Alters-/Pflegeheime
Wir werden immer älter – und teurer

Immer mehr AHV- und IV-Rentner können ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten, ohne dass sie Ergänzungsleistungen beziehen müssen. Vor allem, wenn sie in einem Heim leben, wird es teuer. Immer teurer. Neue Ideen sind gefragt.

Stefan Frech
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Der Kanton rechnet damit, dass die Zahl der in Heimen wohnenden Hochbetagten weiter steigt.

Der Kanton rechnet damit, dass die Zahl der in Heimen wohnenden Hochbetagten weiter steigt.

Hanspeter Bärtschi

«Die Kosten für den Aufenthalt und die Pflege in Alters-, Pflege- oder Behindertenheimen steigen», sagt Felix Wegmüller, Geschäftsleiter der Ausgleichskasse des Kantons Solothurn. Er sieht darin einen Hauptgrund, weshalb die Ausgaben für die EL in den letzten Jahren massiv gestiegen sind.

Eine Aussage, die der Präsident der Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime (GSA), Urs Hufschmid, nicht bestreitet. Hingegen betont er, dass die Pflegekosten im Kanton rund einen Viertel unter dem schweizerischen Durchschnitt liegen. «In den Solothurner Heimen wird sehr kosteneffizient gepflegt», sagt Hufschmid. Den anderen Teil der Kosten, die in den Heimen entstehen, werden über die Heimtaxen ausgewiesen.

Darin schlagen vor allem die Auslagen der Heime für Unterkunft und Verpflegung (Hotellerie) der Bewohnerinnen und Bewohner zu Buche. Die Heimtaxen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Seit 2012 dürfen die Heime im Kanton maximal 150 Franken pro Tag verlangen, wovon 120 Franken für Unterkunft und Verpflegung abgegolten werden. Dieser Hotellerieanteil betrug vor zehn Jahren noch 93 Franken pro Tag.

Kritik an Auflagen des Kantons

Die Höhe der Hotelleriekosten ist den Gemeinden ein Dorn im Auge: «Sie sind im Kanton Solothurn recht grosszügig festgelegt», findet Ueli Bucher, Geschäftsführer des Einwohnergemeindeverbands. «Für 120 Franken bekomme ich auch ein Zimmer in einem recht guten Hotel.» Hufschmid entgegnet: «Die Solothurner Heime verlangen für die Hotellerie einen im gesamtschweizerischen Vergleich vernünftigen Preis.» Für 120 Franken erhalte man ein Hotelzimmer, aber keine Betreuung rund um die Uhr. «Hilft mir die Réception, wenn es mir nachts schwindlig wird?» In Alters- und Pflegeheimen sei stets ausgebildetes Personal zur Stelle. «Das hat seinen Preis.»

Wie der Einwohnergemeindeverband stört sich aber auch die Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime an den 2009 eingeführten Qualitätsvorschriften des Kantons. So müssen fast 40 Prozent der Mitarbeitenden eine Fachausbildung aufweisen können. «Das kostet», sagt Hufschmid. «Ausserdem bestehen Auflagen an die Infrastruktur, die für Hotels nicht gelten. So darf ein Zimmer in einem Altersheim nicht kleiner sein als 16m2.»

Arbeitsgruppe soll prüfen

Sein Verband sei für eine hohe Qualität in den Heimen, sagt Hufschmid, «die Vorgaben des Kantons gehen aber teilweise zu weit». Deshalb schlägt Hufschmid vor, eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Kanton, Gemeinden, Ausgleichskasse und Heimen einzuberufen. Sie soll die staatlichen Vorgaben kritisch hinterfragen. «Damit könnte man die Heimtaxen für die nächsten drei Jahre stabilisieren.» Ueli Bucher unterstützt diese Forderung des GSA, er möchte die Heime aber generell unter die Lupe nehmen: «Die Kostenstrukturen müssen seriös überprüft werden, allenfalls von Dritten.»

Nebst diesen zwei Ideen existieren weitere Vorschläge, wie die Heimkosten stabilisiert werden könnten. Ein schwieriges Unterfangen – schon nur, weil das Amt für soziale Sicherheit (ASO) in seiner Heimplanung für das Jahr 2020 mit mehr Alters- und Pflegeheimplätzen rechnet. «Die Zahl der hochbetagten Menschen steigt in den nächsten Jahren weiter», sagt Ursula Brunschwyler, stellvertretende Leiterin des ASO. Jeder neue Heimplatz bedeutet höhere Kosten.

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