Die Gemeinderäte Balm bei Günsberg und Günsberg wurden am Donnerstagabend von den kantonalen Behörden über deren Absichten informiert. Standortgemeinde der Asylunterkunft ist Balm bei Günsberg - eine 190-Seelen-Gemeinde.

Zehn Einwohnerinnen und Einwohner leben auf dem Balmberg selbst. Dazu kommen Restaurants, Landwirtschaftsbetriebe und der Seilpark. «Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden», erklärt Gemeindepräsidentin Pascale von Roll. «Viel dazu sagen können wir nicht.»

«Schwer zu verdauen», wie es von Roll ausdrückt, «ist das Missverhältnis zwischen Einwohnerzahl und Anzahl an Asylbewerbern, das nun praktisch halb-halb ist». «Seit 20 Jahren hat es auf dem Balmberg bereits ein Durchgangsheim. In diesem leben heute praktisch nur alleinstehende Männer mit einem negativen Asylentscheid.»

Die Situation mit diesen Asylbewerbern sei sehr problematisch, so von Roll. Die Einwohner würden sich deshalb fragen, wieso es nun nochmals den Berg treffe. Beruhigend sei sicher, dass im Kurhaus vor allem Familien, Frauen und beeinträchtigte Personen einquartiert werden sollen.

«Wir werden tun was wir können, um die Interessen der Einwohner und der Betriebe auf dem Balmberg zu wahren», so von Roll deutlich. Sie habe deshalb auch gewünscht, dass die Verantwortlichen der kantonalen Behörden persönlich an der Gemeindeversammlung vorbeikommen, um Red und Antwort zu stehen.

«Das Tempo ist horrend»

«Uns ist klar, dass die Asylbewerber untergebracht werden müssen», so Thomas Jenni, Gemeindepräsident Günsberg. «Aber wir haben bereits ein Durchgangsheim auf dem Balmberg, in dem es viele Probleme gibt.»

Sauer stösst Jenni auf, dass Claudia Hänzi noch vor drei Monaten erklärte, dass es auf dem Balmberg nie ein Asylzentrum geben werde. «Das Tempo, das der Kanton seither vorgelegt hat, ist horrend. Wir wurden richtiggehend überfahren.» Rechtlich gesehen habe man wohl kaum Möglichkeiten, etwas zu ändern. «Aber der Frust ist spürbar.» 

Immerhin, so Jenni, gebe es eine Begleitgruppe, in die auch der Gemeinderat Günsberg zwei Mitglieder delegieren konnte. «Wie viel wir dort zu sagen haben, weiss ich nicht.» 

Der Gemeinderat Günsberg habe zudem Bedenken, weil der bauliche Zustand des Kurhauses nicht wirklich gut sei. Auch der Transport der Leute mit dem Postauto dürfte schwierig werden.

Skiliftbetreiber: «Imageschaden»

«Das ist keine gute Nachricht», erklärt Bele Schmid, Betriebsleiter der Sportanlagen Balmberg AG. Das Unternehmen betreibt die Skilifte auf dem Balmberg. Es sei zwar schwierig abzuschätzen, ob sich die Asylunterkunft in direkter Nähe auf den Besuch der Wintersportler auswirken werde.

Aber geschäftsfördernd sei das Ganze sicher nicht. Eher noch mehr fürchtet Schmid, dass der jeweils von Frühling bis Herbst geöffnete Seilpark darunter leiden werde. «Dann sieht man die Asylbewerber auch.»

Der Sportbetrieb spüre schmerzhaft, dass das Kurhausrestaurant nicht geöffnet sein wird. Aber das war doch letztes Jahr auch schon so? Stimmt, räumt Schmid ein.

«Aber mit der Neunutzung ist klar, dass das Restaurants auf längere Zeit nicht geöffnet wird.» Es sei eine schlechte Lösung. «Das Image des Balmberg wird generell darunter leiden.»

«Passt mir gar nicht»

Die Familie Schlegel betreibt die Restaurant-Pension Mittlerer Balmberg. Trudi Schlegel hat am Freitagmorgen von einer Frau, die in der Nähe wohnt, erfahren, dass im Kurhaus 120 Flüchtlinge untergebracht werden.

«Nicht schön» findet sie dieses Vorhaben, wie sie auf Anfrage erzählt. «Wir haben ja schon 60 Asylanten hier.» Das Kurhaus sei etwas Schönes und ihr Restaurant für Touristen attraktiv.

Deshalb passe es ihr gar nicht, was der Kanton nun unternimmt. «Ich habe es bereits letzte Woche an unserem Stammtisch gehört, dass noch mehr Flüchtlinge kommen sollen, habe es aber damals gar nicht geglaubt», sagt sie. Aber sie könne ja nichts dagegen unternehmen. (rm/nka)