Auwahlkommission

Youtube-Generation macht sich bei Solothurner Filmtagen bemerkbar

Sie sichten Filme für die kommenden Filmtage: (v.l.n.r.) Barbara Pilcher, Jasmin Basic, Seraina Rohrer, Annina Wettstein, Heinz Urben, Elodie Brunner, Niccolò Castelli.

Sie sichten Filme für die kommenden Filmtage: (v.l.n.r.) Barbara Pilcher, Jasmin Basic, Seraina Rohrer, Annina Wettstein, Heinz Urben, Elodie Brunner, Niccolò Castelli.

Die Auswahlkommission sichtet momentan die eingereichten Filme für die nächsten Solothurner Fimltage - eine Konchenarbeit. Etwa 640 Streifen gehen die Mitglieder zusammen durch. Wie sieht die Auswahl aus? Und wie selektiert die Kommission?

Seit Tagen sitzen die Mitglieder der Auswahlkommission der Solothurner Filmtage im Kino Uferbau in Solothurn im Dunkeln und schauen sich Filme an. Es sind die eingereichten Arbeiten von Schweizer Filmemacherinnen und -machern, welche sich für die kommenden Solothurner Filmtage 2016 bewerben.

«Ende Oktober haben wir mit der Sichtung der Filme begonnen», erklärt Seraina Rohrer, die Direktorin der Solothurner Filmtage. Begonnen wurde mit den Kurzfilmen.

«Für ungefähr 280 Kurzfilme und 230 Musikclips haben wir zehn Tage im Kino auf Leinwand visioniert. Derzeit sind die 120 Langfilme dran. Diese Sichtung dauert zwei Wochen, jetzt sind wir auf der Zielgeraden», so Rohrer zufrieden.

Die Anzahl der eingereichten Filme sei in etwa gleich hoch wie andere Jahre, sagt sie noch. Etwa 640 Streifen sehen sich die Kommissionsmitglieder insgesamt an.

Die Youtube-Generation filmt

«Auffällig ist, dass dieses Jahr zusätzlich mehrere Serien eingereicht wurden», sagt Rohrer. «Erstaunlich ist das aber eigentlich nicht, Serien haben auch in den letzten Jahren international an Ansehen und Qualität gewonnen und es gibt viele jüngere Regisseure, die sich via Serie empfehlen und kurze Webserien realisieren. Die Form regt dazu an, was auszuprobieren.»

Es seien auch Episoden fast in Spielfilmlänge darunter. Die Zeiten der kurzen und günstig gemachten Sitcoms sind also definitiv vorbei.

Filme und Serien werden heute auch transmedial und/oder interaktiv erzählt. Soziale Medien werden eingebunden, um Storys interaktiv zu gestalten. Seraina Rohrer: «Filme sieht man sich heute nicht mehr bloss auf der Leinwand an, sondern auch auf dem Tablet oder dem Handy. Das sind Trends, die sich immer deutlicher auch bei den Eingaben für die Solothurner Filmtage manifestieren. Die Youtube-Generation macht sich bemerkbar.»

Die Frage sei, wie sich solche Trends in Zukunft halten, meint Rohrer weiter. «Beispielsweise hat uns dieses Jahr kein einziger 3-D-Film erreicht.»

Bei der Frage nach den Themen, welche die Filmemacher beschäftigen, meint Rohrer ohne Umschweife: «Das sind die vielfältigen Familienstrukturen, die es heute gibt. Funktionierende, problematische Familien, Patchwork-Familien, über die ganze Welt verstreute Familien. So zeigt sich einmal mehr: Film ist ein Abbild der Gesellschaft.»

Hin und wieder schleiche sich beim Betrachten das Gefühl ein, dieser oder jener Film ist gar eine Art Therapie. Eine Hilfe, Familienkonstellationen zu verarbeiten.»

Doch: Nicht nur junge Filmschaffende haben im vergangenen Jahr gearbeitet. «Es gibt neue Filme über alle Filmer-Generationen hinweg. Von jungen Talenten bis zu Altmeistern sind alle mit dabei.» Momentan wird visioniert, die Selektion für das Filmtageprogramm folgt darauf hin.

Ein stimmiges Ganzes

Um Aufnahme ins Filmtageprogramm zu bekommen, zählt Rohrer Kriterien auf: «Die filmische Qualität muss stimmen, die Geschichte muss plausibel und doch originell sein, Montage, Rhythmus, Spannungsbögen, Musik – das alles muss übereinstimmen und ein stimmiges Ganzes ergeben. Dann stellen wir uns die Frage: Zeigt dieser Film eine neue Perspektive, einen neuen Aspekt zu einem bekannten Thema?»

Diskutiert werde viel in diesen Tagen, so die Filmtagedirektorin.

Doch das sei gut und auch folgerichtig, denn drei neue Mitglieder in der Auswahlkommission bedeuten auch drei neue Meinungen. «Bei vielen Filmen ist sofort Zustimmung oder Ablehnung vorhanden», sagt sie, und erklärt: «Meine Erfahrung sagt, wird intensiv über einen Streifen diskutiert, soll man ihn ins Programm aufnehmen, denn die Diskussionen in der Kommission wird später beim Publikum weitergeführt. Und so soll es doch sein.»

Die 51. Solothurner Filmtage dauern vom 21. bis 28. Januar 2016.

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