Es ist noch nicht lange her, da suchte der Kanton händeringend nach Unterkünften für Asylsuchende. Die ehemalige Klinik Fridau ob Egerkingen wurde ebenso genutzt wie Zivilschutzanlagen in Grenchen oder Gretzenbach.

Das ist nun vorbei. Am Freitag hat der Kanton bekannt gegeben, dass auf Ende Juni hin auch das Asylzentrum in Selzach, das wohl altbewährteste im Kanton (zumindest vorläufig), geschlossen wird. Grund dafür sind die rückläufigen Asylzahlen. «Letztes Jahr erreichten sie den tiefsten Stand seit 2010», meldet der Kanton.

Damit haben die Behörden jetzt nur noch drei Asylzentren geöffnet: Dasjenige in Oberbuchsiten sowie die beiden auf dem Balmberg, das einstige Kurhaus sowie das ehemalige Kinderheim, in dem weggewiesene Asylsuchende untergebracht werden.

Warum wurde die zentrale Unterkunft in Selzach geschlossen und nicht das abgelegene Kurhaus Balmberg? Selzach sei kleiner als das Kurhaus Balmberg und das Zentrum in Oberbuchsiten, sagt David Kummer, zuständiger Abteilungsleiter im kantonalen Amt für soziale Sicherheit. Hätte man das Kurhaus geschlossen, hätte der Kanton weniger Reserven und damit weniger «Bewegungsfreiheit».

Die Liegenschaft in Selzach war zudem auf Kinder und Jugendliche ausgelegt, die ohne Eltern in die Schweiz kamen. Nicht nur ist deren Zahl zurückgegangen. «Mittlerweile werden die meisten Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien und Wohngruppen platziert», heisst es beim Kanton.

Viel weniger Gesuche

Die Schliessung der Zentren hängt mit dem Rückgang der Asylgesuche zusammen. Ganz anders ist die Situation heute als noch 2015, dem «Höhepunkt» der sogenannten «Flüchtlingskrise». Damals hat der Bund dem Kanton Solothurn 1411 Asylsuchende zugeteilt. Seither sind die Gesuche um rund zwei Drittel zurückgegangen.

2017 waren es noch 514 Asylsuchende, die in den Kanton kamen, im ersten Quartal 2018 nur noch 111 Menschen. Zum Rückgang führte nicht nur das Sperren der Balkanroute, sondern auch das Schliessen der Mittelmeerroute im Sommer. «Erstmals seit Jahren ist 2017 das Sommer/Herbst-Hoch nicht eingetreten», sagt David Kummer.

Mit dem Rückgang der Bundeszuteilungen hat der Kanton auch viel weniger Asylsuchende auf die Gemeinden verteilt. 835 waren es 2016, 2017 dann noch 341. Damit ist ein gewisser Druck von Gemeinden und Sozialregionen gewichen, die 2015/16 Mühe hatten, genügend Wohnungen zu finden. Gefordert sind sie aber nach wie vor: Die Integration ist eine längerfristige Aufgabe.