Imageförderung
Wirtschaftsförderin: «Wir müssen sagen und zeigen, was wir haben»

Die neue Leiterin der Solothurner Wirtschaftsförderung, Sarah Koch, sieht Handlungsbedarf, um das Image des Kantons zu verbessern.

Franz Schaible
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Sarah Koch ist neu im Amt.

Sarah Koch ist neu im Amt.

Hans Ulrich Mülchi

Wie gut kennen Sie als neue Wirtschaftsförderin die Solothurner Wirtschaft?

Sarah Koch: Ich bin hier verwurzelt. Während und nach meinem Volkswirtschaftsstudium befasste ich mich mit der Solothurner Firmenlandschaft. Und mein Beziehungsnetz erlaubt mir Einblicke in die unterschiedlichsten Branchen. Aber zugegeben, logischerweise fehlt die ganz breite Erfahrung. Mein Ziel ist es deshalb, die bestehenden Kontakte rasch zu vertiefen und zu erweitern, um zu spüren, mit welchen Problemen die Firmen konfrontiert sind und welche Bedürfnisse vorhanden sind.

Haben Sie selber Erfahrung in der Privatwirtschaft?

Ja. Ich arbeitete während elf Jahren als Projektleiterin in verschiedensten Chargen bei einem baunahen, schon lange im Gäu ansässigen KMU. Ich weiss also, wie ein KMU funktioniert.

Solothurn ist aber industrielastig. Sind Sie eine Quereinsteigerin?

Nein. Ich sehe mich als Allrounderin, die sich auf unterschiedlichsten Bühnen zurecht finden kann. Es wird wichtig sein, ein offenes Ohr generell für die Anliegen der Wirtschaft zu haben.

Das Ansiedlungsgeschäft ist ein hartes Pflaster, nicht nur unter Ländern, auch unter den Kantonen. Wo wollen sie Solothurn positionieren?

Unser Kanton ist geografisch sehr verzettelt. Das macht es schwierig, ihn als Einheit zu vermarkten. Es gibt keinen gültigen Slogan für alle Kantonsteile, der alle Vorteile auf einen Punkt bringen kann. Solothurn ist aber von seiner Industrie-Geschichte her prädestiniert für die Schaffung von Branchenschwerpunkten. Deshalb unterstützen wir aktiv den Aufbau der Präzisions- und Medtechclusters. Das ist für die Ansiedlung neuer Firmen wichtig, und bestehende Firmen können vom konzentrierten Know-how profitieren. Eine generelle Stärke ist zudem die zentrale Lage und die Erreichbarkeit . . .

. . . reicht Letzteres aus, um Firmen anzulocken?

Nein, das reicht nicht mehr. Gerade in der kleinräumigen Schweiz treffen diese Faktoren fast überall zu. Ein grosser Pluspunkt ist sicherlich das ausgewogene Angebot zwischen Arbeit und Wohnen. Solothurn bietet eine hohe Lebensqualität mit bezahlbarem Wohnraum, grossen Erholungsgebieten in nächster Nähe und einem grossen Kulturangebot. Das ermöglicht dem Einzelnen einen Ausgleich zwischen Job und Privatleben. Ich denke, dass die Firmen bei möglichen Ansiedlungen den Faktor Erholung künftig höher gewichten werden. Das müssen wir verstärkt vermarkten, wir wollen ja nicht alles Schlafgemeinden für Pendler.

Spielen solche Softfaktoren tatsächlich eine Rolle beim Ansiedlungsentscheid?

Bestimmt. Ziel der Firmen ist ja, dass die Mitarbeitenden sich nicht nur im Betrieb wohlfühlen, sondern auch gerne hier wohnen, weil die Wohnqualität hoch ist. Dazu muss das Image des Kantons Solothurn verbessert werden.

Wie ist denn das Image heute?

Es gibt eine externe und eine interne Wahrnehmung. Wer hier wohnt und arbeitet, hat das viel positivere Bild von seinem Kanton als «Auswärtige». Solothurn ist für diese eine Durchgangsmeile. Die Wirtschaft wird reduziert auf Schliessungen von Grossfirmen, man spricht vom Krisenkanton, obwohl es überhaupt nicht der Realität entspricht.

Damit der Kanton sein Image ändern kann, muss er zuerst wahrgenommen werden. Ist die Wirtschaftsförderung nicht zu wenig aktiv?

Da besteht Handlungsbedarf. Wir müssen uns besser verkaufen. Ein Unternehmen kommt ja nicht einfach so in unseren Kanton. Wir müssen sagen und zeigen, was wir haben. In einem ersten Schrittchen verbessern wir unseren Online-Auftritt. Die Präsenz im Internet ist ja die Visitenkarte des Kantons.

Welchen Stellenwert geben Sie bei Ansiedlungen dem Instrument Steuererleichterung?

Das ist nur eines von diversen Instrumenten. Mit Steuererleichterungen alleine kann Solothurn keine Firmen anlocken. Es braucht ein Gesamtpaket. Die Leistung der Wirtschaftsförderung darf auch nicht nur am Ansiedlungsgeschäft gemessen werden. Ansiedlung und Pflege der bestehenden Firmen sind ebenbürtig. Dort können wir punkten, indem wir für die Firmen mit unseren Dienstleistungen – Fragen etwa um Migration, Standortsuche, Innovation, Coaching, Nachfolgeregelungen – da sind. Es nützt nichts, eine Firma anzusiedeln, wenn im Gegenzug andere wegziehen, weil sie sich vernachlässigt fühlen. Ohne Pflege des Bestehenden kann nichts Neues gewonnen werden.

Wenn Sie in einem Jahr eine erste Bilanz ziehen, was werden Sie vermelden können?

Ich kann nun keine Zahlen über angesiedelte Firmen und geschaffene Arbeitsplätze präsentieren. Das wäre unseriös. Mein persönliches Ziel wird es sein, dass ich bei möglichst vielen Firmen über alle Branchen und Regionen hinweg meinen Fuss in der Tür habe. Nur so kann ich spüren, wo die Unternehmen der Schuh drückt.