Der Kanton hat mit dem Verband der solothurnischen Einwohnergemeinden vergangene Woche drei regionale Informationsanlässe zum Thema der familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung durchgeführt. Präsentiert wurden unter anderem der neue, vom Amt für Sicherheit (ASO) erstellte Praxisanleitfaden. Dieser soll den Gemeinden helfen, den Aufbau und die Subventionierung von familienergänzenden Betreuungsangeboten zu bewältigen, heisst es in einer Medienmitteilung der Staatskanzlei.

Ebenso wurde über die neuen Finanzhilfen vonseiten Bund informiert. Der Anlass diente auch dazu, Kontakt zu den Fachpersonen des ASO herzustellen. Diese beraten die Gemeinden, Trägerschaften und Firmen in allen Fragen zum Thema und begleiten deren Projekte. 

Bewusstsein für Bedeutung der Kinderbetreuung hat zugenommen

Im Rahmen eines Podiums wurden mit Vertretern aus Gemeinden, Wirtschaft, Anbietern und dem Tageselternverein Herausforderungen und Chancen diskutiert und erfolgreiche Modelle vorgestellt. Die Diskussionen zeigten die regionalen Unterschiede auf. So sind die Städte und Agglomerationsgemeinden bereits seit längerem aktiv in der Förderung der Angebote und ermöglichen auch Eltern mit einem geringeren Einkommen den Zugang.

Weiter erfuhren die Teilnehmenden, dass sich in den Bezirken Olten, Gösgen, Gäu und Dorneck zunehmend das Modell der Subjektfinanzierung durchsetzt. Bei dieser Finanzierungsart erhalten die anspruchsberechtigten Eltern Gutscheine, die sie beim Betreuungsangebot ihrer Wahl einlösen können. In den Bezirken Solothurn, Lebern und Wasseramt werden demgegenüber Betreuungseinrichtungen hauptsächlich mit direkten Beiträgen an die Anbietenden (Objektfinanzierung) unterstützt. Die Stadt Solothurn prüft jedoch ein Gutscheinmodell. Auch das Interesse der Wirtschaft scheint gross zu sein, vermehrt in die familienergänzende Kinderbetreuung zu investieren. Hier offenbarte sich ein Bedarf, interessierte Firmen von staatlicher Seite gezielt zu beraten. 

Betreuung in Tagesfamilien ist wenig bekannt

Die Diskussionen zeigten aber auch, dass die Betreuung in Tagesfamilien noch nicht die notwendige Bekanntheit und finanzielle Unterstützung geniesst. An allen Veranstaltungen wurde jedoch das Interesse und die Bereitschaft bekundet, diese niederschwellige und flexible Form der familienergänzenden Kinderbetreuung zusätzlich zu fördern. So sollte es mittelfristig auch gelingen, dass der Tageselternverein kantonsweit Tagesfamilien vermitteln kann. 

Aufruf zur Investition

Regierungsrätin Susanne Schaffner und der Geschäftsführer des Verbandes des Solothurner Einwohnergemeinden,  Thomas Blum, riefen die Gemeinden gemeinsam auf, die regional passende Angebotspalette zu ermitteln und entsprechend zu subventionieren. Dies sei im Interesse der Standortförderung und der Bekämpfung des Fachkräftemangels. Ausserdem dienen diese Anpassungen auch der Armutsprävention, da Familienarbeit und Erwerb besser vereinbar würden. In diesem Sinne müsse die Subvention von Betreuungsangeboten als Investition gesehen werden, die sich mehrfach auszahle. Die grosse Besucherzahl an den Anlässen liess vermuten, dass dieser Aufruf positive Folgen haben wird. (mgt)

Die Unterlagen zur Vernehmlassung sind hier abrufbar.