Am Freitag mag ein Lächeln über das Gesicht von FDP-Parteipräsident Stefan Nünlist gehuscht sein: «Über die Empfehlung des Unternehmerverbands Gärtner Schweiz, mich als Ständerat und Nationalrat zu wählen, freue ich mich ganz besonders», twitterte er. Verständlich, denn die Unterstützung für den wirtschaftsnahen Liberalen ist im eigenen Kanton bisher nicht überwältigend. Jedenfalls unterstützt der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband das Duo Pirmin Bischof (CVP) und Christian Imark (SVP). Und die Solothurner Handelskammer verzichtet mit Rücksicht auf ihre Hausregeln auf die Unterstützung einzelner Kandidaten.

Ironie des Schicksals: Die gleiche Handelskammer hat jüngst zusammen mit dem Gewerbeverband einen Vergleich über die Positionen der Wirtschaftsverbände, der Kandidierenden und der Parteien angestellt. Und kommt unter dem Titel «Qual der Wahl der Bürgerlichen» zu einem aufschlussreichen Rating. Demnach ist ausgerechnet Nünlist, dem die offizielle Unterstützung versagt bleibt, «der wirtschaftsfreundlichste Ständeratskandidat». Eine Bewertung, die nicht aus dem hohlen Bauch kommt, sondern das Ergebnis einer Auswertung der Online-Wahlhilfe «Smartvote» ist. Den 75 Fragen starken Katalog füllten die Kandidaten ebenso wie 51 Vorstandsmitglieder von Handelskammer und Gewerbeverband aus.

Der Preis für Nünlists Spitzenbewertung besteht darin, dass er sich nunmehr als «umweltbewusster Wirtschaftsliberaler» bezeichnen darf – wenn auch ohne Wahlempfehlung. Hinter Nünlist reiht sich Bischof ein, der das Etikett «wirtschaftsnaher Mittepolitiker» umgehängt bekommt – ex aequo übrigens mit Imark, der als «kostenbewusster Bürgerlicher» über die Ziellinie gelaufen ist. Meilenweit hinter diesen dreien rangieren Roberto Zanetti (SP) – «der gesellschaftsliberale Linke» – und der Grüne Felix Wettstein – «der weltoffene Grüne».

Interessant dabei: Betragen die Matching-Werte der drei Wirtschaftsnahen zwischen knapp 64 und gut 60 Prozent, sinken sie bei Zanetti auf gut 31 und bei Wettstein gar auf rund 26 Prozent. Hintergrund der tief anmutenden Werte: Diese pendeln sich auch dann rasch bei 60 bis 70 Prozent ein, wenn die Übereinstimmungen gross sind. Ursächlich dafür sind die hohen Differenzierungen bei den Antworten. Umgekehrt formuliert: Eine Übereinstimmung von 90 Prozent und mehr ist bloss bei minimen Abweichungen möglich.

Übrigens: Was sich bei den Ständeratskandidaten manifestiert, findet auch bei den Kandidatinnen und Kandidaten für den Nationalrat sein Abbild. In den Top 20 findet sich nicht weniger als ein Dutzend Freisinnige und Jungfreisinnige – mit Philipp Eng an der Spitze gar deren Präsident, dahinter Kantonsrat Markus Spielmann und Doppelkandidat Nünlist. Ähnlich das Bild bei den Parteien: Grosse Verwandtschaften zeigen sich auch hier mit dem Freisinn, derweil bei den Mitteparteien BDP, CVP, EVP und GLP stärkere Akzente beim Umweltschutz zu registrieren sind – und bei der SVP die Aussen- und die Migrationspolitik die Knackpunkte sind.