Schützenswert
Wo sich die schönsten Orte im Kanton Solothurn befinden

Das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung (ISOS) ist erschienen. Die Publikation zu den 36 schützenswerten Ortsbildern im Kanton Solothurn ist nicht nur schön anzuschauen – sie birgt auch Konfliktpotenzial.

Stefan Frech
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Die Centralstrasse in der Stadt Grenchen Die Häuser weisen laut ISOS auf die dörfliche Vergangenheit Grenchens hin
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Die Innere Klus mit dem historischen Städtchen und dem Industrieareal Das ISOS fordert, dass die wertvollen Industriebauten unter Schutz gestellt werden
Kulturlandschaft Verenaschlucht Gemäss ISOS sollte geprüft werden, ob die nahe gelegenen historischen Steinbrüche mit einem Lehrpfad erschlossen werden können
Die schönsten Orte von Solothurn gemäss ISOS

Die Centralstrasse in der Stadt Grenchen Die Häuser weisen laut ISOS auf die dörfliche Vergangenheit Grenchens hin

AZ

Vor fast 40 Jahren machte sich der Bund auf die Suche nach den schützenswertesten Ortsbildern im Kanton Solothurn - jetzt, nach zahlreichen Überarbeitungen, liegt die 660-seitige Publikation des Bundesamts für Kultur vor.

Das «Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung», kurz ISOS, bietet in zwei Bänden einen reich bebilderten Überblick über die 36 Ortsbilder im Kanton, die von nationaler Bedeutung sind. Das ISOS macht die Behörden von Bund, Kanton und Gemeinden darauf aufmerksam, wo welche Ortsbilder in ihrer Gesamtheit oder Teile davon geschützt werden sollen.

Sollen, denn die Bewertungen sind nur bedingt rechtsverbindlich: Zwar muss der Kanton die schützenswerten Ortsbilder in seinem Richtplan berücksichtigen, für die zukünftige Entwicklung der Gemeinden spricht das Inventar jedoch lediglich Empfehlungen aus. «Im besten Fall werden diese Empfehlungen von den Gemeinden in ihren Ortsplanungen aufgenommen», erklärt Markus Schmid vom kantonalen Amt für Raumplanung.

Das Bundesinventar birgt durchaus Konfliktpotenzial

In anderen Kantonen hat die Publikation des ISOS die Gemeinden auf den Plan gerufen, die Bauverbote in ihren Zentren befürchten. Ein Grund, weshalb die Solothurner Publikation vom Bund lediglich mit einer Medienmitteilung kommuniziert wurde, von der kaum jemand Kenntnis nahm? Von den Solothurner Gemeinden jedenfalls liegen noch kaum Reaktionen vor, erklärt Schmid. Auf die bereits im Frühling 2012 kommunizierte Streichung Oberbuchsitens aus dem ISOS reagierte der dortige Gemeindepräsident mit Unverständnis (wir berichteten). «Das publizierte ISOS unterscheidet sich ansonsten nur minim von den früheren Versionen.» Die meisten Solothurner Gemeinden hatten bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren Ortsbildschutzzonen oder Kernzonen in ihren Zonenplänen ausgeschieden.

Der Kanton wiederum nahm im Jahr 2000 die Ortsbilder von nationaler (und auch kantonaler) Bedeutung in seinen Richtplan auf. Seither prüft das Amt für Raumplanung die revidierten Ortsplanungen, ob wegen des ISOS Anpassungen notwendig sind. «Wir mussten nur selten grössere Änderungen veranlassen», erklärt Schmid. Die Stadt Olten beispielsweise musste vor wenigen Jahren auch einige Quartiere ausserhalb der Altstadt mit einem Ortsbildschutz versehen.

Kein Widerspruch zu Verdichtung

«Bei Planungen oder Baugesuchen in den Gemeinden ist das Inventar ein Kriterium unter vielen», sagt Schmid. Oft gehe es ja um Ästhetik, «und darunter verstehen bekanntlich nicht alle immer das gleiche». Schmid geht deshalb davon aus, dass das ISOS bei Bauprojekten weiterhin keine grösseren Konflikte auslösen wird. Auch sieht er keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen der in der Raumplanung propagierten Verdichtung gegen innen und dem ISOS. «Durch die Umnutzung von Bauernhäusern in ländlichen Kernzonen lässt sich sehr wohl eine Verdichtung erreichen, ohne dass das Ortsbild gestört wird.»

Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass das ISOS durchaus eine entscheidende Rolle spielen kann, wenn es hart auf hart geht. Schmid erinnert an einen Fall in Niedererlinsbach: Das Verwaltungsgericht hat 2006 den Bau einer Mobilfunkantenne in der Kernzone der Gemeinde verboten, obwohl sie auf einem Zweckbau aus den 1960er-Jahren zu stehen kommen sollte und das Bau- und Justizdepartement eine Beschwerde gegen das Projekt abgelehnt hatte. Das Gericht kam jedoch aufgrund des ISOS zum Schluss, dass die Antenne das geschützte Ortsbild stören würde.