Inbetriebnahme

Wird der Bürgerspital-Neubau wegen Corona-Pandemie früher bezogen?

Ein Musterzimmer des neuen Solothurner Bürgerspitals: Noch hoffen alle, dass hier nicht vorzeitig Patienten untergebracht werden müssen.

Ein Musterzimmer des neuen Solothurner Bürgerspitals: Noch hoffen alle, dass hier nicht vorzeitig Patienten untergebracht werden müssen.

Die vorzeitige Inbetriebnahme des Bürgerspital-Neubaus Solothurn wegen der Corona-Epidemie ist für die Verantwortlichen momentan noch keine Option – über den Tag hinaus aber ein Thema.

Der Anblick ist eindrücklich. Der 340-Millionen-Franken-Neubau des Bürgerspitals Solothurn (BSS) steht äusserlich vor der Vollendung. «Die Fertigstellungsarbeiten laufen auf Hochtouren», bestätigt Alfredo Pergola, Projektleiter beim Hochbauamt des Kantons, «die Abschlussarbeiten erfolgen wie geplant in den Monaten April und Mai.»

Die Immobilie werde der Solothurner Spitäler AG (soH) denn auch wie geplant Anfang des nächsten Monats zur Ausrüstung übergeben. Was bedeutet das für die Inbetriebnahme des Neubaus? Martin Häusermann, CEO der soH, geht davon aus, dass mit der Überführung der stationären Patientinnen und Patienten ab dem 22. Juni begonnen wird. Einzelne Bereiche könnten bereits in der Woche davor gezügelt werden, einzelne in der Woche danach. «Insgesamt wird der Umzug über drei Wochen vollzogen», sagt Häusermann.

Je nach Entwicklung kann sich die Situation ändern

Die Frage, die sich angesichts der Entwicklung der Pandemie stellt, ist diese: Spielt der Neubau des BSS dabei eine Rolle? Konkret: Wäre eine zumindest teilweise vorzeitige Inbetriebnahme denkbar? Und für die Verantwortlichen eine Option?

Die Antwort von CEO Häusermann tönt so: «Im Moment ist eine vorgezogene Inbetriebnahme noch keine Option.» Das heisst: «Es kann sich je nach Entwicklung ändern.» Derzeit sei die soH mit ihren drei somatischen Standorten Olten, Dornach und Solothurn «gut aufgestellt» und habe aktuell
«genügend freie Kapazitäten und personelle Ressourcen». Zudem sei eine Notfallplanung erstellt, die laufend der Lage angepasst werde.

Vor diesem Hintergrund werde auch der Neubau «in die weitergehenden Überlegungen einbezogen». Konkret bedeutet dies: «Wir sind in permanentem Austausch mit dem Kanton – einerseits mit dem Sonderstab Corona, andererseits mit dem Hochbauamt», sagt Häusermann, «wir treffen alle nötigen Entscheidungen gemeinsam.»

Dazu gehört auch, dass das Leistungsangebot im stationären ebenso wie im ambulanten Bereich sukzessive reduziert wird, «um die Infrastruktur für die Behandlung von Personen sicherzustellen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben», führt der soH-CEO aus. Umgekehrt: Alle Behandlungen und Eingriffe bei «vital bedrohlichen Erkrankungen und/oder unzumutbarem Leidensdruck der Betroffenen» werden weiterhin durchgeführt. «Aufgrund der aktuellen Einschätzung werden die Kapazitäten für die Behandlung von Corona-Virus-Patienten genügen», sagt Häusermann. Wenn nicht, müsste darüber nachgedacht werden, zusätzliche räumliche Kapazitäten zu schaffen.

Gibt es Überlegungen, die in Richtung Notspital zielen? «Spekulationen bringen nichts», betont der soH-CEO. Entscheidend werde zu einem Zeitpunkt, da sich die Frage stelle, sein, wo die infizierten Patienten lokalisiert seien. «Würde sich ein Infektionsherd in Olten bilden, wäre möglicherweise eine Entlastung im Raum Olten für das dortige Kantonsspital nötig», sagt Häusermann, «die gleichen Überlegungen machen wir uns bei einem Infektionsherd in Solothurn.»

Weitere Beatmungsplätze sind in Vorbereitung

Ganz abgesehen davon werden aktuell jene Personen, die möglicherweise mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert sind, je nach den räumlichen Möglichkeiten in Solothurn, Olten und Dornach in eigens vor den Notfallstationen aufgestellten Screening-Containern getestet. Zudem: «Wir haben an allen drei Standorten spezielle Isolierstationen geschaffen und können durch die Reduzierung des sonstigen Leistungsangebots bei Bedarf innert kurzer Zeit weitere Stationen einrichten», sagt Häusermann.

Und: «Für Schwerkranke, die beatmet werden müssen, stehen auf unseren intensivmedizinischen Stationen die nötigen Plätze zur Verfügung.» Schliesslich: Die Arbeiten für die Inbetriebnahme weiterer Beatmungsplätze mit Vitaldaten-Monitoring sind laut Häusermann am Laufen.

Übrigens: Auch die Privatklinik Obach in Solothurn hat ihre Wahleingriffe reduziert, um Kapazitäten für die Bewältigung der Pandemie zu schaffen. Direktorin Yvonne Neff sagt, die zu Swiss Medical Network gehörende Klinik sei daran, die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Spitälern zu operationalisieren. Dabei geht es um den gemeinsamen Einsatz von Personal und Infrastruktur, um im Verbund das anbieten zu können, was die Situation und die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung erfordert. Das Bekenntnis von Bürgerspital und Obach sei ab sofort das gleiche.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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