Es ist eines der umstrittensten Geschäfte auf der Solothurner Politagenda: die mögliche Pistenverlängerung beim Grenchner Flughafen. Der Widerstand wächst: Über 200 Personen kamen letzte Woche nach Altreu, um gegen mögliche Überflüge und den Eingriff in die Witi-Schutzzone ein Zeichen zu setzen.

Jetzt aber führt ausgerechnet der diesjährige Kantonsratsausflug auf den Grenchner Flughafen. Ab 17.30 Uhr treffen sich die Kantonsräte nächsten Mittwoch zum Apéro im Hangar. Wer will, kann bereits am Nachmittag den Flugplatz besichtigen, sofern nicht eine Stadtführung oder der Besuch beim Velohersteller BMC bevorzugt wird.

Ist dieser vom Ratsbüro organisierte Besuch auf dem Flughafen nicht politisch heikel? – Schliesslich bietet er den Flughafenbetreibern doch die optimale Lobbyingplattform bei den für ihr Anliegen zuständigen Politikern. Die Frage ist nicht abwegig: Der Flughafen selbst hat den Kantonsratsbesuch offenbar gar in einem dem Regierungsrat zugestellten Aktionsprogramm als anstehende Aktion aufgelistet – zum Missfallen von Kantonsratspräsident Peter Brotschi. «Ich verwahre mich dagegen, dass der Ausflug Teil dieses Programms ist», sagt der Grenchner CVP-Mann. Er will nicht, dass «sein» Kantonsratsausflug instrumentalisiert wird. Dies habe er den Flughafenverantwortlichen denn auch in einem Brief mitgeteilt.

Diskussion bei den Grünen

«Der Ausflug führt traditionell in die Heimat des Kantonsratspräsidenten», begründet Brotschi seine Wahl. «Und in Grenchen kommt man nun einmal nicht um den Flughafen herum. Zudem ist die Luftfahrt seit Jahrzehnten ein wichtiger Teil meines Lebens.» Geplant gewesen sei der Ausflug schon, bevor die Ostvariante im Mai wieder aufs Tapet kam. «Überhaupt», so Brotschi: «Ich stehe der Ostvariante seit je ablehnend gegenüber.»

Und wie kommt der Besuch bei der Partei an, die gerade einen Volksauftrag gegen die längere Piste angekündigt hat? «Die Einladung hat bei uns Diskussionen ausgelöst», sagt Barbara Wyss Flück, Fraktionschefin der Grünen. Die Partei entschied sich allerdings, am Ausflug teilzunehmen. Schliesslich, so Wyss, sei es Tradition, dass der Ausflug in die Heimat des Kantonsratspräsidenten gehe und in Grenchen liege der Flughafen nun mal als Ausflugsziel nahe. «Uns ist einfach wichtig, dass der Anlass weder zu einer Pro- noch einer Kontra-Veranstaltung für die Piste wird.»

Offenbar hat Aviatiker Brotschi grundsätzlich etwas Pech, wenn er seine Parlamentskollegen auf Flugplätze einlädt. Als er die Ratsleitung für den 1. Mai zum Ausflug auf den Militärflugplatz Emmen einlud, stand gerade die Gripen-Abstimmung an. Landammann Peter Gomm und Parlamentarier sagten deshalb ab. (lfh)