«Mit diesem Schreiben informieren wir Sie über wichtige Änderungen in Zusammenhang mit den Deutsch-Integrationskursen für Asylsuchende (Ausweis N).» Die «wichtigen Änderungen», die das Solothurner Amt für Soziale Sicherheit (ASO) diesen Monat ankündigt: Personen mit Ausweis N – Menschen, die ein Asylgesuch gestellt haben, aber noch keinen Asylentscheid erhalten haben – dürfen künftig nur noch halb so viele Deutschlektionen besuchen wie bisher. Sie sollen nur noch in sogenannte Semi-Intensivkurse. In diesen haben sie 10 Lektionen Deutsch in der Woche. In den bisherigen Intensivkursen waren es 20.

Bereits im Mai 2017 informierte das ASO über eine «wichtige Änderung». Auch damals hiess es, es gebe zu viele Personen mit Status N in den Intensivkursen. Das sei zu teuer. Künftig dürften sie deshalb nur noch in Semi-Intensivkurse. Letztes Jahr sorgte diese Forderung aber für Empörung – und kam dann deshalb doch nicht durch.

«Überforderte» Asylsuchende?

Etwa CVP-Kantonsrätin Susan von Sury (Feldbrunnen) kritisierte letztes Jahr den Entscheid. Dieser mache keinen Sinn. Mit halb so vielen Deutschkursen hätten Asylsuchende doppelt so lang, um die Sprache zu lernen. Das komme am Schluss teurer. Was sagt die Präsidentin der kantonsrätlichen Sozial- und Gesundheitskommission heute?

Die Kommission sei vom ASO an einer Sitzung informiert worden, erzählt von Sury am Telefon. Ihre Meinung klingt deutlich weniger kritisch als 2017: Man solle die Intensivkurse à 20 Lektionen nur den Menschen anbieten, die auch auf diesem Niveau Deutsch lernen können. «Manche Personen mit Ausweis N sind mit den Intensivkursen überfordert», sagt die Feldbrunnerin.

Was ist mit denjenigen, die lernen wollen und auch können? Von Sury überlegt kurz und sagt dann, was ihrer «ganz persönlichen Meinung» entspreche: «Wenn jemand gut ist und an den Intensivkursen teilnehmen kann, müsste man ihm diese Chance geben – egal welchen Ausweis der Mensch besitzt.» Solche Ausnahmen gibt es. Laut ASO können Personen, die etwa einen Arbeitsvertrag oder eine Lehrstelle kriegen, mit einer «Einzelfallbewilligung» weiterhin in die Intensivkurse.

«Kein Kommentar» bei den Schulen

Letztes Jahr äusserten sich auch die betroffenen Schulen zum Entscheid: Dieser schade der Glaubwürdigkeit der Schulen. Die subventionierten Deutschlektionen finden an der Volkshochschule und der Erwachsenenbildungsinstitution Ecap statt. Zum diesjährigen, erneuten Entscheid sagt deren Direktor Bruno Flury: «Kein Kommentar.» Er habe Weisung, in diesem Thema an das ASO weiterzuleiten. Dasselbe schreibt auf Anfrage auch Barbara Käch, Geschäftsleiterin der Volkshochschule.

Das ASO selbst begründet den Entscheid wie schon letztes Jahr: Die Intensivkurse sind zu teuer. Für die Deutsch-Integrationskurse hat das ASO laut Reto Steffen, Abteilungsleiter Sozialintegration und Prävention, ein jährliches Budget von 2.6 Millionen Franken. Dieses würde um rund eine halbe Million überschritten, wenn sich «das Angebot über alle Trimester konstant» entwickeln würde. Dies, weil deutlich mehr Intensivkurse als Semi-Intensivkurse stattfinden: Dieses Jahr wurden laut Steffen bisher 53 Intensivkurse – und nur 8 günstigere Semi-Intensivkurse durchgeführt. Dabei besuchten 229 Teilnehmer mit Status N die teureren Kurse. Für sie sei die Sprachförderung auch noch mit 10 Lektionen in der Woche «intensiv», fährt Steffen fort.

Und: «Für eher lernungewohnte Personen dürfte der weniger intensive Kursunterricht effizienter sein.» Darüber, wie viele Intensivkurse jetzt noch an den Schulen durchgeführt werden, und ob es allenfalls zu Entlassungen komme, habe das ASO keine Informationen.

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