Wahlresultate
Wo die CVP sonst so stark ist, ist die SVP quasi durchmarschiert

In keiner Gemeinde wird so oft SVP gewählt wie in Mümliswil-Ramiswil. Dabei ist der Ort vorwiegend als CVP-Hochburg bekannt. Eine Spurensuche.

Lucien Fluri
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Die SVP holte in Mümliswil Ramiswil 43,98 Prozent, so viel wie in keiner anderen Gemeinde im Kanton. Auf dem Bild: Christian Imark.

Die SVP holte in Mümliswil Ramiswil 43,98 Prozent, so viel wie in keiner anderen Gemeinde im Kanton. Auf dem Bild: Christian Imark.

Hanspeter Bärtschi

Nein, linke Kandidatinnen und Kandidaten müssen in Mümliswil-Ramiswil nicht einmal hoffen. Die Gemeinde am Passwang wählt pointiert bürgerlich. Dies haben die Nationalratswahlen wieder gezeigt: Die CVP holte 26,6 Prozent der Stimmen, die FDP 13,75. Grosser Wahlsieger ist hier aber die SVP: Sie holte 43,98 Prozent, so viel wie in keiner anderen Gemeinde im Kanton. Fast jeder zweite Mümliswiler wählte also die Volkspartei. Der riesige bürgerliche Block verhinderte, dass grössere Ausläufer der grünen Welle in die flächenmässig grösste Gemeinde des Kantons überschwappten. GLP und Grüne holten je nur drei Prozent, die SP gerade einmal sechs.

Trotz der bürgerlichen Dominanz erstaunt das Durchmarschieren der SVP: Denn Mümliswil-Ramiswil ist als «pechschwarze» Hochburg bekannt. Hier hat quasi seit Menschengedenken die CVP das Sagen.

Dreht sich alles? Hat sich die CVP zu sehr von ihren konservativen Wurzeln hin zur Mitte entfernt? Vorsicht, schallt es gleich von Kurt Bloch, CVP-Urgestein und Gemeindepräsident. Man müsse doch sehen, dass die CVP bei den Gemeinderatswahlen noch immer über 50 Prozent Wähleranteil erreiche. Die Vorherrschaft will man sich bei der CVP also nicht nehmen lassen. «Bei den Nationalratswahlen war die SVP immer stark», sagt Bloch. Tatsächlich ist dort – im ganzen Thal – seit Jahren ein Trend von der CVP hin zur SVP ersichtlich.

Anruf bei Elvira Bader. Die Mümliswilerin sass von 1999 bis 2011 im Nationalrat. Sie politisierte am konservativeren Rand der CVP. «Das ist die Mümliswiler Solidarität, unabhängig von der Partei», beurteilt sie das Mümliswiler Resultat. Und nennt gleich einen Namen: Josef Fluri. Der Mümliswiler Käsermeister und SVP-Kantonsrat trat nämlich für die SVP an und erreichte auf der Hauptliste ein Spitzenresultat. Auf Anhieb wurde er erster Ersatz. «Als ich angetreten bin, haben die Mümliswiler mich gewählt – auch unabhängig von der Partei. Jetzt haben sie Josef Fluri gewählt – auch unabhängig von der Partei», sagt Bader. Dass die SVP-Dominanz an einer veränderten CVP liege, vermutet Bader weniger, vertrete doch nun Parteipräsident Gerhard Pfister eine konservativere Politik. «Das ist meine Linie.» Baders Fazit zum 44-Prozent-SVP-Anteil in Mümliswil: «Das ist schade für die CVP, aber schön fürs Dorf, wenn man so stark zusammenhält.» Dann lacht sie laut: «Das ist vielleicht nur in einer CVP-Hochburg möglich.»

Im Reckenkien ist Käsermeister Josef Fluri bereits wieder voll an der Arbeit, aber glücklich über sein Resultat. 30 Jahre ehrenamtliche Vereins- und Verbandsarbeit hätten ihm geholfen, erklärt Fluri. Auch er ist überzeugt, dass viele Mümliswiler die SVP-Liste gewählt hätten, um mit ihm einen Einheimischen zu unterstützen. Erleichtert worden sei dies wohl dadurch, dass die CVP in Mümliswil «sehr bürgerlich» sei. Wenn ein SVPler sachbezogen politisiere, unterstütze man ihn dann auch.

Ist Mümliswil nun eine SVP-Hochburg? Nicht in der Dorfpolitik, sagt auch Fluri. Seine Partei würde der allmächtigen CVP dort gerne einen Sitz abjagen. Mit Gerhard Pfister habe die CVP aber ein Zugpferd, das konservative Wähler wieder anspreche, wirft Fluri ein. Die SVP habe im Thal dafür viele junge Kräfte. Das Duell um die Vorherrschaft in Mümliswil wird also noch andauern.

Weitere Partei-Hochburgen im Kanton

Mümliswil, einstige CVP-Hochburg, wird zum SVP-Nest (siehe Artikel oben). Die CVP macht aber nach wie vor im Thal ihr bestes Resultat: in Herbertswil. Dort wohnt schliesslich auch der wiedergewählte Nationalrat Stefan Müller-Altermatt. 36 Prozent der Stimmen aus Herbetswil gingen an die CVP.

So klar für eine Partei spricht sich nur noch eine andere Gemeinde im Kanton aus. In dieser war kantonal gesehen auch die Wahlbeteiligung am höchsten; 65 Prozent der Stimmberechtigten aus Feldbrunnen gingen an die Urne, wobei 36 Prozent der Stimmen an die FDP gingen. Die Gemeinde mit der tiefsten Wahlbeteiligung von knapp 35 Prozent ist Grenchen.

Im unteren Kantonsteil konnte die SP prozentual gesehen ihr bestes Resultat erzielen – dank dem Zugpferd Urs Huber. Der Kantonsrat wurde zwar nicht gewählt. In «seinem» Obergösgen schaffte seine Partei dafür 32 Prozent.

Nebst den vier grossen Parteien gaben auch die Grünen zu reden, die mit Felix Wettstein einen Nationalratssitz holten. Den höchsten Wähleranteil gab es aber nicht etwa in seiner Wohngemeinde Olten – sondern in Dornach. Ganze 23 Prozent der Stimmen von hier waren für die Grünen, über den ganzen Kanton hinweg gesehen waren es gut 11 Prozent. Die Grüne Janine Eggs, die in zwei Dornacher Kommissionen mitwirkt, holte die meisten Stimmen. Auch die Grünliberalen konnten hier, verglichen mit ihren Resultaten in den restlichen Gemeinden, den grössten Anteil Wähler überzeugen. (nka)