Der Weg der Zeitung
Zeitungsproduzentin: «Es ist schön, etwas geleistet zu haben»

Produzentin Stefanie Bucher ist auch spätabends hellwach. Dann gilt es nämlich, die Zeitung für den Druck fertig zu machen. Dabei geht es häufig auch hektisch zu und her - Kein Problem für die 33-Jährige.

Renate Bigler-Nägeli
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Auch im «Bienenhaus», dem Newsroom in Aarau, bleibt Steffi Bucher die Ruhe selbst. Chris Iseli

Auch im «Bienenhaus», dem Newsroom in Aarau, bleibt Steffi Bucher die Ruhe selbst. Chris Iseli

Wenn es hektisch wird, behält sie einen kühlen Kopf. Und es kann manchmal ganz schön hektisch werden im Newsroom in Aarau, abends um halb zwölf, wenn noch eine «breaking news» reinkommt, und die Zeitungsseiten schon in der Druckerei sein sollten.

Stefanie Bucher arbeitet als Produzentin in Aarau, am Samstag aber in Solothurn, wo sie den Regionalteil von «Der Sonntag» fertigstellt. Die 33-jährige Recherswilerin ist in diese Tätigkeit hineingewachsen. Nach ihrer KV-Ausbildung arbeitete sie auf der SZ-Sportredaktion, zuerst als Praktikantin, dann als freie Mitarbeiterin und schliesslich in Festanstellung. Recherchieren und selber schreiben liegt ihr weniger. Das Produzieren der Seiten am Bildschirm entspricht mehr ihrer zurückhaltenden Art.

Von der Stille ins Bienenhaus

Die Solothurner Redaktion ist menschenleer, wenn Bucher samstags um elf ihren Dienst beginnt. Sie ist alleine verantwortlich dafür, dass die Seiten, auf Fehler kontrolliert, pünktlich in der Druckerei sind. Anders ist es unter der Woche «im Bienenhaus» in Aarau. Dort arbeitet sie im grossen Newsroom, ab und zu in der frühen Schicht von 11 bis 18 Uhr. Telefonisch, per Mail oder durch das interne System Desk-Net ist sie mit den Redaktoren in Kontakt, erfährt, was auf die verschiedenen Seiten kommen soll. «Wir versuchen, aus den Angaben der Ressorts eine Seite zu gestalten, die gut aussieht.» Hat sie Spätdienst, beginnt ihr Arbeitstag um 14 Uhr und endet gegen halb elf. «Wir sind dann für alles Aktuelle, das noch hereinkommt, verantwortlich.»

Stefanie Bucher hat jedoch oft Gesamtabschlussdienst, und so endet ihr Tag manchmal erst mitten in der Nacht. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Herstellung der Seite «A bis Z». «Das gefällt mir, ich bin frei in der Gestaltung, kann die Themen wählen. Hier kann ich noch kreativ sein.» Themen findet sie bei Agenturen oder Online-Portalen. Eigentlich sei ja Boulevard sonst nicht so ihr Ding. «Aber das ist eine lustige Abwechslung.»

Mit dem Kopf bei der Sache

Beim Erstellen der verschiedenen Frontseiten, zum Beispiel für die Solothurner, die Limmattaler oder die Basellandschaftliche Zeitung ist es wichtig, den Kopf bei der Sache zu haben, damit die richtigen Artikel auf die Seite kommen und die Seitenzahlen stimmen. Die verschiedenen Redaktionsschlüsse für die Fernausgabe und die Regionalausgaben sind eine Herausforderung. Immer wieder passt sie Texte an, ändert, kontrolliert.

An der News-Wand sind auf Monitoren die einzelnen Seiten ersichtlich, daneben laufen ständig TV-Sender wie CNN. Je später der Abend, desto leerer die Redaktion. Am Schluss ist nur noch der Kollege vom technischen Abschluss da. «Ich bin gerne allein», sagt Bucher. Schwierig findet sie es manchmal, Entscheidungen fällen zu müssen, was nun noch geändert werden soll und was nicht. «Doch ich bin wirklich froh, wenn etwas läuft, und finde es am Schluss schön, etwas geleistet zu haben.»

Sie ist selber süchtig nach News

Wenn sie in der Nacht mit ihrem roten Mini nach Hause fährt, ist sie hellwach. «Ich bin kein Morgenmensch, deshalb entspricht mir diese Arbeitsweise.» Zu Hause schaut sie vielleicht nochmals CNN oder setzt sich an ihren Computer. «Ich bin ein News-Junkie», sagt sie lachend. Ausgang mit Freunden, Vereinsleben oder Kursbesuche sind schwierig mit ihrer Arbeit zu vereinbaren. Spontan Anlässe besuchen liegt nicht drin, die Arbeitszeit ist in einem Monatsplan festgelegt. Dafür kann sie tagsüber einkaufen gehen, Waldspaziergänge machen oder lesen. Ganz in Ruhe.