Das Trainingslager des FC Bellach auf Gran Canaria hat diesen Winter für Schlagzeilen gesorgt: Ein Spieler des Zweitligisten behauptet, dass er vom Klubpräsidenten und dessen beiden Söhne – ebenfalls Spieler in der ersten Mannschaft – im Ausgang verprügelt worden sei.

Fest steht: Es floss reichlich Alkohol. Die genaue Faktenlage ist bis heute unklar, es steht Aussage gegen Aussage. Bei vielen Fussballvereinen aus der Region ist es fast schon zur Tradition geworden, dass sie ihr Wintertrainingslager in Südeuropa verbringen – oft in einer Stranddestination, die auch bei Party-Urlaubern beliebt ist. Wie gross ist der Ertrag solcher Trainingslager im Süden? Und warum nehmen die Vereine solch eine weite Reise auf sich?

«Die Platzverhältnisse und Temperaturen im Winter erlauben kein Training in der Region», sagt Roland Stampfli, Präsident des kantonalen Fussballverbandes. «Viele Destinationen wie etwa jene in Südspanien sind froh, wenn sie ihre Lokalitäten auch in der Zwischensaison vermieten können.» Für die Vereine entstünden dadurch qualitativ und finanziell attraktive Angebote.

Der Nutzen von Trainingslagern steht für Stampfli ausser Frage.

«Allerdings hängt das stark von der Ligazugehörigkeit ab.» Eine intensive Trainingszeit – unmittelbar vor der Rückrunde – könne die Spieler «konditionell und emotionell auf einen Höhepunkt bringen», weiss Stampfli aus eigener Trainer-Erfahrung.

Ausgang gehört zum Programm

Auch Ivan Meyer, Geschäftsführer des Reisebüros «Ivanmeyertours» in Wangen an der Aare, hat viele Jahre als Trainer gearbeitet. Heute ist sein Reisebüro auf Sportlager und Kurzcamps spezialisiert – unter anderem auch auf Fussballlager. Er weiss, dass die Vereine je nach Liga unterschiedliche Ansprüche an die Unterkunft und deren Umgebung haben.

«Die Erstligisten legen grundsätzlich mehr Wert auf die Infrastruktur», berichtet er, «während sich die Amateurmannschaften eher von Orten angezogen fühlen, an denen auch etwas läuft.»

Im Klartext: Von Orten, die auch ein attraktives Freizeitprogramm ermöglichen und Ausgehmöglichkeiten bieten. Das Wichtigste sei natürlich aber ein Trainingsplatz, der entweder direkt an die Unterkunft angegliedert oder per Transfer einfach zu erreichen sei, sagt Meyer.

Bei der Buchung achtet der Reiseveranstalter stets auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. «Oftmals sind Schüler und Lehrlinge dabei, die knapp bei Kasse sind.» Deshalb übernehmen meistens die Vereine einen grossen Teil der Lagerkosten.

«Ein gemeinsamer Ausgang gehört manchmal zum Programm, aber gerade wegen der Mitfinanzierung der Vereine werden konzentrierte Trainings erwartet», so Meyer. In dieser Saison steht die spanische Stadt Salou bei Fussballvereinen aus der Region hoch im Kurs. «Dort läuft nichts punkto Ausgang», betont Meyer.

Auch Helfer sind dabei

Für Markus Panizzoli, Leiter Aktive beim FC Subingen, steht fest: «Lager haben schon immer dazugehört.» Zum Thema «Freizeit neben dem Platz» hat Panizzoli eine dezidierte Meinung.

Er erinnert daran, dass neben den Spielern auch Supporter und Funktionäre an den Trainingslagern teilnehmen. Diese müssten wie die Spieler eine Ferienwoche dafür investieren.

«Somit ist es mehr als gerechtfertigt, dass den Teilnehmern neben dem Sport auch eine gewisse Freizeit zugutekommt, damit sie ihre Ferien auch geniessen können.» Der Reiseveranstalter Ivan Meyer teilt Panizzolis Ansicht. «Teamfördernde Freizeit sollte durchaus drinliegen, das schränkt ein seriöses Training nicht ein.»

Partys und Co.: Kein Thema?

Verbandspräsident Stampfli und Reiseorganisator Meyer sind sich einig: «Ein Trainingslager fördert den Teamgeist und den Zusammenhalt, der heutzutage wegen der vielen anderen Hobbys neben dem Fussball nicht mehr selbstverständlich ist.»

Und wenn das Trainingslager das Team zusammenschweisse, könne sich das letztlich auch positiv auf ein Spiel auswirken. Die Gespräche mit Verband, Vereinen und Veranstaltern zeigen: Wer an Trainingslagern beteiligt ist, macht sich weit weniger Sorgen wegen Partys, Ausgang oder gar Alkoholexzessen, als man das gemeinhin nach den Schlagzeilen des FC Bellach hätte annehmen können.