Kleinkinder stehen im Kreis und halten sich an den Händen. Eine gewöhnliche Szene am Beginn eines beliebigen Spielgruppenmorgens. Nur, dass es sich unter freiem Himmel abspielt, wo Hühner, Katzen und Hasen zwischen den Kindern herumspazieren.

Am Samstag stellte Sabrina von Wartburg den Alltag in ihrer Bauernhofspielgruppe vor. Schilder orientieren am blumenbestückten Eingangsbereich, was es wo zu sehen gibt. Im Sommer 2016 eröffnete Bauernhofspielgruppenleiterin Sabrina von Wartburg die Spielgruppe auf dem Lindenhof in Rüttenen.

Heute wird an drei Morgen in der Woche, den Kindern ab zwei Jahren das Leben auf dem Bauernhof näher gebracht. «Der Fuchs hat die Enten geholt, nun warten wir auf neue», steht auf einem Schild an einem kleinen Teich. Als die Spielgruppenkinder eines morgens keine Enten mehr sahen, waren sie irritiert. Die Bäuerin Sabrina von Wartburg erklärte, was geschehen war: «So kamen sie darauf, dass sich der Fuchs nicht anders verhalten hat, als wir Menschen. Nur, dass wir unsere Lebensmittel im Laden kaufen können.»

Lebensnahe Umgebung

Dieser Ansatz überzeugt die dreifache Mutter Nathalie Gunzinger. Ihr erstes Kind besuchte eine gewöhnliche Spielgruppe, das Zweite eine Waldspielgruppe und ihr drittes Kind ist im Lindenhof. «Der Bauernhof ist lebensnah. Hier sieht man Tiere und wie mit ihnen gearbeitet wird», erklärt sie. Die zweifache Mutter Claudia Gygax kann ihr nur beipflichten. Ihre knapp dreijährige Tochter besucht ebenfalls die Spielgruppe im Bauernhof: «Mit so viel Platz ist das Konfliktpotenzial unter den Kindern geringer.»

Zur Spielgruppe gehören neben dem Areal, ein Stall und ein Spielgruppenraum, aus dem ein grosses Panoramafenster einen Blick zu den Kühen gewährt. Wenn das Wetter zu garstig sei, werde ein wenig Zeit in diesem Raum verbracht oder der Start in den Stall verlegt.

Kühe füttern, Traktor fahren

Jürg von Wartburg ist für die Bewirtschaftung des Hofes zuständig. «Die Kinder sind ganz verrückt nach ihm. Wenn er auftaucht, schauen sie ihm gespannt zu und möchten ihm helfen», schwärmt die fünffache Mutter von ihrem Ehemann. Als zusätzliche Unterstützung hat Sabrina von Wartburg eine diplomierte Fachfrau Betreuung Kinder angestellt. Gerne würde sie das Angebot für die Kindergarten- oder Unterstufenkinder ausbauen. «Es wäre schön, wenn die älteren Kinder nach dem Austritt weiterhin einen Nachmittag auf dem Bauernhof erleben dürften», erklärt sie.

Dafür fehle ihr noch das Personal. Ein interessierter Vater pflichtet bei: «Als Kind durfte ich an den Wochenenden in einem Bauernhof sein, das war eine schöne Zeit.» Seinen Stadtkindern fehle dieser Bezug. Wenn die Spielgruppe im Stall sei, seien die Kinder frei bei ihren Aktivitäten. Viele würden sich eine Schaufel nehmen, um die Kühe zu füttern. Andere bevorzugen die Trettraktoren. Und wenn ein frischgeborenes Kalb, wie zufälligerweise am Tag der offenen Türe im Stall ist, seien sie besonders leise und würden einfach nur Staunen.

Eine Familie mit zwei kleinen Töchtern geht nach dem Besuch des Bauernhofes zum Auto. Das ältere Kind zieht die Mutter an den Händen und möchte wieder in das Spielgruppenareal, wo die Kleintiere sind. «Normalerweise ist die Kleine sehr anhänglich. Hier ist sie herumgetollt.»

   

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