Asylunterkünfte

«Wollen künftig auf alleinreisende Menschen an einem Ort verzichten»: Ferienheim «Balmberg» schliesst

Künftig nicht mehr genutzt: das «Ferienheim» Balmberg. Archivbild: rgw

Künftig nicht mehr genutzt: das «Ferienheim» Balmberg. Archivbild: rgw

Der Kanton schliesst die Asyluntzerkunft «Ferienheim» auf dem Balmberg und öffnet gleichzeitig die Villa Schläfli in Selzach. Die tiefen Asylzahlen sowie das Bundesasylzentrum in Flumenthal seien ausschlaggebend für diesen Schritt. Und auch die Tatsache, dass das «Ferienheim» den Anforderungen kaum mehr gerecht wird.

Drei Wochen ist es her, dass der Bund im Deitinger Schachen ein neues Asylzentrum in Betrieb genommen hat. Darin werden Menschen untergebracht, die sich in den neu eingeführten, beschleunigten Asylverfahren befinden. Es ist eines von zahlreichen solchen Zentren in der ganzen Schweiz, betrieben werden diese vom Bund. Diese Anlage hat auch einen Einfluss auf den Kanton Solothurn: Der Bund weist dem Kanton Solothurn deswegen insgesamt weniger Asylsuchende zu. Wie viele weniger, lasse sich nicht genau sagen, sagte Claudia Hänzi, Chefin des Amts für soziale Sicherheit, bei der Eröffnung des Zentrums. Das ändere sich fast täglich und sei stark von den schweizweiten Asylzahlen abhängig. Aber es seien deutlich weniger. So viele, dass der Kanton deswegen seine Strukturen anpassen werde.

Und genau dies geschieht nun: Am Freitag gab der Kanton bekannt, dass er die Asylunterkunft im früheren Ferienheim auf dem Balmberg im Februar 2020 schliessen werde. Gleichzeitig wird die Villa Schläfli in Selzach, die bis im Sommer 2018 als Asylunterkunft diente und damals wegen sinkender Asylzahlen geschlossen wurde, wieder eröffnet. Mit der oben erwähnten Thematik rund um das Bundesasylzentrum wie auch mit den anhaltend tiefen Asylzahlen begründet der Kanton diesen Schritt. Nur: Das Ferienheim, das geschlossen wird, bietet Platz für 50 Personen. Die Villa Schläfli hat Platz für 80. Wenn die Asylzahlen rückläufig sind, wieso hat es im Kanton ab nächstem Februar de facto mehr Plätze zur Verfügung?

Wird wieder als Durchgangszentrum für Asylsuchende in Betrieb genommen: die Liegenschaft Villa Schläfli in Selzach.

   

Keine alleinreisenden Männer an einem Ort horten

Hänzi nennt zwei Gründe. Der Erste betrifft das «Ferienheim» an sich. Die Strukturen dort seien «ungünstig», wird neutral formuliert. Etwas schärfer ausgedrückt: Im veralteten Gebäude lassen sich weder Familien noch verletzliche Personen unterbringen. Die Folge: Vor allem alleinreisende Männer halten sich im Ferienheim auf. Das will man beim Kanton künftig nicht mehr. «Wir wollen künftig auf eine Konzentration von alleinreisenden Menschen an einem Ort verzichten», sagt Hänzi. «Es ist schwieriger, in solchen Zentren einen ruhigen Betrieb zu gewährleisten, weil Spannungen etwas häufiger vorkommen.»

Deshalb strebt der Kanton eine stärkere Durchmischung an. In den drei Asylunterkünften, die ab Februar in Betrieb sein werden – neben der Villa Schläfli in Selzach sind das das Kurhaus auf dem Balmberg und eine Anlage in Oberbuchsiten –, sollen künftig Familien wie auch Alleinreisende, ältere wie auch jüngere Menschen untergebracht werden. Aber auch Menschen, die einen unterschiedlichen Aufenthaltsstatus haben, werden stärker durchmischt. So sollen künftig in sämtlichen kantonalen Zentren Menschen untergebracht werden, die entweder auf einen Entscheid warten, einen negativen Entscheid haben und auf die Wegweisung warten oder aber einen positiven Entscheid haben und darauf warten, auf die Gemeinden verteilt zu werden.

Als zweiten Grund nennt Hänzi wirtschaftliche Gründe. Wenn die Villa Schläfli nicht voll ausgelastet ist, können dort relativ einfach ganze Trakte geschlossen und entsprechend Personalkosten gespart werden. Einfacher zumindest, als dies im Ferienheim der Fall wäre. Und gleichzeitig könnte der Kanton in Zukunft reagieren, sollten die Asylzahlen wieder steigen. Als «Schwankungstauglichkeit» wird dieser Umstand in der Mitteilung betitelt. Auch steigende Asylzahlen könnten durch diese neu vorhandenen Kapazitäten bewältigt werden, ohne gleich ein neues Zentrum eröffnen zu müssen.

Sozialregion Oberer Leberberg profitiert

Dafür, dass Selzach wieder Standortgemeinde einer Asylunterkunft sein wird, wird die Gemeinde entlastet. Sie, wie auch die gesamte Sozialregion Oberer Leberberg, müssen weniger Asylsuchende aus dem ordentlichen Verteilverfahren des Kantons aufnehmen. Bis im Februar 2020 wird die Unterkunft «Ferienheim» Balmberg heruntergefahren. Um die 45 Personen halten sich im Schnitt momentan dort auf. Und spätestens im Februar soll der Wechsel vollzogen und die Villa Schläfli wieder in Betrieb sein.

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