Wahlen 2017
Zehn Couverts und eine Urne in der Privat-Stube: Willkommen in Kammersrohr

In der kleinsten Gemeinde des Kantons gehen die Wähler im Wohnzimmer von Einwohner Dimitri Plüss an die Urne. Obwohl: Persönlich vorbei kommt nur ein einziger der 26 stimmberechtigten Kammersrohrer.

Merken
Drucken
Teilen

Privileg oder Plage? Dimitri Plüss hat die Politik direkt in der guten Stube. Seit 60 Jahren besteht die Auflage, dass sein Wohnzimmer auch das Wahllokal von Kammersrohr ist. Denn ein Gemeindehaus gibt es im 30-Seelen-Ort nicht.

«Am Anfang war das schon etwas speziell», sagt der Mieter und Gastgeber Dominik Plüss. «Aber wir haben das ja gewusst, als wir hier eingezogen sind.»

«Ein gäbiger Spaziergang»

Nun zu den nackten Zahlen: 26 der 30 Kammersrohrer sind stimmberechtigt, neun Couverts sind bis Sonntagmittag in Plüss' Stube eingetroffen, ein einziger Einwohner gibt seine Stimme persönlich ab.

Es ist Lorenz Nussbaumer. «Ich komme oft vorbei, wenns grad passt – weil es eine familiäre Sache ist und ein gäbiger Spaziergang», sagt er im Beitrag von Tele M1.

In der guten Stube vorbei schaut auch Gemeindepräsident Ueli Emch. Er weiss langsam nicht nur, welche Einwohner ihr Stimmrecht regelmässig nutzen, «im Geheimen weiss man schon fast, wer wie abstimmt», sagt er.

Er versucht natürlich auch, seine Einwohner zum Abstimmen und Wählen zu bewegen. «Vor einigen Jahren hatten wir eine Stimmbeteiligung von 88 Prozent», sagt er stolz.

Die Krux mit dem Computer

Wahlbüro-Präsident Toni Probst tut sich etwas schwer mit der digitalen Erfassung der Daten. «Dass man das jetzt alles mit dem Internet eingeben muss, war für mich die grösste Veränderung. Ich bin kein Computer-Spezialist», sagt er.

Und so wird Gastgeber Dimitri Plüss zum Wahlhelfer. Er gibt die Daten ein und versucht sogar noch Einwohner telefonisch zur Urne zu bewegen. Schliesslich glänzt Kammersrohr an diesem Wahlsonntag mit einer Stimmbeteiligung von 38 Prozent – das ist höher als der kantonale Durchschnitt. (smo)