Auf einen Kaffee mit

Wirtin eröffnet «Oberer Tannmatt»: «Ich wünsche mir, dass lässige und unkomplizierte Leute kommen»

Gestern nahm die neue Wirtin Marianne Weber den Betrieb im Bergrestaurant auf.

Gestern nahm die neue Wirtin Marianne Weber den Betrieb im Bergrestaurant auf.

Auf einen Kaffee mit Marianne Weber, Wirtin im wiedereröffneten Bergrestaurant Obere Tannmatt ob Herbetswil.

Selbst bei Nebel und Nieselregen ist der Weg, der von Welschenrohr dem Wolfsbach entlang durch die Schlucht hinauf auf die Tannmatt führt, ein tolles Erlebnis. Wenn dann wieder einmal die Herbstsonne scheint, dann werden viele Mountainbiker und Wanderer auf die zweite Jurakette oberhalb von Herbetswil pilgern.

Die sind durstig und hungrig. Seit gestern ist nun das Bergrestaurant Obere Tannmatt wieder offen. Ein halbes Jahr blieb es geschlossen, während die neue Pächterfamile Weber den Berghof und das beliebte Ausflugsziel wieder in Schuss brachten.

«Ich habe bewusst darauf verzichtet, für die Eröffnung Werbung zu machen», sagt Marianne Weber in ihrem typischen Ostschweizer Dialekt, während sie in der Gaststube einen Punsch trinkt – Kaffee sei nicht so ihr Ding. «Die Leute haben uns bestürmt, wir sollen das Restaurant endlich wieder aufmachen.» Angst vor dem Ansturm an schönen Herbstwochenenden habe sie nicht. «Ich wollte nicht riskieren, dass wegen eines Inserats dann bei der Eröffnung die Leute draussen im Regen stehen, weil es drinnen keinen Platz mehr hat.»

Eine Toggenburger Spezialität zum Dessert

Als Spezialität gibt es verschiedene Rösti-Variationen und den Tannmatt-Toast. «Eine Art Käseschnitte mit chüstigem Brot», erklärt Marianne Weber. Als Dessert wird der Toggenburger Schlorzifladen auf der Oberen Tannmatt Einzug halten. «Das ist ein Kuchen mit Birnenweggenfüllung und Eirahmguss. Eine grosse Speisekarte ist nicht vorgesehen, weil ich alleine in der Küche bin.»

In der Gaststube haben etwa 30 Gäste Platz, im Garten gut 100. Für das erste Wochenende kommt die Gotte der kleinsten der drei Töchter aus der Ostschweiz zu Besuch, um zu helfen. «Das macht jetzt am Anfang Sinn und Spass. Längerfristig schaue ich mich aber in Herbetswil und Welschenrohr um, ob vielleicht eine Frau im Restaurant helfen möchte.» Die kleine Zweitwohnung könnte dann eine Art Bed and Breakfast werden. «Ich wünsche mir, dass lässige, unkomplizierte Leute kommen. Kinder sind bei uns herzlich willkommen, es hat einen kleinen Spielplatz.»

Dank einer Freundschaft ins Thal gekommen

Aber wie findet eine Ostschweizer Familie überhaupt den Weg ins Thal, und dann auch noch auf die recht abgelegene Tannmatt? «Wir haben vor vielen Jahren in St. Gallen an einer Pferdemesse Daniel Schaub von der Unteren Tannmatt kennen gelernt. Er hat dort den Sechsspänner einer grossen Brauerei gefahren. Er hat uns immer wieder eingeladen. Vor drei Jahren besuchten wir ihn auf der Unteren Tannmatt. Auf dem Heimweg sagte mein Mann Christof, an einem so schönen Ort möchte er auch gerne bauern», erzählt Marianne Weber.

«Wir suchten nämlich schon lange einen eigenen Hof für uns, konzentrierten uns dabei aber auf die Ostschweiz. Dann sahen wir das Inserat. Die Obere Tannmatt war ausgeschrieben. Wir riefen Daniel Schaub an, und der lud uns für eine Besichtigung ein. Wir schauten uns die Alp mit den Rindern an, und per Zufall lernten wir beim Nachtessen im Restaurant den Präsidenten der Alpgenossenschaft kennen. Er hat uns ermuntert, uns zu bewerben, und wir hatten das Glück, ausgewählt zu werden. Ein Traum ist wahr geworden.»

«Wir wurden hier so schnell akzeptiert»

Die Alp liegt 1122 Meter über Meer. 14 Hektaren sind landwirtschaftliche Nutzfläche und dazu kommen noch rund 80 Hektaren Weideland. Zu den derzeit 18 Milchkühen im Stall kommen im Sommer noch rund 100 Rinder. Viel Arbeit für die Familie Weber. «Die Milch geht nach Aedermannsdorf, aber wir überlegen uns, auch die Käserei wieder selber zu betreiben. Eingerichtet wären wir, aber wir müssten das zuerst noch lernen, und für einen Kurs fehlt uns einfach die Zeit. Wir sind seit April Tag und Nacht auf den Beinen und die Energie dafür fehlt uns jetzt gerade.»

Die drei Töchter gehen in Herbetswil in die Schule und fühlen sich bereits zu Hause. «Die Mentalität im Thal ist ruhiger als in der Ostschweiz», sagt Marianne Weber. «Bei uns sind alle so gehetzt. Ich geniesse das hier. Man darf auch einmal sagen, dass man etwas erst nächste Woche erledigen kann, und die Thaler akzeptieren das. Wir wurden hier so schnell akzeptiert. Das hat mich selber überrascht. Wir wurden herzlich aufgenommen und können nur dankbar sein.»

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