Sie haben als Synodalratspräsident den Wechsel von Bischof Kurt Koch zu Felix Gmür erlebt. Was ist anders geworden?

Hansjörg Brunner: Heute herrscht eine ganz andere Atmosphäre. Die Treffen mit dem Bischof in der Finanzkommission des Bistums und am Forum der Präsidien der Landeskirchen der zehn Bistumskantone sind offen, man kann gut diskutieren, es wird nichts abgewürgt. Man spürt Respekt von beiden Seiten, die Positionen werden gegenseitig anerkannt. Es wird nicht in halbdiktatorischer Art etwas aufoktroyiert. Die Atmosphäre ist viel gelöster als vorher. Daran hat neben Felix Gmür auch Generalvikar Markus Thürig Anteil.

Letzten Sommer stellte ein heftig umstrittenes Dokument der Schweizerischen Bischofskonferenz die Rolle der Kirchgemeinden und Synoden infrage. Wie haben Sie und die Kollegen im Synodalrat reagiert?

Für uns war das wie eine Ohrfeige. Vor allem, dass wir aus den Medien vom Vademecum erfahren mussten. Mein Eindruck von Bischof Gmür kam dadurch ins Wanken - ich fragte mich: Kann das sein? Es zeigte sich dann, dass die Information eine Panne war. Einmal mehr war es der Churer Bischof Huonder, der geschossen hatte.

Wie haben Sie reagiert?

Den Präsidentinnen und Präsidenten der Kantonalkirchen war klar, dass wir in dieser Frage gemeinsam auftreten mussten. An einem Treffen haben wir einen Fragenkatalog formuliert. Am Kleinen Forum vom 18. Oktober 2013 hat der Bischof Stellung genommen.

Wie hat er sich geäussert?

Die Antworten fielen für uns alle positiv aus. Grundsätzlich bezeichnete Felix Gmür das Vademecum als Arbeitspapier und nicht als einen «zur Umsetzung» gefassten Beschluss. Zu zwei von drei Hauptpunkten erklärte er, dass diese für ihn nicht vordringlich sind. Der eine betrifft die Terminologie (das Vademecum lehnt die geläufigen Begriffe «Landeskirche» und «Synode» ab - Red.); diese Begriffe sind bei uns, aber auch in anderen Kantonen ohnehin von Kantonsverfassung und Gesetzen festgelegt. Der zweite betrifft die Wiederwahl der Pfarrer, die in vielen Kirchgemeinden schon heute nicht mehr üblich ist. Diese zwei Punkte sind also erledigt.

Und der dritte Punkt?

Das betrifft die finanziellen Verbindlichkeiten der Kantonalkirchen gegenüber dem Bistum. Die Beiträge der zehn Kantonalkirchen - in unserem Fall sind es etwa 300 000 Franken im Jahr - können jährlich schwanken. Es gibt zwar eine Finanzplanung über drei Jahre, aber der Bischof wünscht mehr Sicherheit für die Einnahmen des Bistums. Das ist ein Punkt, den wir bearbeiten müssen. Eine Variante wäre eine Leistungsvereinbarung, wie wir sie mit kirchlichen Fachstellen haben. Es wird nun eine Arbeitsgruppe eingesetzt, dazu bieten die Kantonalkirchen Hand.

Ihr Fazit zum Vademecum?

Die Bischofskonferenz war da etwas blauäugig. Bischof Gmür hat diese Panne bedauert. Für mich ist die Sache erledigt.

Ein latenter Konflikt betrifft die Kirchenaustritte. Das Bundesgericht hat am 9. Juli 2012 einer Luzernerin Recht gegeben, die aus ihrer Kirchgemeinde austrat, aber Mitglied der römisch-katholischen Kirche bleiben wollte. Das stellt die Kirchgemeinden infrage.

Im Kanton Solothurn ist ein solcher partieller Kirchenaustritt nicht möglich, weil er der Kantonsverfassung (Artikel 55) widerspricht. Der damals für das Kirchenwesen zuständige Regierungsrat Klaus Fischer hat uns bestätigt, dass der Bundesgerichtsentscheid die Kantonsverfassung nicht ausser Kraft setzt. Ein Austritt nur aus der Kirchgemeinde wird nicht akzeptiert. Wer austreten will, muss den Austritt aus der römisch-katholischen Kirche erklären. Bischof Gmür und Generalvikar Thürig stehen hinter dem heutigen dualen System in der Schweiz.

Wie hoch ist die Zahl der Austritte im Kanton Solothurn?

Die Zahl schwankt je nach aktuellen Ereignissen, hauptsächlich im Zusammenhang mit Rom. Es sind ungefähr 1000 pro Jahr, bei 96 000 Römisch-Katholiken im Kanton.

Zusammen mit den reformierten und christkatholischen Landeskirchen haben Sie letzten September die Kampagne «Kircheneintritt» lanciert. Was hat sie gebracht?

Bei den Römisch-Katholiken sind etwas über 10 Personen wieder eingetreten. Wir wollten nicht immer nur über Austritte jammern, sondern etwas dagegen tun.

Ende März treten Sie als Präsident der Synode zurück. Ihre Bilanz nach den sieben Amtsjahren?

Diese Aufgabe war für mich nicht wie Arbeit, sondern wie ein befriedigendes Hobby - dank den schönen Begegnungen und einem guten Beziehungsnetz. Mein Wunsch ist, dass der Solidaritätsgedanke unter den Kirchgemeinden standhält, wenn Massnahmen von aussen kommen. Auch schweizweit sollen kirchliche Regionen, denen es finanziell schlechter geht - wie Neuenburg, Wallis oder Genf, die keine Kirchensteuern haben - auf Solidaritätsleistungen zählen können. Ich hoffe auch, dass das duale System in den Schweizer Kirchen so bestehen bleiben kann. Dazu braucht es von beiden Seiten Verständnis. Wenn eine Zusammenarbeit möglich ist, kann es funktionieren. Aber hinter den Strukturen stehen immer Menschen, und da kann es Differenzen geben.