GastroSolothurn
Wirten nur nach bestandener Prüfung? - Verband fordert Ausbildung

Der kantonale Wirteverband fordert, dass der Kanton Solothurn die obligatorische Wirteprüfung wieder einführt. Mit dieser Forderung stösst er auf einige offene Ohren.

Stefan Frech
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Der Wirteverband fordert eine Wiedereinführung der Wirteprüfung im Kanton Solothurn. (Symbolbild)

Der Wirteverband fordert eine Wiedereinführung der Wirteprüfung im Kanton Solothurn. (Symbolbild)

Hanspeter Bärtschi

Peter Oesch lässt nicht locker. Der Präsident des Wirteverbands GastroSolothurn fordert, dass im Kanton wieder eine obligatorische Wirteprüfung eingeführt wird. Mit dem gleichen Ansinnen war Oesch 2006 im Kantonsrat sang- und klanglos gescheitert (ein von ihm initiierter Vorstoss wurde mit 27:54 Stimmen abgelehnt). Jetzt macht der Wirtepräsident, unterstützt vom ganzen Vorstand von GastroSolothurn und dem Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband, einen erneuten Versuch - und zwar in der Vernehmlassungsantwort zum Wirtschaftsgesetz. «Wer einen Gastrobetrieb führen will, soll ein minimales Grundwissen in Lebensmittel- oder Arbeitsrecht mitbringen, bevor er eine Betriebsbewilligung erhält», findet Oesch. Die umliegenden Kantone Bern, Baselland und Aargau kennen die Wirteprüfung.

Angst vor den schwarzen Schafen

Oeschs Schlüsselereignis liegt drei Jahre zurück. «Ich war im Kanton Baselland bei einem Vorbereitungskurs für die Wirteprüfung dabei», erzählt Peter Oesch. «Ein Kandidat sagte: Wenn ich die Prüfung nicht schaffe, dann mache ich halt im Kanton Solothurn eine Beiz auf.» Dort kann seit 1996 jede Frau und jeder Mann ein Restaurant, eine Bar oder einen Take-Away führen. Eine fachliche Ausbildung ist nicht nötig. «Diese sehr liberale Haltung und der Mangel an fachlichem Grundwissen haben dazu geführt, dass in etlichen Betrieben erhebliche Defizite bestehen», kritisiert Oesch. Es gebe viele tolle Quereinsteiger, aber auch viele, die von den rechtlichen Vorschriften, insbesondere im Hygienebereich, keine Ahnung haben. Auch fehle es oft an minimalen fachlichen Kenntnissen. «Ein Automechaniker kann ja auch nicht einfach eine Schreinerei führen», findet der Präsident von GastroSolothurn. Er hat Angst, dass die schwarzen Schafe den Ruf der Branche kaputtmachen. GastroSolothurn hatte vor 1996 die Abschaffung der Wirteprüfung unterstützt. «Damals gab es aber auch noch kaum Kebabstände oder Imbissecken», erklärt Oesch.

Gäste haben Darminfekt

Die meisten Probleme treten im Hygienebereich auf. Im Interview mit dieser Zeitung hat Kantonschemiker Martin Kohler vor drei Jahren folgende Aussage gemacht: «Wir von der Lebensmittelkontrolle bedauern es, dass es die Wirteprüfung nicht mehr gibt.» Es gebe einige Quereinsteiger, die keine Ahnung vom Führen eines Gastrobetriebs haben und die elementarsten Fehler bei der Hygiene machen. «Sie portionieren gekochte Spaghetti mit ungewaschenen Fingern und stellen sie in den zu warm eingestellten Kühlschrank - und schwupp, haben die Gäste schon einen Darminfekt. Seit dem Wegfall der Wirteprüfung haben wir in der Lebensmittelkontrolle einen Mehraufwand, weil wir die Betreiber vor Ort informieren und beraten müssen.» Die Situation habe sich in den letzten drei Jahren nicht geändert, sagt Kohler heute. Im Jahr 2011 stellten die Lebensmittelkontrolleure in jedem zehnten Gastrobetrieb gröbere Mängel fest.

Ohne Arbeiten zu viel Geld

Auch beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit stösst Oeschs Forderung auf offene Ohren. «Persönlich finde ich es sinnvoll, dass wieder Minimalanforderungen eingeführt werden», sagt Amtschef Jonas Motschi. «Einige Quereinsteiger glauben, sie könnten mit wenig Arbeiten viel Geld verdienen.» Motschi kennt keine genauen Zahlen, wie viele Betriebsleiter jährlich dem AWA wegen Verstössen gegen das Arbeits- oder Sozialversicherungsrecht auffallen. «Es sind vielleicht ein paar Dutzend.» Meist sei aber Unwissen und nicht Absicht der Grund für das Fehlverhalten: «Zum Beispiel werden ausländische Servicemitarbeiter angestellt, bevor eine Arbeitsbewilligung vorlieg.»
Motschis Amt wertet nun die Vernehmlassungsantworten zum Wirtschaftsgesetz aus. Dann entscheidet der Regierungsrat, ob die Forderung nach einer Wirteprüfung in die Vorlage ans Parlament aufgenommen wird. Falls nicht, ist für Wirtepräsident Peter Oesch bereits jetzt klar: «Dann lancieren wir erneut einen Vorstoss im Kantonsrat.»

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