Statistik

Wo im Kanton Solothurn die Reichen leben und wo die Unterschicht

Es können natürlich nicht alle so nobel wohnen wie auf Schloss Waldegg, aber es bleibt dabei: In Feldbrunnen ist die "Wohlstandsdichte" am höchsten.

Es können natürlich nicht alle so nobel wohnen wie auf Schloss Waldegg, aber es bleibt dabei: In Feldbrunnen ist die "Wohlstandsdichte" am höchsten.

In Feldbrunnen dürfen sich 55 Prozent der Einwohner zur wohlhabenden Oberschicht zählen, ebenso die Hälfte der Einwohner des Bezirks Dorneck. Über den ganzen Kanton gesehen ist Solothurn aber punkto Einkommen nicht einmal schweizerisches Mittelmass.

Ein Blick auf Spalte fünf in der Tabelle zu den Steuerungsgrössen im innerkantonalen Finanzausgleich verrät, wo sich die Gutbetuchten bevorzugt niederlassen und wo der kleine Mann wohnt. Je höher der Steuerkraftindex, desto höher das Staatssteueraufkommen und damit Einkommen und Vermögen pro Kopf der Bevölkerung. Index 100 entspricht dem kantonalen Durchschnitt. Feldbrunnen bei Solothurn hat einen Steuerkraftindex von 248, in Beinwil im Schwarzbubenland liegt er bei 55 – man kann sich in etwa vorstellen, was das bezüglich «Millionärsdichte» bedeutet.

Nun können natürlich in einer kleinen Gemeinde schon ein paar wenige potente Steuerzahler die Steuerkraft gleich deutlich beeinflussen. Das Online-Magazin «Republik» hat aus Daten der eidgenössischen Steuerverwaltung einen Atlas erstellt, der etwas mehr über die soziale Durchmischung in sämtlichen Schweizer Gemeinden verrät: Nämlich wie viele Einwohner zur Unter- Mittel- und Oberschicht gehören. Aus den Daten lassen sich auch interessante Besonderheiten im Kanton Solothurn lesen.

Die breiteste Oberschicht ist im Dorneck zu finden

Sozialwissenschafter Oliver Hümbelin nimmt in der «Republik» eine Zuordnung nach dem Reineinkommen vor (Nettoeinkommen minus «zusätzliche Abzüge», etwa für Krankheitskosten oder gemeinnützige Zuwendungen): Zu den armen Schluckern, politisch korrekter den Wenigverdienern zählt, wessen Reineinkommen 30'000 Franken nicht übersteigt. Die Mittelschicht liegt bei einem Reineinkommen zwischen 30'000 und 75'000 Franken, darüber zählt man bereits zu den Wohlhabenden.

Wo sich im Kanton Solothurn der Wohlstand konzentriert

Wo sich im Kanton Solothurn der Wohlstand konzentriert

Für eines der reichsten Länder der Welt scheint die Wohlstandsgrenze vielleicht etwas tief angesetzt, aber man täusche sich nicht: Gesamtschweizerisch erzielt weniger als die Hälfte der Steuerzahler ein Reineinkommen von mehr als 75'000 Franken: 45 Prozent. Im Kanton Solothurn sind es sogar nur 43 Prozent. Dafür finden sich hier auch etwas weniger Bürgerinnen und Bürger, die nur über ein sehr tiefes Einkommen verfügen: knapp 14 gegenüber gesamtschweizerisch 15 Prozent. Zur Mittelschicht gehören im Kanton Solothurn knapp 43 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner, gesamtschweizerisch sind es rund 40 Prozent. Der Wohlstand in der Schweiz konzentriere sich um die Zentren der Metropolitanräume, heisst das Fazit von Sozialwissenschafter Oliver Hümbelin.

Wer in der Nähe eines Wirtschaftszentrums wohnt, habe grössere Chancen, zur Mittel- oder Oberschicht zu gehören. Das zeigt sich im Kanton Solothurn etwa im Schwarzbubenland. Im Bezirk Dorneck, mit seinem starken Bezug zu Basel, liegt der Anteil der Wohlhabenden bei über 50 Prozent und damit sowohl deutlich über dem gesamtschweizerischen Durchschnitt wie auch deutlich höher als in jedem anderen Solothurner Bezirk. In allen Dornecker Gemeinden ausser Seewen (44,9 Prozent) leben deutlich mehr Gutverdienende als im schweizerischen Durchschnitt.

In vier Gemeinden allerdings gleichzeitig auch überdurchschnittlich viele Kleinverdiener: in Büren, Dornach, Hochwald und Seewen. Im ländlich geprägten Thierstein sieht die Situation dagegen anders aus, hier befindet man sich offenbar schon deutlich ausserhalb des Basler Speckgürtels: Mit 41,4 Prozent liegt der Anteil der Wohlhabenden im Bezirk Thierstein unter dem Durchschnitt, nur in der Gemeinde Himmelried darüber. In sechs von zwölf Thiersteiner Gemeinden zählen zudem überdurchschnittlich viele Einwohner zur Unterschicht.

Die Städte sind die Heimat der Mittelschicht

Was sich (auch) im Kanton Solothurn zeigt: Die Wohlhabenden zieht es nicht unbedingt in die Zentren selbst. Wer es sich leisten kann, bevorzugt offenbar nach wie vor das Umland, wo es Platz für Eigenheime mit Umschwung hat. Weder Solothurn mit 39,6 Prozent noch Olten mit 38,3 Prozent und schon gar nicht Grenchen mit bloss 37,1 Prozent zählen besonders viele überdurchschnittlich gut verdienende Einwohner, im Gegenteil: Der Anteil der Oberschicht-Zugehörigen liegt in allen drei Städten mehr oder weniger deutlich unter dem gesamtschweizerischen wie auch unter dem kantonalen Durchschnitt.

Die Wohlhabenden sitzen in Feldbrunnen (55 Prozent der Dorfbevölkerung), Riedholz (51 Prozent), Starrkirch-Wil (51 Prozent) oder Rickenbach (48 Prozent). In den Städten dominiert die Mittelschicht, wobei Olten (16 Prozent) und Grenchen (17 Prozent) auch einen deutlich überdurchschnittlichen Anteil an Einwohnern mit bloss sehr bescheidenem Einkommen haben.

Interessant ist auch ein Quervergleich mit anderen Statistiken. So liegt einerseits auf der Hand, dass sich Gemeinden mit nur wenig potenten Steuerzahlern nicht den tiefsten Steuerfuss leisten können. Andererseits stellt man sich die Frage: Wenn doch die Bevölkerung angeblich heutzutage viel mobiler ist als früher, was hält die Unterschicht dann ausgerechnet in den Höchststeuergemeinden – zumal der Kanton Solothurn die unteren Einkommen ja sowieso schon so stark besteuert wie kaum ein anderer? In Holderbank mit dem höchsten Steuerfuss im ganzen Kanton (140 Prozent) gehören 18 Prozent der Einwohner zur Unterschicht, in Kienberg mit einem Steuerfuss von 135 Prozent sind es sogar 19 Prozent. Gleichzeitig gehören weit steuergünstigere Gemeinden wie etwa Rüttenen, Niederbuchsiten oder Erlinsbach zu denen mit den höchsten Leerwohnungsziffern.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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