Regionale Unterschiede

Wo im Kanton Solothurn die meisten Rentner leben

Im Gäu ist der Rentneranteil auffallend tief, um die Hauptstadt herum überdurchschnittlich hoch.

Im Gäu ist der Rentneranteil auffallend tief, um die Hauptstadt herum überdurchschnittlich hoch.

Im Kanton Solothurn kommen derzeit noch drei Personen im erwerbsfähigen Alter auf einen Rentner, der Anteil der über 65-Jährigen liegt mit 19 Prozent rund ein Prozent über dem schweizerischen Durchschnitt. Es gibt aber grosse regionale Unterschiede.

Mit etwas Pathos lässt sich sagen: Bei der nächsten Volksabstimmung im September geht es darum, das Erbe des Solothurner Bundesrats Walther Stampfli zu verteidigen. Dem strammen Wirtschaftsfreisinnigen oblag es 1947, die Realisierung der AHV, des wichtigsten Schweizer Sozialwerks, gegen den Widerstand aus rechtsbürgerlichen und ultrakonservativen Kreisen durchzusetzen.

70 Jahre später droht die demografische Entwicklung das Rentensystem aus den Fugen zu werfen: Auf immer weniger Erwerbstätige kommen immer mehr Rentner. Wir haben das AHV-Jubiläum und die bevorstehende Abstimmung über die Rentenreform zum Anlass genommen, die Altersstruktur der Solothurner Bevölkerung etwas näher zu betrachten.

Der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung liegt aktuell bei 19 Prozent, jener der 20- bis 64-Jährigen bei 62 Prozent. Heute kommen im Kanton also drei Personen im erwerbsfähigen Alter auf einen AHV-Bezüger. Damit liegen wir ziemlich genau im schweizerischen Durchschnitt.

Aber das Verhältnis verschiebt sich rapid. Die Prognosen (mittleres Szenario) rechnen damit, dass in 20 Jahren bereits ein Drittel der Kantonsbevölkerung im Pensionsalter sein wird.

Anteil über 65-Jährige an der Solothurner Bevölkerung

Anteil über 65-Jährige an der Solothurner Bevölkerung

Ein Rentnergraben

Aufhalten lässt sich diese Entwicklung sowieso nicht, interessant aus kantonaler Optik ist aber zumindest, wie sich die Angehörigen der verschiedenen Altersgruppen regional verteilen. Der Blick in die Bevölkerungsstatistik* offenbart da zunächst keine besonderen Auffälligkeiten. Zum Beispiel leben im Bezirk Wasseramt knapp 19 Prozent aller Kantonseinwohner, und es sind auch rund 18 Prozent aller über 65-jährigen Solothurnerinnen und Solothurner und 19 Prozent der unter 20-Jährigen im Wasseramt zu Hause.

Die Hauptstadt Solothurn beherbergt rund 6 Prozent der ganzen Kantonsbevölkerung, und es sind auch 6 Prozent aller 53 000 Rentner und 5 Prozent der 52 000 unter 20-Jährigen hier zu Hause. Eine weitere Stichprobe im Bezirk Gösgen: Hier leben 9 Prozent der ganzen Kantonsbevölkerung, 10 Prozent aller über 65-Jährigen und 9 Prozent aller unter 20-Jährigen.

Es sieht auf den ersten Blick also nach einem ausgewogenen Mix aus. Betrachtet man die Bevölkerungsstruktur allerdings für jede Gemeinde einzeln, zeigt sich: Es geht so etwas wie ein Rentnergraben durch den Kanton. Im unteren Kantonsteil finden sich deutlich mehr Gemeinden mit einem unterdurchschnittlichen Anteil von Einwohnern, die das Rentenalter bereits erreicht haben (vgl. Karte). Eine auffallende Konzentration von AHV-Bezügern findet sich dagegen in einigen Nachbargemeinden Solothurns: Feldbrunnen (25,6 Prozent der Einwohner sind über 65), Langendorf (24,3 Prozent) und Rüttenen (23,1 Prozent) gehören zu den Gemeinden mit einem deutlich überdurchschnittlichen Rentnerbestand.

Dagegen nimmt sich das Gäu schon wie ein regelrechter Jungbrunnen aus. Boningen (gehört politisch zwar zum Bezirk Olten) mit 10,4 Prozent Rentneranteil, Härkingen (12, 5 Prozent), Oberbuchsiten (13,2 Prozent), Neuendorf (13,3 Prozent), Niederbuchsiten (14,7 Prozent) und Oensingen (15,1 Prozent) gehören zu den Gemeinden mit den wenigsten pensionierten Einwohnern im ganzen Kanton. Kestenholz, Wolfwil und Fulenbach (gehört politisch ebenfalls zum Bezirk Olten) liegen zumindest mehr oder weniger knapp unter dem kantonalen Durchschnitt von 19 Prozent.

Seniorenstadt Grenchen

Es scheint entweder die Jüngeren aufs Land oder die älteren Semester in die Stadt zu ziehen und nicht umgekehrt. Der Blick auf die obenstehende Karte lässt jedenfalls keine auf den ländlichen Raum konzentrierte «Überalterung» erkennen, wie die an sich ja erfreuliche Tatsache einer steigenden Lebenserwartung mitunter respektlos genannt wird. Vielmehr ist es so, dass von den urbanen Zentren nur gerade Olten einen ganz knapp unterdurchschnittlichen Anteil an über 65-jährigen Einwohnern aufweist (18,8 Prozent).

Solothurn liegt mit 19,6 Prozent leicht, Grenchen mit knapp 22 Prozent schon recht deutlich über dem kantonalen Durchschnitt. Das schlägt sich dann auch in der Zahl der (potenziell) werktätigen Einwohnerinnen und Einwohner nieder. In Grenchen machen die 20- bis 64-Jährigen nur noch gut 60 Prozent der Stadtbevölkerung aus. Das heisst: Hier kommen bereits nicht einmal mehr ganz drei Personen im erwerbsfähigen Alter auf einen AHV-Bezüger. In Solothurn, wo gut 64 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner im Alter zwischen 20 und 64 sind, und in Olten (65 Prozent) sind es noch ein bisschen mehr.

Die Uhrenstadt ist im Übrigen sowieso so etwas wie ein Alterszentrum des Kantons. Während der Anteil der hochbetagten Einwohner über 80 Jahren in den Solothurner Gemeinden im Durchschnitt bei 5,4 Prozent liegt, sind es in Grenchen 7,5 Prozent. Ein Wert, der nur noch in Langendorf (7,7 Prozent und Welschenrohr (8,4 Prozent) übertroffen wird.

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