Rückläufig
Zahl neuer Asylsuchender geht stark zurück – Unterkunft in Selzach wird geschlossen

Die Asylunterkunft Villa Schläfli in Selzach stellt ihren Betrieb Ende Juni 2018 ein. Der Kanton reagiert damit auf die weiterhin rückläufigen Asylzuweisungen durch den Bund.

Lucien Fluri
Drucken
Teilen
Die Asylunterkunft Villa Schläfli stellt ihren Betrieb ein, bleibt aber als Reserveunterkunft bestehen.

Die Asylunterkunft Villa Schläfli stellt ihren Betrieb ein, bleibt aber als Reserveunterkunft bestehen.

Solothurner Zeitung

Es ist noch nicht lange her, da suchte der Kanton händeringend nach Unterkünften für Asylsuchende. Die ehemalige Klinik Fridau ob Egerkingen wurde ebenso genutzt wie Zivilschutzanlagen in Grenchen oder Gretzenbach.

Das ist nun vorbei. Am Freitag hat der Kanton bekannt gegeben, dass auf Ende Juni hin auch das Asylzentrum in Selzach, das wohl altbewährteste im Kanton (zumindest vorläufig), geschlossen wird. Grund dafür sind die rückläufigen Asylzahlen. «Letztes Jahr erreichten sie den tiefsten Stand seit 2010», meldet der Kanton.

Ein Haus, das viel gehört hat

Die Selzacher Villa Schläfli, die der Kanton nun als Asyldurchgangszentrum schliesst, ist wohl die älteste Asylunterkunft im Kanton. «Sie hat bereits seit den späten Fünfzigerjahren immer wieder als Flüchtlings- und Asylunterkunft gedient», sagt David Kummer vom Amt für soziale Sicherheit. «An der jeweiligen Belegung können die Geschehnisse in der Welt abgelesen werden. In Selzach wurden Ungarn untergebracht, gefolgt von Geflüchteten in der Zeit des Prager Frühlings und den ersten Tamilen.» Später waren dort die Kriegsflüchtlinge aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg und aus dem Syrienkrieg. «Diese Wände haben also schon einiges gehört», so Kummer. Das Haus war zwischenzeitlich immer wieder geschlossen. Letztmals wieder in Betrieb genommen wurde die Villa im Januar 2013. Vorläufig bleibt sie in der Reserve des Kantons. Bei einem erneuten Anstieg der Asylzahlen könnte sie wieder reaktiviert werden. (lfh)

Damit haben die Behörden jetzt nur noch drei Asylzentren geöffnet: Dasjenige in Oberbuchsiten sowie die beiden auf dem Balmberg, das einstige Kurhaus sowie das ehemalige Kinderheim, in dem weggewiesene Asylsuchende untergebracht werden.

Warum wurde die zentrale Unterkunft in Selzach geschlossen und nicht das abgelegene Kurhaus Balmberg? Selzach sei kleiner als das Kurhaus Balmberg und das Zentrum in Oberbuchsiten, sagt David Kummer, zuständiger Abteilungsleiter im kantonalen Amt für soziale Sicherheit. Hätte man das Kurhaus geschlossen, hätte der Kanton weniger Reserven und damit weniger «Bewegungsfreiheit».

Die Liegenschaft in Selzach war zudem auf Kinder und Jugendliche ausgelegt, die ohne Eltern in die Schweiz kamen. Nicht nur ist deren Zahl zurückgegangen. «Mittlerweile werden die meisten Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien und Wohngruppen platziert», heisst es beim Kanton.

Viel weniger Gesuche

Die Schliessung der Zentren hängt mit dem Rückgang der Asylgesuche zusammen. Ganz anders ist die Situation heute als noch 2015, dem «Höhepunkt» der sogenannten «Flüchtlingskrise». Damals hat der Bund dem Kanton Solothurn 1411 Asylsuchende zugeteilt. Seither sind die Gesuche um rund zwei Drittel zurückgegangen.

David Kummer, Amt für soziale Sicherheit

David Kummer, Amt für soziale Sicherheit

Bruno Kissling

2017 waren es noch 514 Asylsuchende, die in den Kanton kamen, im ersten Quartal 2018 nur noch 111 Menschen. Zum Rückgang führte nicht nur das Sperren der Balkanroute, sondern auch das Schliessen der Mittelmeerroute im Sommer. «Erstmals seit Jahren ist 2017 das Sommer/Herbst-Hoch nicht eingetreten», sagt David Kummer.

Mit dem Rückgang der Bundeszuteilungen hat der Kanton auch viel weniger Asylsuchende auf die Gemeinden verteilt. 835 waren es 2016, 2017 dann noch 341. Damit ist ein gewisser Druck von Gemeinden und Sozialregionen gewichen, die 2015/16 Mühe hatten, genügend Wohnungen zu finden. Gefordert sind sie aber nach wie vor: Die Integration ist eine längerfristige Aufgabe.

Aktuelle Nachrichten