Kantonale Wahlen
Wo stehen die Kandidaten im Vergleich zu ihrer Partei?

Smartspider-Grafiken zeigen das Polit-Profil von Remo Ankli, Roland Fürst, Roland Heim und Brigit Wyss. Welche Position vertreten die Kandidaten für den Regierungsrat im Vergleich mit ihrer eigenen Partei?

Elisabeth Seifert
Drucken
Teilen
Remo Ankli (FDP, Beinwil)
8 Bilder
Smartspider Remo Ankli
Wo stehen die Kandidaten für den Regierungsrat im Vergleich zu ihrer Partei?
Smartspider Roland Fürst
Roland Heim (CVP, Solothurn)
Smartspider Roland Heim
Brigit Wyss (Grüne, Solothurn)
Smartspider von Brigit Wyss (Grüne, Solothurn)

Remo Ankli (FDP, Beinwil)

Solothurner Zeitung

Sind die einzelnen Regierungsratskandidierenden eher für eine offene Aussenpolitik? Oder: Haben sie sich eine restriktive Migrationspolitik aufs Banner geschrieben? Das sind zwei von insgesamt acht politischen Zielen bzw. thematischen Achsen, aus denen die Smartspider-Grafiken zusammengesetzt sind. Ein Wert von 100 steht jeweils für eine starke Zustimmung, ein Wert von 0 für eine Ablehnung des formulierten politischen Ziels.

Die in der Bildergalerie dargestellten Smartspider geben zum einen Einblick in die politischen Einstellungen der vier verbliebenen Kandierenden für den zweiten Regierungsratswahlgang vom 14. April. Die vier Grafiken sind zudem hinterlegt mit dem Profil der Partei, welcher der Kandidat oder die Kandidatin angehört. Das Partei-Profil ergibt sich dabei aus der durchschnittlichen Zustimmung zu den acht politischen Zielen der jeweiligen Kandidierenden bei den Kantonsratswahlen vom 3. März.

Ein umfassender Fragebogen

Die acht thematischen Achsen orientieren sich inhaltlich an zentralen Themenbereichen der Schweizer Politik. Die so konzipierten Smartspider-Grafiken werden seit 2003 von der Online-Wahlhilfe Smartvote für nationale und kantonale Wahlen erstellt.

Betrieben und entwickelt wird Smartvote vom politisch neutralen und nicht gewinnorientierten Verein Politools mit Sitz in Bern. Verantwortlich für die Smartspider in diesem Artikel und auch für deren Auswertung ist Michael Erne, stellvertretender Projektleiter von Smartvote.

Während die acht politischen Ziele seit Beginn von Smartvote die gleichen geblieben sind, ändern sich von Wahl zu Wahl die dazugehörenden politischen Fragen. Der Fragenkatalog für die Solothurner Kantons- und Regierungsratswahlen ist von Smartvote in Zusammenarbeit mit den Redaktionen der az Solothurner Zeitung und des Regionaljournals von Radio SRF entwickelt worden. Neben nationalen Themen liegt das Schwergewicht auf der kantonalen Politik. Der Smartvote-Fragebogen enthält 61 Fragen - gegliedert in 12 Schwerpunkte. In die Berechnung der Smartspider-Grafiken fliesst nur jener Teil der Fragen ein, die den acht Achsen zugeteilt werden können.

Deklarierte Interessenbindungen

Wo die Kandidaten Interessenkonflikte haben könnten, zeigen die von den Kandidaten deklarierten Interessenbindungen (Verwaltungsratsitze, Verbandsmitgliedschaften usw.)

www.smartvote.ch

Remo Ankli (FDP, Beinwil)

Beim Vergleich des Smartspiders von Remo Ankli mit dem Durchschnitt aller FDP-Kandidierenden für die Kantonsratswahlen vom 3. März zeigt sich, dass er weniger stark für die Anliegen des Sozialstaats, einer liberalen Gesellschaft und des Umweltschutzes plädiert. So möchte er in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales weniger ausgeben. Die FDP-Kandidierenden sind im Durchschnitt zwar auch für Einsparungen, aber nicht bei der Bildung.

Unterschiede gibt es auch bei den Antworten auf die Fragen, ob gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen und ob aktive Sterbehilfe durch einen Arzt möglich sein soll. Ankli lehnt Ersteres klar ab und sagt zu Letzterem «eher nein». Die Kandidierenden der FDP sind bei beiden Fragen tendenziell dafür. Übereinstimmung herrscht bei beiden FDP-Regierungsratskandidaten in Bezug auf die Positionierung bezüglich Law & Order-Politik. Sie stimmen diesem Ziel etwas weniger stark zu als der Durchschnitt ihrer Partei. Dies zeigt sich bei Ankli etwa bei seiner Ablehnung (eher nein) zu der Frage, ob Littering konsequenter gebüsst werden soll. Die FDP-Kandidierenden befürworten ein strengeres Regime gegen Littering im Durchschnitt klar.

Deklarierte Interessenbindungen: Verwaltungsrat Skilift Hohe Winde AG; Präsident Delegiertenversammlung Zentrum Passwang; Delegierter ARA Laufental-Lüsseltal; Vorstandsmitglied Spitex-Verein Bärschwil, Beinwil, Breitenbach, Büsserach, Erschwil und Grindel; Delegierter Kreisschule Thierstein West; Delegierter Sozialregion Thierstein; Vorstand Verband Solothurnischer Einwohnergemeinden.

Roland Fürst (CVP, Gunzgen)

Der Smartspider von Roland Fürst zeigt einen in fast allen Positionen (ausser bei der Aussenpolitik) etwas «rechteren» CVP-Politiker als der Parteidurchschnitt. Die Unterschiede in den Antworten zwischen Fürst und dem Durchschnitt der CVP-Kandidierenden für die Kantonsratswahlen vom 3. März sind zwar bei keiner Smartspider-Achse sehr gross, aber bei allen Achsen vorhanden.
So befürwortet er eine Erhöhung des Rentenalters tendenziell (eher ja), während der Durchschnitt der CVP-Kandidierenden dies ablehnt. Bei der Frage nach dem Atomausstieg vertritt er eine eher ablehnende Haltung im Gegensatz zum Mittel der CVP-Kandidierenden.

Weiter befürwortet er, dass das Jugendstrafrecht künftig mehr Gewicht auf längere Haftstrafen legt als auf Resozialisierungsmassnahmen. Die Kandidierenden der CVP sind in dieser Frage jedoch sehr gespalten, im Durchschnitt sind sie nur ganz knapp für ein strengeres Regime.

Deklarierte Interessenbindungen: Verwaltungsratspräsident der eug Elektra Untergäu; Verwaltungsratspräsident der INFRA Elektra Untergäu; Verwaltungsrat Raiffeisenbank Untergäu; Verwaltungsrat Busbetriebe Olten-Gösgen-Gäu (BOGG); Vorstand Industrieverein Solothurn und Umgebung (INVESO); Geschäftsführer Swiss Precision (Schweizerischer Drehteile-Verband); Geschäftsführer Schweizerischer Fachverband metallverarbeitender Zulieferer (SMZ); Präsident Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz (AVES) Kanton Solothurn.

Roland Heim (CVP, Solothurn)

Auffallend bei Roland Heim ist, dass er bezüglich Law & Order und liberaler Gesellschaft etwas von dem Durchschnitt aller CVP-Kandidierenden der Kantonsratswahlen vom
3. März abweicht. In Fragen der liberalen Gesellschaftspolitik ist er etwas zurückhaltender und bei Law & Order-Fragen dafür etwas strenger als die durchschnittlichen CVP-Kandidierenden für die Kantonsratswahlen vom 3. März. Zeigen lassen sich diese Unterschiede beispielsweise an der Frage, ob präventive Überwachung durch Sicherheitsbehörden ausgeweitet werden soll. Dem stimmt Roland Heim klar zu, währenddem die Kandidierenden der CVP in dieser Frage im Durchschnitt nur knapp dafür sind.

Ansonsten zeigt sich, dass Roland Heim, auch im Gegensatz zu Roland Fürst, etwas stärker als der Durchschnitt der Partei für einen ausgebauten Sozialstaat und Umweltschutz ist. Er befürwortet beispielsweise die Fragen nach dem Atomausstieg und lehnt eine Rentenalter-Erhöhung klar ab.

Deklarierte Interessenbindungen: Mitglied der Parteileitung der CVP Kanton Solothurn; Mitglied des Präsidiums der CVP Amtei Solothurn-Lebern und
Vizepräsident der CVP der Stadt Solothurn; Vizepräsident des Vereins Ausbildungsstätte Hohenlinden Solothurn.

Brigit Wyss (Grüne, Solothurn)

Im Vergleich zum Durchschnitt der Kandidierenden der Grünen für die Kantonsratswahlen vom 3. März zeigen sich nur sehr geringe Unterschiede zur Regierungsratskandidatin. Beispielsweise stimmt sie den Zielen einer restriktiven Finanzpolitik und einer liberalen Wirtschaftspolitik noch etwas weniger stark zu als der Durchschnitt ihrer Partei.

So möchte sie in den Bereichen Soziales, öffentlicher Verkehr und Umwelt mehr ausgeben und eher kein neues Sparpaket schnüren. Die Kandidierenden der Grünen sind hingegen im Durchschnitt knapp der Meinung, der Regierungsrat müsse ein neues Sparpaket erarbeiten.

Wyss unterstützt die Beteiligung an der Kapitalerhöhung des Energiekonzerns Alpiq und möchte dies an die Bedingung knüpfen, dass das Unternehmen mehr in Energieeffizienz und erneuerbare Energien investiert. Die Kandidierenden der Grünen hingegen lehnen eine Beteiligung an der Kapitalerhöhung von Alpiq im Durchschnitt eher ab.
Deklarierte Interessenbindungen: Stiftungsratspräsidentin Ökozentrum Langenbruck; Mitglied Stiftungsrat Solodaris Stiftung; Mitglied Verwaltung Optima Solar; Co-Präsidentin Verein NWA (Nie wieder Atomkraftwerke) Schweiz; Vorstandsmitglied Verein «Üsi Witi».

Aktuelle Nachrichten