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Wo das Moos schadet und wo es nützlich ist – zum Beispiel an der Kanti Olten

Warum das fast immer grüne Gewächs nicht überall willkommen ist. Die Interessen der Liegenschaftsbesitzer sind unterschiedlich.

Abgesehen vom Wandel in der Natur: Woran erkennt man auch noch, dass es Frühling wird? Ein Blick in die Garten- und Heimhandwerkerzentren liefert eine Antwort: Hochdruckreiniger sind hoch begehrt. Schliesslich sollen Betonplatten beim Sitzplatz, eine Garten- oder Hausmauer und allenfalls auch das Dach von Moos – auch «Miesch» genannt – gesäubert werden.

In diesem Jahr kommt hinzu, dass der Bewuchs in den letzten Monaten stärker geworden ist als auch schon. Die lange Zeit mit Plustemperaturen und die Feuchtigkeit, die der Regen brachte, förderten das Wachstum.

Manch einer, der sein Haus samt Umgebung vom Moos befreit, wundert sich vielleicht im nächsten Frühling. Das Moos ist wieder nachgewachsen. Das kann daher kommen, weil das mit Hochdruck eingesetzte Wasser die Oberfläche von Beton oder Ziegel aufraut und damit neuer Raum geschaffen wird, den das Moos gerne für sich in Anspruch nimmt. Doch das ist wieder eine andere Geschichte. Hier geht es um die grundsätzliche Frage, warum das Moos entfernt werden soll: Stört es oder schadet es?

Im privaten Rahmen kann jeder für sich entscheiden. Betrifft es aber einen Bau im öffentlichen Raum, so wie zum Beispiel die Kantonsschule Olten, da kann die Frage «Moos am Gemäuer belassen oder nicht?» zu regen Diskussionen führen. Doch davon später und zurück in den privaten Raum. Moos auf einem Ziegeldach schadet nicht vorneweg, das bestätigen die Dachdecker. Viele Hausbesitzer lassen es aber aus ästhetischen Gründen entfernen.

Problematisch kann es werden, wenn es unter einer Moosfläche jahrein und jahraus feucht bleibt. Dann kann die Feuchtigkeit in den Bereich unter dem Dach eindringen, und wenn es dann dort ebenfalls ständig feucht bleibt, ist mit Schäden zu rechnen. Probleme kann es ferner geben, wenn sich neben dem Moos noch weitere Pflanzen breitmachen. Efeu etwa wächst schnell, nimmt an Umfang zu und hebt Ziegel ab.

Gleiches kann passieren an Mauerwerk, das aus einzelnen Steinen aufgebaut ist und offene Zwischenräume aufweist. Im öffentlichen Raum wird der Moosbewuchs insbesondere an historischem Gemäuer, wovon es beispielsweise in Solothurn besonders viel gibt, aufmerksam beobachtet. Ein grünes Kleid aus Moos, Flechten oder gar kleinen Bäumchen, die aus den Mauerzwischenräumen hervorwachsen, ist zwar hübsch anzuschauen, führt aber mit der Zeit zu Schäden. Deshalb lässt das Stadtbauamt prekäre Stellen reinigen.

Von Zeit zu Zeit werden auch die Mauern entlang des Aareufers inspiziert und allenfalls von Pflanzen befreit. Es werde jedoch nicht einfach grundsätzlich Moos weggemacht, die Mauer soll als solche sichtbar bleiben, wie beim Stadtbauamt zu erfahren ist. Ganz anders präsentieren sich die Ufermauern entlang der Emme im Raum Gerlafingen, Zielebach, Wiler. Da ist streckenweise von der Mauer nichts mehr zu sehen, dafür ein dicker Pelz aus Moos.

Wegen des Moosbewuchses an den Ufermauern entlang der Emme beschwert sich offenbar niemand, wie Nachfragen bei zuständigen Stellen ergeben haben. Anders jedoch bei der Kanti Olten, deren Sanierung nun angegangen wird. Da haben sich vor allem in Architektenkreisen rege Diskussionen darüber entwickelt, was mit dem Mooswuchs geschehen soll. Erbaut in den Jahren 1969 bis 1973, haben sich in all den Jahren bis heute an den Mauern und der Betonkonstruktion Flechten und Moose gebildet. Diese wirken für die einen als Patina, die nun einfach zu diesem Bau gehört und auf jeden Fall dranbleiben muss.

Für Baufachleute dagegen ist klar, dass Moos und Flechten entfernt werden müssen, wenn die Betonkonstruktion saniert werden soll. «Wir haben abgeklärt, wie es um die Wasseraufnahmefähigkeit der Konstruktion steht, und anschliessend, welche Massnahmen nötig sind, um allfälliges Eindringen von Wasser beziehungsweise von Feuchtigkeit zu verhindern und somit den Stahl im Beton dauerhaft vor Korrosion zu schützen», erklärt David Brunner, Projektleiter beim kantonalen Hochbauamt. «In erster Linie würden bei tragenden Elementen daher Moos und Flechten entfernt.»

Ein Argument, dem kaum widersprochen werden kann. Zudem: Wie würden wohl die Kommentare ausfallen, wenn in acht Jahren die Kanti Olten saniert sein wird und Teile des Gemäuers hell erstrahlen, während andere noch immer vom Moos aus früheren Jahrzehnten überzogen sind?

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