Betagtenbetreuung

Zu wenig bekannt, zu teuer: Tagesstätten haben es im Kanton schwer

In der Tagesstätte des Seniorenzentrums Untergäu, Hägendorf, haben sich Grüppchen gebildet, die gerne jassen.

In der Tagesstätte des Seniorenzentrums Untergäu, Hägendorf, haben sich Grüppchen gebildet, die gerne jassen.

Das Kurzaufenthaltsangebot der Tagesstätten für Betagte, die noch zuhause wohnen, ist im Kanton Solothurn noch kaum bekannt. Zudem ist es für Pflegebedürftige und Angehörige mit 80 bis 125 Franken zu teuer.

Im Kanton Solothurn gibt es neun Tagesstätten mit Kurzaufenthaltsangeboten für Betagte, die noch zu Hause wohnen. Diese Angebote werden genutzt, voll ausgelastet sind die Tagesstätten jedoch nicht. Fachpersonen führen dies auf die Kosten zurück, die zu teuer seien. Ein Tag kostet zwischen 80 und 125 Franken.

Die Idee von Tagesheimen ist: Man geht am Vormittag hin, nimmt am Programm teil und kehrt am Abend nach Hause zurück. Dies soll die betreuenden Angehörigen entlasten und den Pflegebedürftigen soziale Kontakte ermöglichen.

Ebenso werde der Eintritt in ein Altersheim hinausgezögert und damit auf den im Pflegebereich geltenden Grundsatz «ambulant vor stationär» gesetzt. Viele der Pflegebedürftigen, die ein Tagesheim besuchen, kommen einmal die Woche, andere mehrmals.

Abwechslung wird geschätzt

Seniorinnen und Senioren, die Tagesstätten besuchen, sind geteilter Meinung, was das Angebot betrifft. Dies zeigt eine anonymisierte Umfrage dieser Zeitung in den Tagesstätten Hägendorf, Bettlach und Solothurn.

Die sich bietende Abwechslung wurde positiv hervorgehoben: Wenn sie nicht in der Tagesstätte wären, so würden viele lediglich alleine zu Hause vor dem Fernseher sitzen. «In Tagesheimen kommt man unter die Leute», meint eine Seniorin. Die Pfleger ernten für ihre Betreuung und ihr Engagement viel Lob.

Besuch manchmal erzwungen

Manche der befragten Senioren und Seniorinnen wollen das erst seit ein paar Jahren etablierte Kurzaufenthaltsangebot gerne nutzen. Eine zufriedene Seniorin meint: «Ich bin ein neugieriger Mensch und lerne gerne Neues kennen. Über Für und Wider musste ich nicht entscheiden.» So fühle sie sich im Tagesheim gut aufgehoben.

Andere Betagte hingegen sind unsicherer. Ein Senior erklärt: «Ich hatte das Gefühl, dann nicht mehr als Erwachsener behandelt zu werden.» Eine Seniorin, die eine an ein Altersheim angegliederte Tagesstätte besucht, fügt hinzu: «Am Anfang zögerte ich, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Aber ich wurde hier mit offenen Armen aufgenommen. Man findet schnell Freunde und fühlt sich ein wenig wie in einer Familie.»

Einige Betagte schätzen zwar die Abwechslung und die Ambiance, fühlen sich mit ihrem Tagesheim jedoch nicht stark verbunden. So gibt es Besucher, die scheinbar nicht freiwillig ins Tagesheim gehen: Die Angehörigen brauchen Entlastung und möchten, dass die zu pflegende Person gut aufgehoben ist. Deshalb geraten manche Betagte auch ein wenig unter Druck, wie unsere Umfrage ergibt.

Es schlägt aufs Budget

Dass Tagesstätten eher mässig besucht werden, führen die Betagten unter anderem auf Finanzielles zurück. Die Kosten müssen fast gänzlich aus eigener Tasche bezahlt werden.

Aus Spargründen hat sich der Kantonsrat im vergangenen Jahr gegen die finanzielle Unterstützung der pflegebedürftigen Personen in Tagesstätten entschieden. Momentan zahlt die Krankenkasse pro Tag 24 Franken. Wer ein Anrecht auf Ergänzungsleistungen hat, kann von einer zusätzlichen Summe profitieren.

Andere Kantone unterstützen die Tagesstätten finanziell. Darunter Bern, wo das Angebot grossen Andrang findet. Im Kanton Solothurn können einige Betagte mit dem Preis leben und geraten nicht in finanzielle Notlage, obschon sie mehrmals wöchentlich eine Tagesstätte besuchen. «Im Preis- und Leistungsvergleich kann man sich nicht über die Kosten beklagen», finden Betagte. Inbegriffen sind Verpflegung und Betreuung. Oft übernehmen die Angehörigen die Kosten, doch auch denen steht meistens ein eher knappes Budget zur Verfügung.

Nicht so bekannt

Erika Biberstein, Leiterin Tageszentrum im Altersheim Wengistein in Solothurn, kann sich vorstellen, dass die Tagesstätten noch zu wenig bekannt sind: «Dieses Angebot gibt es seit ein paar Jahren; das ist noch nicht lange genug, als dass die breite Bevölkerung davon gehört hat.»

Vergleicht man die bestehenden Tagesstätten im Kanton, lassen sie sich an beiden Händen abzählen. Vor allem jene, die nicht an ein Pflegeheim angegliedert sind, haben es schwer, sich über Wasser zu halten.

Die Tageszentren bieten zwischen drei und zwölf Plätzen. Zusammengerechnet können demnach nicht viel mehr als 100 Betagte pro Tag in allen Tageszentren im Kanton Solothurn zusammen aufgenommen werden.

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