Darauf konnte man sich in Mümliswil-Ramiswil verlassen. Wer es im Dorf zu etwas bringen will, musste in die Partei des politischen Katholizismus. Zuerst bezeichneten sie sich Christlich-Konservativ, später Christlichdemokratisch. Aber immer war es die Partei mit dem «C», die im Guldental Mehrheiten beschaffte.

Das ist seit hundert Jahren so sicher wie das Amen in der Kirche. Noch immer stellt die Partei 5 von 9 Gemeinderäten, und auch bei den Kantonsratswahlen schneidet sie regelmässig stark ab. Zwar ist der Abwärtstrend seit Jahren stetig, aber noch immer hält sich die Partei an erster Position.

Das Smartvote-Profil zeigt das Profil der CVP mit einer offenen Aussenpolitik.

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Dass die CVP in Mümliswil-Ramiswil dominiert, hänge stark mit der Treue zusammen, die ja auch ein christlicher Wert sei, glaubt Ortsparteipräsident Alois Christ. «Hat man sich einmal für uns entschieden, bleibt man bei uns.»

Christ leitet die Partei, mit Unterbruch, seit 13 Jahren. Er ist zuversichtlich, die absolute Mehrheit im Gemeinderat bei den Wahlen vom 21. Mai verteidigen zu können. Auch dank den Stimmen der Landwirte, die man zurückgewinnen will. Weil der erste Wirtschaftssektor in Mümliswil-Ramiswil noch immer viele Arbeitsplätze stellt, sind die Bauern eine umworbene Wählerschaft.

«Hier muss man sich zeigen»

Die geografische Lage hat die gesellschaftliche und politische Kultur geprägt. In das Guldental gelangt man entweder über einen von zwei Pässen oder durch eine enge Schlucht in der Hauensteinkette. Rundherum liegen die Höhenzüge des Juras. «Wer einmal hier zu Hause ist, geht nicht so schnell wieder weg», sagt Elvira Bader.

Sie muss es wissen. Die ehemalige Nationalrätin stammt aus einer traditionellen CVP-Familie und verbrachte ihr ganzes Leben im Talkessel, der auch schon mal als «Vater-Unser-Loch» verspottet wurde. Die Abgeschiedenheit stärkt den Zusammenhalt. Rund 50 Vereine zählt das Dorf mit knapp 2500 Einwohnern.

Nicht einmal die drei Jodlerklubs beklagen sich über Nachwuchssorgen. Bis auf die Musikgesellschaft Konkordia gab es zahlreiche Vereine sogar in doppelter Ausführung. Noch heute betreiben die katholischen Turner die Körperertüchtigung nach Feierabend in einer eigenen Fraktion.

Politisch gefärbt waren auch die Beizen. Als Freisinniger ging man in den «Ochsen». «Da hätte mein Vater früher keinen Fuss hineingesetzt», sagt Alois Christ. Die «Schwarzen» tranken ihr Bier in der «Schweizerhalle» oder im «Engel». Die wahre Hochburg für die CVP aber war die «Limmernschlucht».

Der Gasthof, der eng mit der Partei verbunden war, wurde vor zwei Jahren abgerissen. Doch noch immer trifft sich die Kantonsratsfraktion vor den Sessionen im Dorf. Wer in der Kantonalpartei aufsteigen wolle, komme an Mümliswil nicht vorbei, stellt Christ klar. «Hier muss man sich zeigen.» So wie die beiden Regierungsräte Roland Heim und Roland Fürst, die am Sonntag am Pastetliplausch der CVP auftraten.

Ein Pfarrer brachte Umschwung

Dass die Religion das Stimmverhalten prägt, war in Mümliswil-Ramiswil keinesfalls gottgegeben. Bis 1901 gaben im katholischen Dorf die Freisinnigen den Ton an. Dann kam der junge Pfarrer Robert Mäder ins Guldental und warf alte Gewissheiten über den Haufen. Ein Katholik könne so wenig freisinnig sein wie ein Kreis ein Quadrat, proklamierte er. Dass der strenggläubige Gottesmann den liberal gesinnten Einwohnern apodiktisch den guten Glauben absprach, sorgte im Doppeldorf für Aufruhr.

Im Pfarrhaus wurden Fenster eingeschlagen, ein Güllefass davor abgestellt. Doch Gemeindepräsident Kurt Bloch ist sich sicher: «Mäder brachte den politischen Umschwung.» Der Pfarrer predigte aber nicht nur, sondern gründete unter anderem einen Arbeiterverein und die erste Raiffeisenkasse. Die Grundsteine für die enge Verzahnung von Politik, Gesellschaft und Religion waren gelegt.

In den elf Jahren seines Wirkens hatte Robert Mäder das Dorf auf konservativ gedreht. Seit 1908 verfügt die CVP auf Gemeindestufe über die absolute Mehrheit. Zwischenzeitlich wählten gar 70 Prozent «schwarz». Auch für Kurt Bloch, eigentlich aus einer FDP-Familie stammend, sei nur die CVP als politische Heimat infrage gekommen. Das konnte selbst der FDP-Parteipräsident nicht ändern, der den jungen Mann für seine Partei gewinnen wollte. Freisinnige galten damals als «Mehrbessere».

Ein normaler Angestellter wie Bloch, der in der Von Roll eine kaufmännische Ausbildung absolviert hatte, sah sich dort eher nicht aufgehoben. 1983 wurde er als Gemeindeschreiber gewählt, seit 1998 ist er CVP-Gemeindepräsident. Stets wurde Bloch mit guten Resultaten gewählt. «Weil die Leute seiner bewährten Arbeit vertrauen», heisst es im Dorf.

Konkurrenz von rechts

Inzwischen werden konfessionelle Gräben auch in Mümliswil-Ramiswil zugeschüttet. Organisiert ein Verein ein Fest, wird er von anderen unterstützt. Konfession hin oder her. Doch die Vereine sind für die CVP bis heute ein Rekrutierungsfeld geblieben.
So findet die Partei Nachwuchs für die Ämter in der Gemeinde und der Region. «Wir verfügen über junge Leute mit neuen Ideen», sagt Alois Christ.

Damit sei die CVP nach wie vor jene Partei, die bewusst Verantwortung übernehme für die Demokratie. In Zweckverbänden, regionalen und überregionalen Gremien bestellen Mümliswiler führende Funktionen. «Wir thematisieren Probleme nicht nur, wir lösen sie auch», sagt Elvira Bader.

Es ist ein Seitenhieb gegen die Konkurrenz von rechts. Denn bei den Nationalratswahlen wird die Partei inzwischen von der SVP überflügelt. Und im Kantonsrat stellt die Mümliswiler CVP mit Alois Christ eine Person, während die SVP derzeit gleich zwei ins Rathaus nach Solothurn schickt.

Selbst im Gemeinderat macht die Rechtspartei der CVP inzwischen das Terrain streitig. Die Kompromissfähigkeit ist laut Elvira Bader die Stärke, aber auch die Schwäche ihrer Partei. Ihre Positionen sind weniger knackig und mobilisieren schlechter als jene der Polparteien.

Gegen die grosse Fraktion

Die Gewissheiten von früher, sie schwinden. Aber eines wissen Kurt Bloch und Alois Christ mit Sicherheit. Würde sich die Kantonalpartei wieder vermehrt auf sich selber konzentrieren und im Kantonsparlament einen eigenständigeren Weg gehen, die CVP würde etwas von ihrer alten Stärke zurückfinden.

Ginge es nach Bloch und Christ, sollte sich die grosse CVP/EVP/GLP/BDP-Fraktion auflösen. Immer wieder sei es bei wichtigen Geschäften schwierig, mit den Juniorpartnern eine gemeinsame Position zu finden. «Ein Gewurstel», nennt dies Bloch, der selber 12 Jahre im Kantonsrat sass und für seinen Klartext bekannt war.

Für den Alleingang würden die Mümliswiler sogar den Verlust einiger Sitze in Kauf nehmen. «Vielleicht hätten wir dann weniger Sitze. Aber wir könnten uns profilieren. Das würde das Stimmvolk anerkennen und honorieren», sagt Bloch. Im kantonalen Parteivorstand ist diese Idee nicht mehrheitsfähig.

Manchmal wünschen sich die Guldentaler CVPler, dass man vermehrt auf sie hören würde. Dort, wo sie seit 100 Jahren etwas richtig gemacht haben.