Vergangenen Oktober wurde an dieser Stelle darüber berichtet, dass die Emme-Renaturierung im Raum Zuchwil-Biberist-Derendingen mit einem Kunstprojekt verbunden werden soll. «Diese heute eher funktionale Landschaft, durchflossen von einem beinahe mystischen Fluss, ruft geradezu nach einer künstlerischen Intervention», sagte Martin Würsten, Chef des Amts für Umwelt, gegenüber dieser Zeitung. Also tat man sich mit dem Amt für Kultur und Sport zusammen und lud fünf Kunstschaffende zum Wettbewerb «Kunst an der Emme» ein.

Das rief in der Folge FDP-Kantonsrat Philipp Arnet (Lohn-Ammannsegg) auf den Plan. Es gehe ihm nicht etwa darum, die Kunstschaffenden einzuschränken, so Arnet. Aber dass der Kanton auch bei einem Projekt wie der Emme-Renaturierung – gleich wie für Hochbauten in einer Verordnung ausdrücklich vorgesehen – in die «Kunst am Bau» investiert, das war ihm neu. Er verlangte deshalb mittels Kleiner Anfrage Auskunft, was es damit auf sich hat, dass der Kanton die Künstler Ulrich Studer und Jan Hostettler mit Installationen an der Emme beauftragen will.

In Tradition eingereiht

Die Antwort liegt nun vor. Kunstschaffende seien mit der Idee an das Amt für Umwelt gelangt, die spezielle Situation an der Emme mit einer «künstlerischen Intervention» zu dokumentieren und die Veränderung der Nutzung des Flussraums sichtbar zu machen, so der Regierungsrat. Ursprünglich sei bei dem Wasserbauvorhaben zwar keine solche «künstlerische Intervention» geplant gewesen, weshalb dafür auch kein Betrag im Kostenvoranschlag reserviert wurde, wie man einräumt.

Hingegen stehe das Projekt «Kunst an der Emme» durchaus in einer Tradition vergleichbarer Dokumentationen bei kleineren Wasserbauvorhaben der letzten Jahrzehnte. Finanziert wurde das jeweils über den Kredit für Öffentlichkeitsarbeit des Amts für Umwelt oder bei grösseren Vorhaben über den Baukredit, sofern er dadurch nicht überschritten wurde. Im vorliegenden Fall dürfte das bei einem Investitionsvolumen von 74 Millionen und 150'000 Franken für das erst nachträglich ersonnene Projekt «Kunst an der Emme» kaum zu grösseren Problemen führen.

Eher ein Ausnahmefall

So weit, so gut. Aber ob man denn davon ausgehen müsse, dass nun bei allen kantonalen Bauten, also auch Strassen, Kreiseln, Brücken etc., ein bestimmter Prozentsatz der Bausumme für die künstlerische Gestaltung reserviert wird, wollte Kantonsrat Arnet wissen. Muss man nicht, wie der Regierungsrat festhält. Man beabsichtige, die bewährte Praxis beizubehalten und sich vorwiegend im Hochbau zu engagieren. Dabei beliefen sich die Aufwendungen für die «Kunst am Bau» bisher jeweils auf 0,5 bis 1,1 Prozent der jeweiligen Gesamtkosten.

Wobei: Man behält sich schon vor, in Einzelfällen die Möglichkeit der Finanzierung eines Kunstprojekts auch in anderen Bereichen des Bauens wie nun bei der Emme-Renaturierung zu prüfen, so der Regierungsrat weiter. Allerdings werde das dann im Budgetprozess auch transparent ausgewiesen, so das Versprechen. Es gibt auch keinen Grund, das nicht zu tun.

Der Kanton ist in einer Verordnung sogar ausdrücklich angewiesen, seine «Neubauten und bestehende Bauten, die wesentlich umgebaut werden, grundsätzlich mit künstlerischem Schmuck zu versehen». Weder in dieser Verordnung noch im Kulturförderungsgesetz, das ihr zugrunde liegt, ist näher spezifiziert, auf welche Art von Bauten und Plätzen sich dieser Auftrag erstreckt.

«Arkadische Ideallandschaft»

An der Emme will Ulrich Studer aus Rüttenen «eine Art arkadische Ideallandschaft» gestalten. Sein Projekt besteht aus einer Insel mit Wildblumen, einem «Pflanzenvorhang» aus 80 bis 100 Schwarzpappeln und aus in die Flusslandschaft eingebetteten Granitblöcken aus dem Aletschgebiet. Das Projekt von Jan Hostettler aus Basel sieht vor, die Pfeiler der 1857 erbauten Eisenbahnbrücke in Derendingen als Zeugen der Zeit in die Schwemmzone der Emme zu versetzen. Dazu braucht es ein Baubewilligungsverfahren.