Mr. Pro Sesseli
«Wir sollten die Menschen nicht mit einem Rummelplatz abspeisen»

Heinz Rudolf von Rohr, kämpft für einen naturbelassenen Weissenstein. Mit dem Verein Pro Sesseli engagiert er sich für ein sanft und nachhaltig genutztes Naherholungsgebiet auf dem Weissenstein.

Theodor Eckert
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Heinz Rudolf von Rohr: «Die Welt endet nicht am Weissenstein».

Heinz Rudolf von Rohr: «Die Welt endet nicht am Weissenstein».

Der Weissenstein lebt: Die Bauarbeiten für die neue Gondelbahn sind angelaufen, Solothurn Tourismus widmet dem beliebten Hausberg das Forum 2014, die Kurhaus-Liegenschaft ist zum Verkauf ausgeschrieben und die Bevölkerung harrt gebannt der Dinge, die da nun endlich kommen sollen. Ein Kenner des Dossiers ist Heinz Rudolf von Rohr.

Der 74-Jährige ist jedoch weit mehr als bloss Beobachter. Als Präsident des Vereins Pro Sesseli war und ist er Akteur. Auch heute noch, nachdem der emotionsgeladene Kampf für die altehrwürdige Sesselbahn vor Gerichten auf taube Ohren stiess.

Der promovierte Geograf hat sich seinen Ruf als kritischer (Berg-)Geist bewahrt. Die gegenwärtige Entwicklung betrachtet er mit grösstem Interesse und hält mit träfen Kommentaren nicht zurück.

Pro Sesseli

Apropos Pro Sesseli, existiert der Verein eigentlich noch? Rudolf von Rohr schaut verschmitzt, trinkt einen Schluck Kaffee und bejaht. Darüber müssten letztlich die Mitglieder entscheiden. Im Frühjahr werde die Generalversammlung abgehalten.

Dann werde man sehen. Gleichzeitig verweist er darauf, dass es dem Verein nicht allein um den Erhalt der Bahn gegangen sei. Als zweiter Zweck stehe der Erhalt der Landschaft im Zentrum. Das Engagement für ein sanft und nachhaltig genutztes Naherholungsgebiet habe sich mit der neuen Bahn nicht einfach erledigt.

Im Gegenteil. Der Druck auf die Natur werde tendenziell zunehmen. Rudolf von Rohr wirkt gelassen. Unverkrampft gibt er Antworten auf Fragen zu den nervenaufreibenden Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre. Zeitweise sei es schon grenzwertig gewesen.

So sei es vorgekommen, dass er beim Einkaufen von wildfremden Menschen verbal aufs Heftigste attackiert worden sei. Doch da braucht es schon wesentlich mehr, um den StadtSolothurner aus dem Konzept zu bringen. Er, der unlängst in Madagaskar von bewaffneten Banditen im Zelt völlig ausgeraubt wurde.

«Ich habe nie aufgehört»

Ab wann er denn nicht mehr an einen Erfolg geglaubt habe, wollen wir wissen. Er habe nie aufgegeben betont er. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte letztlich das Bundesgericht darüber befinden müssen. Denn juristisch sei die Sache alles andere als eindeutig gewesen.

Mehrere Rechtsexperten hätten deutliche Schwachstellen ausgemacht. Lag es letztlich am Geld, oder war der öffentliche Druck zu stark? Nein, am Geld habe es nicht gelegen. Und bei einem Sieg hätte sich die finanzielle Seite eh anders präsentiert.

Aber die Bevölkerung sei mehrheitlich gegen Pro Sesseli und Heimatschutz gewesen und das habe verschiedenen Exponenten den Schneid abgekauft. Da sei es zum Beispiel auch um politische Karrieren gegangen.

Sanierung des Kurhauses

Wird man Sie in der neuen Gondelbahn antreffen? Er lacht herzhaft und sagt: «So stur bin ich nicht, dass ich sie boykottieren werde. Aber mit Sicherheit trifft man mich am ersten Betriebstag nicht in der Warteschlange an.»

Herr Rudolf von Rohr, wie sieht denn nun die Zukunft auf dem Berg aus? Der Blick des erfahrenen OSZE-Wahlbeobachters wird ernst. Er geht von einer neuen Bahn aus, die letztlich um die 20 Millionen Franken kosten wird.

Die Sanierung des Kurhauses sei wohl auch nicht für weniger zu schaffen. «Das wird kein Spaziergang, wenn die Rechnung aufgehen soll.» Und wenn es schlecht laufe, müsse wie bei der Wasserfallenbahn die öffentliche Hand einspringen.

Für den Gastbetrieb sehe er am ehesten eine Stiftung. Mit Finanzier Hansjörg Wyss? Nein, nein, der habe nach den Vorkommnissen bei Sesseli und Hotel Krone bestimmt genug von Solothurn.

Brauchen wir etwa Tiroler Verhältnisse wie in Fiss und Serfaus, um auf Touren zu kommen: Rodelbahn, Sprungtürme, Monsterhüpfburgen, etc.? «Alles, nur das nicht», wirft Rudolf von Rohr ein.

Der Weissenstein sei einzigartig und soll in Zukunft für Natur, Ruhe, aktive Senioren und Familien stehen, aber ohne den überdrehten Konsumtourismus. «Wir müssen einen eigenen Ansatz finden, nicht noch mehr vom Gleichen. Atzmännig und Hoch Ybrig im Sommer sind genug.»

Jetzt aber bitte ein Beispiel. «Wir haben den Planetenweg, eine ausgezeichnete Sache. Warum nicht zusätzlich einen Geologenweg, dafür haben wir beste Voraussetzungen. Und ein Zwergenweg, ein Sagenweg. Wir sollten die Menschen aktivieren und nicht mit einem Rummelplatz abspeisen.»

«Die Welt endet nicht am Weissenstein»

Heinz Rudolf von Rohr ein einsamer Rufer in der Wüste? Und wenn er ungehört verhallt? «Wäre schade, aber macht nichts. Ich arbeite gerade an einem höchst spannenden Buchprojekt.» Zum Berg? Er schüttelt den Kopf: «Nein, Afrika. Die Welt endet nicht am Weissenstein».