Nach dem Ja zur Minarett-Initiative haben die Muslime hierzulande den Mut verloren, eigene Bedürfnisse zu formulieren – aus Angst, diese würden ohnehin abgelehnt», meint Sevim Polat. Die Grenchner Muslimin ist Vorstandsmitglied in der «Gemeinschaft von Christen und Muslimen in der Schweiz» und bedauert, dass die Diskussion um muslimische Begräbnisplätze kaum mehr vom Fleck komme, insbesondere nicht im Kanton Solothurn. Während in diversen Kantonen und Städten inzwischen muslimische Begräbnisfelder existierten, seien diese hier praktisch inexistent, beklagt sie.

Während sich eingewanderte Muslime der ersten Generation noch meistens in ihrem Heimatland bestatten liessen, hätten in der Schweiz aufgewachsene Muslime nur noch wenig Kontakte zu ihrer Heimat. «Inzwischen leben manche Muslime der 4. Generation hier, als Schweizer Bürger. Wenn sie sterben und sich islamisch bestatten lassen möchten, wird sich das Problem verschärfen», befürchtet Polat.

In den Gemeinden und Städten bestätigt man, dass muslimische Grabfelder zurzeit kaum ein Thema sind. «Ich bin noch nie mit dem Wunsch nach einer islamischen Bestattung konfrontiert worden», sagt Solothurns Stadtschreiber Hansjörg Boll auf Anfrage. «Es scheint kein akutes Bedürfnis zu sein», folgert er daraus. Grundsätzlich hätte es im Friedhof St. Katharinen genügend Platz, bestätigt Boll. Eine Bestattung nach islamischer Sitte scheine ihm nicht grundsätzlich ausgeschlossen, sofern man sich bezüglich einiger Spielregeln finde.

Aber da wird es bereits schwierig. Eine wichtige Forderung des Islam ist, dass die Toten mit dem Gesicht nach Mekka ins Grab gelegt werden. Das würde auf den meisten Schweizer Friedhöfen bereits zum Problem. Doch mit etwas Wille zur Improvisation würde sogar das gehen. «Ich erinnere mich an einen Fall, bei dem einfach das Gesicht des verstorbenen nach Osten gewendet wurde», berichtet der Chef des Grenchner Stadtbauamtes Claude Barbey schon fast anekdotisch.

Auch er bestätigt, dass in der Uhrenstadt zwar die Diskussion um ein muslimisches Grabfeld vor Jahren einmal geführt worden sei, mangels konkreter Forderungen oder Ansprechpartnern jedoch im Sand verlief. «Wir sind aber offen für Lösungen, wenn das Bedürfnis formuliert wird», betont Barbey.

Auch in Gerlafingen, wie Grenchen eine Gemeinde mit hohem Ausländeranteil, sind Gräber für Muslime «zurzeit absolut kein Thema», wie Gemeindepräsident Peter Jordi bestätigt. Mangels entsprechender Anfragen bestehe auch kein Handlungsbedarf. Auch Jordi betont, dass seitens der Behörde Gesprächsbereitschaft bestehe. Er erinnert sich an eine grosse Begräbnisfeier für einen jungen Mann aus dem Kosovo, die entgegen dem Friedhofreglement schon mal an einem Samstag zugelassen wurde.

Für Sevim Polat tönen solche Lösungen nach Flickwerk. «Es wäre doch am einfachsten, wenn wir in einer Ecke des Friedhofs die Gräber nach Mekka ausrichten könnten. Das ist doch nicht zu viel verlangt», sagt sie. Weitere Forderungen würden nicht erhoben. «Sogar für die Grabesruhe gibt es eine Lösung, indem die Toten in Schichten oder nebeneinander bestattet werden können».

Der Umstand, dass von muslimischer Seite keine Forderungen erhoben werden, wertet Polat als Beweis, dass sich die meisten Muslime zurzeit in der Schweiz möglichst unauffällig verhalten möchten. «Sie müssen sich sonst schon dauern rechtfertigen und haben nicht auch noch die Kraft, bei einem Todesfall in der Familie mit Forderungen zu kommen.»

Für Peter Jordi gibt es aber auch eine andere mögliche Erklärung. «Viele Muslime, die hier aufgewachsen oder geboren sind, leben säkulär und können auch mit einem neutralen Begräbnisritus leben», vermutet er. Wer es aber mit der Religion sehr genau nehme, lasse sich wahrscheinlich ohnehin in einer islamischen Umgebung bestatten.

Dies würde erklären, wieso das in Olten existierende Begräbnisfeld für Muslime noch immer fast leer ist. Laut Pierre Reift, stellvertretender Bestattungsbeamter der Stadt, steht seit 2003 ein spezielles Gräberfeld für Muslime zur Verfügung, werde aber noch kaum benutzt. Von 45 Bestattungsplätzen seien erst deren vier belegt.