Weil er sich wegen eines Arbeitsunfalls mit einem Mähdrescher bis heute Samstag im Inselspital befand, wurde das Interview telefonisch geführt.

Wie gehts dem Zeigefinger Ihrer linken Hand, Markus Dietschi?

Markus Dietschi: Er sieht aus, wie wenn ein Mähdrescher drübergefahren wäre … Nein im Ernst: Für einen abgetrennten und nun wieder angenähten Finger sieht er schon wieder recht gut aus. Die Ärzte sagen, es komme gut.

Beim Parteijubiläum sollten Sie also am Sonntag dabei sein können?

Ja, so wie es aussieht, kann ich das Spital rechtzeitig verlassen.

5 Jahre BDP Kanton Solothurn: Warum braucht es diese Partei?

Weil es rechts der Mitte eine Partei braucht, die lösungsorientierte Sachpolitik praktiziert. Wir betreiben nicht Politik um der Partei willen, wie die SVP. Wir setzen uns dafür ein, dass Probleme gelöst werden.

Die BDP ist doch bloss der «anständigere» kleine Bruder der SVP …

Die Solothurner SVP ist weit entfernt von einer konstruktiven Sachpolitik. Sie benennt zwar Probleme, bietet aber keine Lösungen an. Motivation und Politik der BDP ist es dagegen, Probleme anzupacken und zu helfen, einen Konsens für tragfähige Lösungen zu finden. Nur dies bringt den Kanton weiter.

Gibt es dafür konkrete Beispiele?

Zum Beispiel die Sanierung der Kantonsfinanzen: Die BDP trägt mit, dass zwischen den Massnahmen auf der Ausgaben-, und jenen auf der Einnahmenseite ein vernünftiges Verhältnis gefunden wird – die SVP setzt einseitig auf Sparmassnahmen. Oder bei der Pensionskassen-Sanierung: Mit ihrer Verweigerungshaltung gegenüber den gemeinsam erarbeiteten Lösungsvorschlägen riskiert die SVP, dass eine Steuererhöhung nötig werden könnte.

In der Mitte gibts ja aber auch schon die CVP und die FDP …

Es ist logisch, dass wir in der Mitte Überschneidungen haben. Mit der CVP etwa in der Energiepolitik und mit der FDP in Finanzfragen. Die Wählerschaft erhielt mit uns die Möglichkeit, ihre Stimme einer Partei zu geben, die unverbraucht ist und nicht festgefahren oder von der Historie belastet.

Aber auf nationaler Ebene gibts Pläne für eine Fusion mit der CVP ...

Die Fusionsgeschichte ist eine Erfindung der Medien. Eine Fusion ist kein Thema, es geht höchstens um die Bildung einer Fraktionsgemeinschaft. Die Zusammenarbeit in der Mitte ist nötig, damit die Verhinderungspolitik der Polparteien rechts und links überwunden werden kann.

Sie und Ihr BDP-Kollege Martin Flury gehören zur «Grossfamilie» der Mitte-Fraktion unter CVP-Führung. Was sind Sie da: Anhängsel oder ernst genommener Partner?

Ein sehr ernst genommener Partner. Dies zeigte sich zuletzt darin, dass sich ein grosser Teil der Mittefraktion für die Priorität der Fruchtfolgeflächen gegenüber ökologischen Massnahmen ausgesprochen hat. Ohne uns zwei BDP-Vertreter wäre dies wohl kaum so gelaufen. Ganz sicher erreichen wir in der Fraktionsgemeinschaft mit CVP, GLP und EVP mehr, als wenn wir alleine in einer Ecke sitzen würden.

Sie beide sind (auch) Landwirte: Vertreten Sie im Rat mehr als «nur» Landwirtschaftsinteressen?

Natürlich! Davon zeugen unsere Voten etwa zur Finanzpolitik. Ich selber bin ja mit meinem Personalvermittlungsbüro auch Unternehmer.

Im Kanton Bern hat die BDP heuer bei den kantonalen Wahlen massiv verloren: Ist die Luft schon draussen?

Wer die Berner mit der Solothurner BDP vergleicht, der vergleicht Kirschen mit Äpfeln. Wir sind eine Neugründung, konnten auf nichts aufbauen. Wir sind keine Abspaltung von der SVP. Auch das macht es uns einfacher, uns dieser gegenüber abzugrenzen.

Bei den Nationalratswahlen 2011 kam die BDP im Kanton auf einen Wähleranteil von 4,4 Prozent. Was erwarten Sie für den Oktober 2015?

Sportlich prognostiziert: Es wäre eine schöne Bestätigung, wenn wir auf 5 Prozent kommen würden.

Wird es die BDP noch geben, wenn Eveline Widmer-Schlumpf nicht mehr Bundesrätin sein wird?

Unsere Bundesrätin hat mir einen Blumenstrauss ins Spital schicken lassen, was mich gefreut hat. Aber trotzdem: Wir sind nie bloss der Fanklub für Eveline Widmer-Schlumpf gewesen und werden es auch nie sein. Wir sind wir – man wählt uns, nicht eine Bundesrätin.

Gibts die BDP denn auch noch in weiteren 5 Jahren?

Aber sicher – und wie!