Berufswahl

Zu wenig Interessierte: Solothurner Wirtschaft wirbt für Industrie-Berufe

Die Macher des Solothurner Berufswahl-Events (v.l.): Andreas Nold, Projektleiter IB Live, Alex Naef, CEO Hess AG, Reto Kohli, Präsident Stiftung IHVG Grenchen, und Josef Maushart, Präsident Inveso.Hansjörg Sahli

Die Macher des Solothurner Berufswahl-Events (v.l.): Andreas Nold, Projektleiter IB Live, Alex Naef, CEO Hess AG, Reto Kohli, Präsident Stiftung IHVG Grenchen, und Josef Maushart, Präsident Inveso.Hansjörg Sahli

Für die Industrie-Berufe fehlt es an Interessierten mit den nötigen Qualifikationen. Die Solothurner Wirtschaft will dem Fachkräfte-Mangel entgegenwirken und Jugendliche an vier Tagen im Mai die Faszination der Industrie live erleben lassen.

Der Solothurner Wirtschaft fehlen Fachkräfte – und weil stark industrielastig, ist der Kanton vom sich verschärfenden Mangel an Fachkräften überdurchschnittlich betroffen. Umsomehr seien die Unternehmen auf «genügend Nachwuchs, sprich Lernende» angewiesen, erklärte Josef Maushart, Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso), an einer Medienkonferenz vom Freitag. Er gab den Startschuss zur Berufsmesse «IB Live». Während vier Tagen im Mai öffnen sieben Betriebe im Raum Solothurn ihre Türen für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte.

Falsches Bild muss korrigiert werden

Es fehle nicht grundsätzlich an Lehrstellen für die industriellen Berufe, sondern vielmehr an Interessierten mit den nötigen Qualifikationen, sagte Maushart, auch als Chef der Präzisionswerkzeugherstellerin Fraisa in Bellach. Offensichtlich herrsche unter den Jugendlichen und auch ihren Eltern immer noch ein falsches Bild über die Industrieberufe. Er untermauerte die Aussage mit Zahlen. In der Schweiz schliessen jährlich 17 000 Jugendliche ihre Ausbildung zum Kaufmann respektive Kauffrau ab, aber nur deren 1700 zum Polymechaniker; dies, obwohl die meisten Kaufleute nach der Lehre ein halbes oder ein ganzes Jahr benötigen, um einen Arbeitsplatz zu finden.

«Offenbar kommt es in der Berufsausbildung zu Fehlallokationen.» Und deshalb seien alle Beteiligten gefordert. Die Industrie müsse die Attraktivität der Berufe besser «vermarkten», Schulen und Eltern müssten sich ein realistisches Bild über die industriellen Berufe verschaffen.

«Modell Grenchen» überzeugt

Insbesondere die Eltern seien gefordert, ergänzte Alex Naef, Chef der an der IB Live engagierten Bellacher Carrosserie Hess AG. Er erwähnte dazu Ergebnisse einer landesweiten Studie. Demnach fällen zwei Drittel der Schulabgänger die Berufswahl aufgrund von «Anregungen» aus dem Familien- und Bekanntenkreis und weniger als zehn Prozent aufgrund von Informationen an herkömmlichen Berufsmessen und von Berufsberatungen. «Es braucht neue Wege zur Entscheidfindung der Berufswahl. Die IB Live ermöglicht einen realistischen Einblick in die Praxis, demonstriert von Praktikern», verwies Naef auf das «Modell Grenchen».

Erklärt in der eigenen Sprache

Denn die Idee hinter dem Berufswahl-Event in Solothurn ist nicht neu, sondern in Grenchen bereits dreimal durchgeführt worden. «Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht», berichtete Reto Kohli, Präsident der Stiftung Industrie- und Handelsverband Grenchen und Umgebung. Er ist Ausbildungschef bei der ETA und Projektleiter der IB Live Grenchen. Das Motto laute «Sehen – berühren – erleben». Speziell gut komme an, dass die jeweils eigenen Lernenden den interessierten Schülern die verschiedenen Berufsbilder erklärten. «Und zwar in der Sprache von Jugendlichen.»

Im vergangenen Jahr haben über 2100 Besucherinnen und Besucher, darunter 76 Schulklassen, am Berufswahlanlass in Grenchen und Umgebung teilgenommen. Ziel sei auch, die Eltern von der Industrie und der Technik zu begeistern. «Sie bestimmen massgeblich, was ihr Nachwuchs macht.» Zu viele Kinder würden den gymnasialen Weg einschlagen. «Diese Jugendlichen fehlen später in der Industrie, um die Lehrstellen mit immer höheren Anforderungen besetzen zu können.» Künftig findet die IB Live jährlich alternierend in Grenchen und Solothurn statt.

Erhöhte Wettbewerbsfähigkeit

Inveso-Präsident Josef Maushart verwies nicht zuletzt auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Industrie. Allein die 70 Inveso-Mitglieder beschäftigten über 5000 Mitarbeitende und erzielten einen Umsatz von
2 bis 2,5 Milliarden Franken. «Die exportorientierte Industrie leistet einen substanziellen Beitrag an den Wohlstand in unserer Region.» Um sich im harten internationalen Wettbewerb behaupten zu können, seien die Firmen auf topausgebildete Fachkräfte angewiesen.

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