie Angestellte ihren normalen Alltag nach, aber ein kleiner Unterschied zu der Zeit vor der Pandemie besteht noch. Das kleine Bistro, umgeben von Pflanzen neben der grossen Glasfront beim Eingang, wo das Interview geführt wurde, muss weiterhin geschlossen bleiben.