Vlies angezündet

«Wollte nie eine Feuersbrunst entfachen»: Obergericht reduziert Strafe für Oltner Brandstifter

Ein 48-Jähriger Schweizer stand wegen mutmasslicher Brandstiftung vor dem Solothurner Obergericht.

Ein 48-Jähriger Schweizer stand wegen mutmasslicher Brandstiftung vor dem Solothurner Obergericht.

Nachdem das Amtsgericht Olten-Gösgen den Angeklagten wegen Brandstiftung zu 42 Monaten Haft verurteilt hatte, legte dieser Berufung gegen das Urteil ein. Er habe der Hausverwaltung des Wohnblocks an der Aarburgerstrasse in Olten nur Sachschaden zufügen wollen und keinen Brand stiften.

Feuersbrunst oder bloss ein Feuerlein, ein Zäuseln? – Das ist die Frage, vor die sich das Obergericht des Kantons Solothurn in einem Berufungsfall gestellt sah. Ende Mai 2014 musste die Feuerwehr nach 2 Uhr wegen Brandmeldung zum Wohnblock an der Aarburgerstrasse 197 in Olten ausrücken. Als sie eintraf, glimmte im Keller eine teilentrollte Rolle Bauvlies – dies nahe der Holzlattung, einige Latten waren unten verkohlt.

Anwohner hatten bei der Feuerwehr wegen des Rauchs Meldung erstattet. Es roch gar im 5. Stock. Ein zweiter Feuerherd war im verschlossenen Maschinenraum des Lifts gelegt worden, durch Anzünden eines Zeitungsstapels. Ein Sachschaden von fast 20'000 Franken entstand.
«Nur der Verwaltung Schaden zufügen»

Der nun 48-jährige Schweizer U. H.*, der die Feuer entfacht hatte, war vom Amtsgericht Olten-Gösgen wegen versuchter qualifizierter Brandstiftung (Gefahr für Leib und Leben von Menschen) und weiterer Delikte zu 42 Monaten Haft verurteilt worden, legte aber gegen einige Punkte des Urteils Berufung ein. Es sei nur Sachbeschädigung, keine Brandstiftung. «Ich wollte nie eine Feuersbrunst entfachen, sondern nur Sachschaden zufügen», sagte U. H. zum Hauptvorwurf. Schädigen wollte er die Hausverwaltung. Denn sie hatte ihm im Vorjahr die Wohnung gekündigt. Und sie «plagte ihn mit Mietzinsen, die er nicht bezahlt hat», wie Verteidigerin Regina Leuenberger ausführte. U. H. hatte betrunken einen seiner Bekannten in diesem Wohnhaus besucht. Danach habe er «spontan beschlossen, der Verwaltung eins auszuwischen», erklärte Leuenberger.

Zur Verhandlung vor Obergericht war ein «Brandfachmann» als Zeuge bestellt worden. Er war damals von der Polizeipatrouille zur Brandabklärung geschickt worden. Als er eintraf, hatte die Feuerwehr den Ort schon verlassen.

Doch wer meinte, der Experte bringe Klarheit in die Sache, sah sich getäuscht. «Ich kann es nicht sagen», antwortete er sehr häufig verlegen lachend. Man wollte von ihm vor allem wissen, ob die Feuer gefährlich hätten werden können. Er legte sehr oft allgemein dar, dass alle drei Komponenten vorhanden sein müssten, Energie, Brandlast (u. a. Brennmaterial), Sauerstoff. Doch er konnte nicht genau sagen, ob genug davon vorhanden war, damit die Feuer zu einer Feuersbrunst ausgeartet wären. Bei der Frage, ob das Bauvlies gut brennbar sei, sagte er etwa, es komme auf die Brandnorm an – die er nicht kenne. Immerhin hielt der Fachmann fest: «Rein technisch hätte das Feuer auf den Keller beschränkt bleiben müssen. Aber der Rauch ist gleichwohl schädigend.» Die Verkohlung der Holzlatten könnten sowohl durch Feuer, als auch durch die Hitze eines Glimmbrandes entstanden sein.

Die Verteidigerin argumentierte, der Keller sei aus Beton und Metall, ohne Explosionsgefahr. U.H. habe keinen Grund gehabt, die Bewohner, die er teils gut kannte, zu schädigen. Es habe schlecht gebrannt, und das Feuerzeug sei zu heiss geworden, um lange damit zu hantieren. Ihr Mandant habe selber davon abgelassen. «Er verliess den Ort in der Meinung, es brenne nicht mehr.» Es sei kein grosser Schaden entstanden, denn man müsse manches aus der Schadensberechnung ausklammern, so käme man «weit unter 10'000 Franken». Die Verteidigerin forderte maximal einen Monat bedingt.

Vergeblicher Antrag auf ein Brandgutachten

«Durch die offene Kellertür war die Luftzufuhr garantiert. Rauch ist immer giftig», hielt dem Staatsanwalt Erich Kuhn entgegen. U. H. habe keine Vorkehrungen getroffen, damit der Brand hätte gelöscht werden können. Er habe gewusst, dass manche Mitbewohner mit starken Medikamenten schliefen und somit schlecht weckbar gewesen seien. Kuhn stellte dem Brandexperten scharfe Fragen, etwa ob man das Bauvlies aufbewahrt hätte und ob man die Art der gelagerten Güter ermittelt habe. Dieser wusste es nicht. Der Staatsanwalt stellte vergeblich den Antrag auf ein Brandgutachten. Angefochten waren auch Drohung und Hausfriedensbruch, die U. H. gegenüber der Ex-Freundin begangen haben soll. Hier stand Aussage gegen Aussage. Auch Ungehorsam gegenüber Fernhalteverfügungen bestritt U. H.

Das Gericht mit Daniel Kiefer, Hans-Peter Marti und Barbara Streit-Kofmel sprach U. H. der versuchten, nicht der qualifizierten, Brandstiftung schuldig, ebenso für Drohung und Hausfriedensbruch zum Nachteil seiner Ex-Freundin. Vom Vorwurf der Verstösse gegen die Fernhalteverfügung wurde er freigesprochen. Es sei keine Feuersbrunst entstanden, das heisst, kein Feuer, das er nicht selber hätte beherrschen können.

Das angezündete Vlies sei schwer brennbar gewesen und es sei kein Brandbeschleuniger verwendet worden. Der Täter habe die Türe zum aus Beton bestehenden Keller wieder geschlossen. Gehandelt habe er zudem ohne Planung. Der Brandexperte habe seinerseits klar ausgeführt, noch nie erlebt zu haben, dass ein Kellerbrand auf das ganze Gebäude übergegriffen hätte. U. H. muss nun 19 Monate ins Gefängnis. Eine bedingte Strafe sei wegen schlechter Prognose unmöglich, hielt fad Gericht fest.

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