«Die wirtschaftsfeindlichen Initiativen wie 1:12 oder Mindestlohn wurden an der Urne glücklicherweise abgelehnt.» So eröffnete Rolf Hofstetter, Leiter Firmenkunden Markgebiet Solothurn bei der Credit Suisse, den traditionellen Herbstanlass «Wirtschafts-Perspektiven» der Grossbank im Solothurner Landhaus.

Unverändert aber sei «die Regulierungswut». Die Herausforderungen an die Wirtschaft blieben deshalb und namentlich wegen des starken Frankens und des Negativzinsumfeldes gross. Damit verbunden sei Unsicherheit.

Schlechtes Investitionsklima

Und diese beeinflusse das Investitionsverhalten der Unternehmen, nahm Referentin Anja Hochberg, Chief Investment Officer für die Schweiz und Europa bei der Grossbank, den Ball auf.

Das momentane politische Umfeld sei in der Tat von Unsicherheit geprägt. Stichworte sind die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und damit zusammenhängend die bilateralen Verträge

«In solchen Phasen investiert kaum eine Firma.» Dabei gehe es nicht nur um Maschinen, sondern letztlich auch um Arbeitsplätze. Die Regulierung, die Beziehungen zur EU und die Unternehmenssteuer bezeichnete sie als die drei grössten Herausforderungen für die Schweiz.

Zinsanhebung: Positives Signal

Ansonsten präsentierte die Ökonomin einen eher durchzogenen Wirtschaftsausblick. «Der blaue Himmel und die scheinende Sonne korrelieren nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung», nahm sie Bezug auf das schöne Herbstwetter.

Aber es gebe auch keinen Dauerregen. Dagegen spreche vorab die Entwicklung in den USA. Dort sei die Zeit reif für eine Zinserhöhung, welche auch die hiesige Konjunktur ankurbeln könnte. «Eine Anhebung der Zinsen nach der langjährigen Tiefstzinsphase wäre ein Signal dafür, dass die Wirtschaft in den USA gut unterwegs ist.»

Davon könnten die Schweizer Exporte profitieren, gleichzeitig würde der Dollar stärker und der Franken gegenüber der US-Währung schwächer. Hochberg schätzt die Chancen einer Zinsanhebung noch im Dezember auf über 80 Prozent ein.

Gleichzeitig helle sich die Situation in der Eurozone auf, wie Hochberg anhand einer Grafik des Einkaufmanager-Indexes aufzeigte. «Nach Italien, Spanien, Deutschland kommt sogar Frankreich aus der Rezession.»

Selbst die Konsumenten im Euroraum hätten wieder etwas Mut gefasst. Als «Beweis» präsentierte sie die Zahlen der steigenden Autoverkäufe, eines der stabilsten Elemente, um das Konsumentenvertrauen abzubilden.

Und in China zeichne sich eine Wende ab. Sowohl die Detailhandelsumsätze wie auch die Industrieproduktion würden nicht mehr weiter fallen. Ihr Fazit: Die Weltwirtschaft sei fragil, aber eine globale Rezession, Finanzkrise oder Deflation erscheine momentan als unwahrscheinlich.

Für die Schweiz rechnet Hochberg dieses Jahr mit einem schwachen Wachstum des Bruttoinlandproduktes von 0,8 Prozent – «aber wir fallen nicht in die Rezession» – und für 2016 mit einem Plus von 1,2 Prozent. Schwierige Zeiten sagte Hochberg für die KMU im Exportgeschäft voraus.

Und davon gibt es viele im Kanton Solothurn. Insbesondere setze der starke Franken die Metallindustrie, die Elektrotechnik und den Maschinenbau unter Druck. Deren Umsätze seien im Vorjahresvergleich gesunken.

Dagegen würden sich die Ausfuhren der Medtechindustrie bisher wacker halten, wenn auch hier der Wechselkurs den Preisdruck überdurchschnittlich verstärke. Eine weitere Schlüsselbranche im Solothurnischen, die Uhrenindustrie, kämpfe mit Absatzproblemen.

Die Kapazitätsauslastung sinke schweizweit seit Anfang Jahr und die Exporte hätten in den ersten drei Quartalen um zwei Prozent nachgegeben. Insbesondere zwei der wichtigsten Absatzmärkte für Uhren, Hongkong und China, schwächelten deutlich.

Industrie verliert Jobs

Bislang habe sich der Schweizer Arbeitsmarkt trotz Frankenstärke robust entwickelt. Die Arbeitslosigkeit verschlechtere sich nur leicht. Und im bisherigen Jahresverlauf sei die Zahl der Beschäftigten gar um ein Prozent gestiegen. Allerdings mit gewaltigen Unterschieden nach Sektoren aufgeteilt, schränkte die Ökonomin ein.

Gewachsen sei der Dienstleistungsbereich und dort insbesondere das Gesundheits- und Sozialwesen. Dagegen sei die Beschäftigung in der Industrie gesunken. «Der Trend hin zur Deindustrialisierung kostet Arbeitsplätze.»