Es ist eine nicht enden wollende Geschichte, die am Donnerstag zum wiederholten Male vor Gericht verhandelt wurde. Eine Geschichte von unzähligen Beschwerden, Anschuldigungen und Verfahren. Und nicht zuletzt auch eine Geschichte, bei der es wohl keine Gewinner geben kann: die Irr- und Leidenswege der Familie Pavic aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Seit 1992 leben Miodrag, Gordana, und Tochter Sara Pavic in der Schweiz; den grössten Teil davon haben sie in Etziken verbracht. Eigentlich hätten die drei Ex-Jugoslawen schon lange ausgeschafft werden sollen – nach Kroatien. Das war aber bislang nicht möglich, da die Familie nie eine kroatische Staatsbürgerschaft erhalten hat und auch nicht in das Land zurückkehren will, aus dem sie damals vertrieben wurde (wir berichteten).

«Schäbige» Wohnung abgelehnt

Seit 2008 erhalten die drei nur noch Nothilfe – die Sozialhilfe wurde ihnen gestrichen. «Meine Familie wird seit Jahren systematisch ausgehungert», sagte Gordana Pavic in einem sehr emotionalen Plädoyer vor dem Verwaltungsgericht. «Über einige Tage geht das vielleicht, aber nicht über Jahre. Erklären Sie mir bitte, wie man von diesen paar Franken pro Tag leben soll.»

Doch damit nicht genug: Von Juli 2011 bis Dezember 2012 hatte die Familie noch nicht einmal die Nothilfe gekriegt. Ende Juni 2011 war den Pavics die Wohnung in Etziken gekündigt worden – «missbräuchlich», wie die Familienmutter findet. «Bloss weil wir uns über einen Schaden im Badezimmer beklagt hatten.» Anschliessend wurde ihnen vom Sozialdienst Wasseramt Ost eine Wohnung in Subingen zugeteilt. Weil dort bereits fünf alleinstehende Männer untergebracht waren und die Unterkunft in einem «desolaten Zustand» gewesen sei, wie Gordana Pavic erklärte, weigerte sich die Familie, dort einzuziehen.

Sie beschwerte sich beim Amt für soziale Sicherheit (ASO) über den Leiter des Sozialdienstes. Das ASO unterstützte den Sozialdienst Wasseramt Ost, die Familie zog trotzdem nicht ein und führte erfolglos Beschwerde gegen das ASO. Das betreffende Gebäude ist inzwischen aber abgerissen.

Die Pavics lehnten eine weitere Wohnung in Solothurn ab, weil sie laut einem von Tochter Sara zitierten Gutachten «asbestverseucht» und «lebensgefährlich» war. Dann kamen sie zwischenzeitlich bei Privatpersonen unter und fanden schliesslich eine ihrer Meinung nach angemessene Wohnung in Grenchen, die ihnen aber von den Behörden nicht genehmigt wurde.

«Wer so handelt, der ist nach unserer Einschätzung nicht bedürftig», erklärte Claudia Hänzi vom ASO gestern. «Die Nothilfe ist tatsächlich knapp bemessen, aber die Leute erhalten von uns eine Unterkunft und Zugang zur medizinischen Grundversorgung. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass die Wohnansprüche der Familie Pavic nicht mit dem übereinstimmen, was wir anbieten können.»

Zwischen alle Maschen gefallen

Dass sie aber deshalb anderthalb Jahre lang durch sämtliche Maschen gefallen waren und nicht einmal Nothilfe erhielten, will die Familie aus Ex-Jugoslawien nicht hinnehmen. Sie verlangten vor dem Verwaltungsgericht zudem, wieder Sozialhilfe zu erhalten. Auch wünschen sie sich – zumindest für die Tochter, die seit dem dritten Lebensjahr in der Schweiz ist –, endlich einer Arbeit nachgehen zu können.

Trotz der schwierigen Verhältnisse hätten nämlich sowohl Miodrag Pavic (ausgebildeter Ingenieur) als auch Tochter Sara eine Arbeitsstelle gefunden. Die nötige Arbeitsbewilligung werde ihnen aber verweigert, so Gordana Pavic.

«Jeder hat in der Schweiz ein Recht auf menschenwürdiges Leben», sagte der Familienvater. «Wir haben ein Recht auf Kleidung, Nahrung und eine Unterkunft.» In diesem Recht sehe er sich und seine Familie verletzt. Man habe ihnen zu wenig Geld zum Leben zur Verfügung gestellt und ihnen nichts als schäbige Wohnungen angeboten. Verwaltungsgerichtspräsident Beat Stöckli versprach, alle Anliegen gründlich zu prüfen. Die Urteilseröffnung werde daher erst in etwa zwei Wochen erfolgen.