So deutlich hätte SP-Kantonalpräsidentin Franziska Roth den Sieg von Roberto Zanetti nicht erwartet. «Er hat weit über das eigene Lager Stimmen geholt.» Den Erfolg erklärt sich Roth zum einen mit dem Pragmatiker Zanetti, der schon in den vergangenen Wahlen auch bei anderen Parteien Stimmen geholt habe.

Andererseits hätten die radikalen Positionen von Walter Wobmann wohl auch viele Wähler abgeschreckt. «Diese Radikalität wird für den Ständerat offenbar nicht goutiert.»

Ist der deutliche Erfolg von Zanetti ein Zeichen für die SP, sich gegen die Mitte zu öffnen? Zanetti selbst hatte letzte Woche gefordert, die SP dürfe nicht durch «Wolkenschieberei» in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Roth, die unter den SP-Nationalratskandidaten am weitesten links steht, erteilte eine pointierte Absage. «Eine generelle Öffnung in Richtung Mitte überlassen wir dem Ständerat.»

Die SP-Kantonalpräsidentin will, dass die SP weiterhin mit klaren Positionen auffalle. Auch radikale Initiativen würden etwas erreichen, sogar bei einer Ablehnung: Die Grossverteiler etwa hätten vor der Mindestlohninitiative die Löhne nach oben korrigiert.

Mit einem Sieg konnte die SVP nicht wirklich rechnen. «Wir haben aber ein besseres Resultat erwartet», verlieh Parteipräsident Silvio Jeker seiner Enttäuschung Ausdruck.

Vor allem bei der Ausgangslage im zweiten Wahlgang, wo sich ein bürgerlicher und ein linker Kandidat gegenüberstanden, habe sich die SVP mehr Unterstützung von bürgerlichen Wählern erhofft.

Ohne die Wahlempfehlung einer anderen bürgerlichen Partei sei es aber sehr schwierig, bei einer Majorzwahl zu punkten. SVP-Präsident Jeker unterstrich, dass er bereits im Hinblick auf die Nationalratswahlen die Zusammenarbeit mit der FDP gesucht habe.

Er sei aber immer abgeblitzt. Jeker: «Die FDP trägt es uns offenbar immer noch nach, dass wir bei den Ständeratswahlen vor vier Jahren Kurt Fluri nicht unterstützt haben.» Die Volkspartei werde aber auch im Hinblick auf die kommenden kantonalen Wahlen weiterhin das Gespräch mit der FDP suchen.

War Nationalrat Walter Wobmann, dessen Politik von prominenten FDP-Politikern als «extrem» bezeichnet worden ist, nicht einfach der falsche Kandidat? «Walter Wobmann ist ein gradliniger Politiker», so Jeker.

«Bei Majorzwahlen braucht es gemässigte und konsensfähige Politiker», fügt er an. Die SVP werde jetzt eine Kommission einsetzen, um im Vorfeld der Regierungsratswahlen Politiker zu finden, welche «die eigenen Positionen vertreten und gleichzeitig auch von Wählern anderer Parteien unterstützt werden können.» (esf, lfh)

Zanetti deklassiert Wobmann

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