Rindvieh, Schwein und Co.
Wo blökts, grunzts und muhts am meisten im Kanton Solothurn? Wir haben nachgeforscht

Diese Zeitung hat in den Statistiken gewühlt: Wie viele Nutztiere werden im Kanton Solothurn gehalten? Wo weiden am meisten Rinder? Und warum gibt es in Oberdorf eigentlich so viele Ziegen?

Sven Altermatt
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Im Kanton Solothurn sind etwa 43 470 Rinder zu Hause.

Im Kanton Solothurn sind etwa 43 470 Rinder zu Hause.

Agroscope

Als der Mensch endlich an die Reihe kam, war das Rindvieh längst ausgezählt. 770 000 Rinder gab es im Jahr 1820 in der Schweiz. Es war statistische Pionierarbeit, die das Innendepartement unter Bundesrat Stefano Franscini leistete.

Die Vorarbeiten des Tessiners bildeten die Grundlage zur Gründung des Bundesamts für Statistik. Schon bald zählten dessen Erhebungen zu den präzisesten in Europa. Die Statistik wurde zu einer wichtigen Grundlage der Politik.

Und ja, 1850 mussten dann auch die Menschen daran glauben. Bei der ersten schweizweiten Volkszählung lebten 2 318 972 Menschen im Land, 69 674 davon im Kanton Solothurn.

Doch angefangen hat alles mit den Rindern. Ohne saubere Statistik würde etwa das Subventionswesen in der Landwirtschaft schlicht kollabieren. Bis heute werden die Nutztiere in der Schweiz fein säuberlich ausgezählt, Jahr für Jahr.

Seit 1996 hat der «Bestand an Rindvieh», so heisst es im Amtsjargon, um elf Prozent abgenommen. Die Bestände an Schweinen, Schafen und Ziegen wuchsen derweil. Schuld am Rückgang beim Rindvieh sind hauptsächlich die Turbulenzen auf dem Milchmarkt.

Um landwirtschaftliche Entwicklungen soll es hier jedoch nicht gehen, ebenso wenig um artgerechte Tierhaltung oder um überbordenden Fleischkonsum. Für einmal steht die blanke Statistik im Zentrum – und das, was sich aus ihr herauspressen lässt.

Diese Zeitung hat in den neusten Rohdaten der Nutztierbestände gewühlt. Wie viele Tiere leben in den Solothurner Gemeinden? Wo weiden am meisten Kühe, Kälber und Rinder? Und in welchem Dorf grunzen so viele Schweine wie in keinem anderen?

Von bahnbrechender Bedeutung ist eine solche Auswertung natürlich nicht. Erhellend ist sie freilich allemal. Oder zumindest erheiternd.

Mehr Rindvieh als Menschen

Die Solothurner Nutztier-Hochburg ist Mümliswil-Ramiswil. Nirgendwo im Kanton lebt mehr Rindvieh (2787 Tiere) als hier, nirgendwo blöken mehr Schafe (1141) und auch bei den Ziegen (151) reicht es für einen Spitzenplatz.

Das passt zu der Gemeinde im Guldental, geprägt von grosszügigen Landschaften, Hügeln und Kreten. Höfe liegen weit verstreut im Talkessel und auf den Jurahöhen.

Mit einer Fläche von 354 Hektaren ist Mümliswil-Ramiswil nicht nur die grösste Gemeinde im Kanton Solothurn, sie hat auch die grösste landwirtschaftliche Nutzfläche: Mit 2030 Hektaren ist diese beinahe so gross wie jene des gesamten Bezirks Gäu. Ebenfalls unschlagbar ist die Zahl der Bauernhöfe: 76 Betriebe waren es 2015.

Zumindest was Rindvieh und Schafe angeht, lässt sich Mümliswil-Ramiswil von keiner anderen Gemeinde etwas vormachen. Die meisten hält sie locker auf Distanz. Dass der 2452-Einwohner-Ort mehr Rindvieh als Menschen zählt, ist da nur noch ein Fun-Fact am Rande.

Die Ziege als Nische

Solche Superlative haben die Ziegen nicht zu bieten. Vorbei sind die Zeiten, als sie für die Selbstversorgung unerlässlich waren. Die hiesigen Bauern betreiben die Ziegenzucht heute eher als Zuschussgeschäft. Entsprechend überschaubar ist die Zahl der Betriebe, die sich den Tieren widmen: 122 sind es im Solothurnischen.

Die meisten Tiere, nämlich 172, grasen am Fusse des Weissensteins in Oberdorf. Warum leben hier so viele Geissen? Etwa, weil es in der Leberberger Gemeinde sowohl eine Gitziflue als auch eine Geissflue gibt?

Der Grund ist profaner: Die Bauernfamilie Adam hat die Geissen für sich als Nische entdeckt. Die Milch ihrer Tiere liefert sie an Emmi, den grössten Milchverarbeiter im Land. Seit einigen Jahren steigt die Nachfrage nach Ziegenmilch und den daraus gewonnenen Produkten.

Geschätzt werden diese aber nicht nur wegen ihres herben Geschmacks. Gerade Allergiker, so heisst es, kämen mit Ziegenmilch oft besser zurecht als mit Kuhmilch.
Oberdorf könnte seine Stellung als Geissen-Zentrum übrigens noch ausbauen: Die Zahl der Milchziegen ist laut Bauer Stefan Adam mittlerweile auf über 200 angewachsen.

Im Säuli-Paradies

Eindeutig ist die Sache schliesslich bei den Schweinen: Der Bucheggberg ist das Solothurner Säuli-Paradies schlechthin. Weit über ein Drittel der Schweine im Kanton werden in Bucheggberger Ställen gehalten, über 10 000 Tiere waren es Ende 2015.

Drei Dutzend Höfe betreiben Schweinemast oder Ferkelaufzucht. Allein in Schnottwil, wo über 3000 Schweine grunzen, sind es sieben Betriebe. Darunter finden sich Grossbetriebe mit Hunderten Tieren.

Das liegt im schweizweiten Trend: In der Schweiz werden heute in etwa gleich viele Schweine gehalten wie im Jahr 2000 – aber von halb so vielen Bauern. Die Preise für Schweinefleisch sind tief, für kleine Betriebe lohnt sich die Schweinemast kaum mehr.