Festival
Zu Besuch bei den Uhurianern - Stimmen die Vorurteile?

Während einer Woche singen, tanzen und musizieren 500 Uhurianer auf dem Weissenstein. Man hört viel über diesen «spirituellen» Event und seine Gäste. Aber: Wie genau ist ein typische Uhuru-Besucher? Ein Besuch auf dem Festival verschafft Einblick.

Bastian Heiniger
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Im Didgeridoo-Kurs lernen die Gäste die Zirkularatmung, Rhythmen und Komposition.

Im Didgeridoo-Kurs lernen die Gäste die Zirkularatmung, Rhythmen und Komposition.

Hansjörg Sahli

Der typische Uhuru-Besucher ist so spirituell, dass er mindestens fünf Meter über dem Boden schwebt. Ein Esoteriker oder dann halt ein Kiffer. So zumindest lauteten die Vorurteile, wie uns eine Besucherin aus Huttwil erklärt. Zum vierten Mal besuche sie die Kurs- und Konzertwoche auf dem Weissenstein, mit ihren beiden Kindern. Bis zum Freitag tanzen, singen, malen und meditieren bis zu 500 angemeldete Personen an dem Festival.

Doch wie ist er wirklich, der typische Uhuru-Gänger? Wir schauen uns um. Verlässt man die Gondelstation, vermischen sich sogleich Kuhglockengebimmel mit afrikanischen Trommelklängen. Vor dem ersten Kurszelt bildet eine Gruppe von Menschen einen Kreis. Sie halten Hände, singen und beugen sich im Rhythmus vor und zurück. Also doch esoterisch? Wir gehen weiter. Sofort fallen einem zwei Dinge auf: Erstens spielen überall auf dem Gelände Kinder. Ob Fangis, Fussball, Jonglieren, Seiltanzen oder Trommeln. Zweitens sehen Zeltplatz und Festivalgelände auch am vierten Tag so sauber aus, als wären die Leute gerade erst angekommen. Nirgendwo liegt Abfall herum. Keine leeren Bierflaschen oder lädierte Zelte überdecken die Wiese, wie man dies von anderen Festivals kennt.

Auch Schildkröten zu Gast

Uhuru heisst Freiheit auf Suaheli. Doch zumindest die Geländeregeln sind strikt: Im Campingbereich gilt Nachtruhe, Feuerstellen sind verboten, ebenso Hunde und Autos. Vor allem aber sind alle Räume und Zelte rauchfrei.

Uhuru-Besucher mögen es also eher ordentlich und gesittet. «Viele hier sind naturverbunden und gerne draussen», sagt Andreas von Roll. Man achte deshalb auf die Umwelt. Der Solothurner arbeitet als Orthopäde und campiert hier mit seiner Frau und den fünf Kindern – in einem schwedischen Tipi. In der Mitte des Zelts ist ein Ofen mit einem langen Rohr, das oben hinausragt. Vor dem Zelt stehen Campingstühle, Decken, Töpfe und ein selbst gebautes Gehege für die drei Schildkröten. Während seine Kinder Kurse besuchen, schaue er hier zum Rechten.

Uhuru Festival auf dem Weissenstein
20 Bilder
Jetzt wird's akrobatisch!
Spass für die Kleinen.
Gewagte Übung am Seil
Auch die Sportler der Region sind zur Stelle.
Jetzt ist Gleichgewicht gefragt!
Kleine Künstler am Uhuru Festival
Auch kleine Besucher sind dabei.
Spiegelei oder Crepes - Was darf es sein?
Für Kulinarisches ist gesorgt.
Im Zelt kann man sich einen Imbiss gönnen.
Starkes Lüftchen auf dem Weissenstein!
Hoffentlich fliegt die Wäsche nicht weg!
Achtung: Jetzt wird's musikalisch!
Besucher des Festivals
Zelteingang
Der Zeltplatz - sehr sauber gehalten.
Zeltplatz auf dem Festival-Gelände - Abfall weit und breit nicht zu sehen.
Sanjiv Adhihetty gehört zum sechsköpfigen OK.
Die Natelladestation ist sehr gefragt.

Uhuru Festival auf dem Weissenstein

Hansjörg Sahli

Fast wie bei den Schwingern

Im grossen Festzelt riecht es nach Räucherstäbchen. Einige Tage zuvor haben im selben Zelt noch die Gäste des Weissenstein-Schwingets angestossen. «Wir sind eigentlich gar nicht so unterschiedlich», sagt Sanjiv Adhihetty vom Uhuru-Organisationskomitee. Auch ihnen sei Schweizer Tradition wichtig. So gibt es neben afrikanischer Weltmusik auch Jodel-, Alphorn- und Hackbrettkurse. Doch was macht für ihn ein Uhuru-Besucher aus?

Der 25-jährige Solothurner muss es wissen. Seit Kindesalter kommt er jährlich auf den Weissenstein. Früher mit seinen Eltern, die einen Essensstand betrieben, später gab er Breakdance-Kurse und seit letztem Jahr ist er Teil des sechsköpfigen OK. «Der typische Besucher setzt sich gerne mit sich und der Umwelt auseinander. Er interessiert sich für Kultur und kommt aus allen Gesellschaftsschichten.» Es seien Leute, die nicht bloss konsumieren wollen, sondern sich aktiv beteiligen. Wichtig aber findet Adhihetty das Gemeinschaftsgefühl. «Nach einer Woche ist man fast mit jedem einmal in Kontakt gekommen.»

Die Uhurianer duzen sich. Und braucht jemand Hilfe, bekommt er sie. Als es in der Nacht stürmte, fanden viele Unterschlupf in Irmi Fiedlers Zirkuswagen. «Wir rückten zusammen, tranken Tee und malten uns aus, was passiert, wenn der Sturm den Wagen ins Rollen brächte.»

Bevor Fiedler mit ihrem Minicirc im August in Solothurn auftritt, besuche sie das Uhuru. Früher hätte sie auch Vorurteile gehabt. Doch die Leute hier seien sehr familiär und bodenständig. Nun komme sie jedes Jahr.

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