Uhrenindustrie
«Wir sind in Solothurn sehr zufrieden»: Porsche-Uhren bleiben der Stadt treu

Die Porsche Design Timepieces AG hält am Standort Solothurn fest. Momentan sind drei Uhrenserien der Porsche Design Group in Fertigung.

Franz Schaible
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Rund 20 Mitarbeitende sind am Standort Solothurn beschäftigt.

Rund 20 Mitarbeitende sind am Standort Solothurn beschäftigt.

Hanspeter Bärtschi

Die Stadt Solothurn gehört nun definitiv auf die Landkarte des deutschen Luxusautoherstellers Porsche. Nicht dass hier Sportwagen gebaut werden, sondern es geht um Luxusuhren. Der Zusammenhang: 2014 gründete die Porsche Design Group die Uhrenfirma Porsche Design Timepieces AG als Tochterfirma in Solothurn. Dies kam einem Neustart für die Uhrensparte der Designtochter des Autoherstellers gleich.

Porsche Design Group

Trennung von Eterna, dann die Neugründung

Die 1856 gegründete Grenchner Uhrenfirma Eterna wurde 1995 von Designerpapst Ferdinand Alexander Porsche mit seiner F.A.P. Beteiligungs-GmbH übernommen. Drei Jahre später, 1998, kommt die erste Porsche-Design-Uhrenkollektion auf den Markt. Der Lizenzvertrag über die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von hochwertigen Uhren zwischen der Porsche Design Group und der Eterna wurde im Frühling 2014 beendet. Porsche Design begründete den Schritt mit «einer strategischen Neuausrichtung».

Noch im gleichen Jahr wurde die Porsche Design Timepieces AG mit Sitz in Solothurn gegründet. Die Eterna begründete das Ende der Zusammenarbeit mit den Deutschen mit «der Konzentration auf die Entwicklung und Manufaktur hochwertiger Uhren der Marke Eterna». Mit ein Grund für die Trennung dürfte die Übernahme der Eterna durch die chinesische Citychamp Group gewesen sein. Sie löste 2011 die F.A.P. Beteiligungsgruppe als Besitzerin ab.

Die Porsche Design Group ist heute eine Tochter des Autobauers Porsche. Gegründet wurde sie 1972. Damals verliess Ferdinand Alexander Porsche die Sportwagenfirma als Chefdesigner und gründete seine eigene Luxusmarke, eben Porsche Design. 2003 zog sich der inzwischen verstorbene Designer aus dem operativen Geschäft zurück und verkaufte Anteile seines bis dahin unabhängigen Unternehmens an die Porsche AG. Vor kurzem hat der Sportwagenhersteller die restlichen 35 Prozent an der Porsche Design Group übernommen. Und damit gehört auch der Solothurner Uhren-Ableger vollständig zum Porsche-Imperium. (fs)

Jetzt hat der Autohersteller die Porsche Design Group vollständig übernommen, wie es in einer Mitteilung heisst. Bislang besassen die Stuttgarter 65 Prozent an der Design Group. «Der Zukauf drückt die strategische Relevanz der Porsche Design Group für unser Unternehmen aus», steht in der Mitteilung.

Das sind gute Nachrichten für den Standort Solothurn. Insbesondere weil es seit der Firmengründung sehr ruhig wurde um den Ableger der Nobelmarke. Nun gibt Rolf Bergmann, technischer Leiter bei der Timepieces AG, Entwarnung. Der Standort Solothurn nehme im Geschäft mit hochwertigen Uhren unverändert eine wichtige Rolle ein. Die im Studio F.A. Porsche in Zell am See (Österreich) entworfenen und designten Uhren werden an der Biberiststrasse in Solothurn gebaut, wie Bergmann erläutert.

Die Solothurner Aktivitäten umfassten die Entwicklung mit Konstruktion und Prototypenbau, die Beschaffung der technischen Komponenten, die Montage, Labortests und den technischen Service. «Wir verantworten hier also sämtliche Schritte der Herstellung der Uhren.» Dagegen seien der Vertrieb und das Marketing in der Gruppenzentrale in Ludwigsburg angesiedelt.

Verkauf unter «Swiss Made»

Für Porsche Design sei es selbstverständlich, dass die Uhren unter dem Label «Swiss Made» auf dem Markt lanciert werden, sagt Bergmann weiter. So verwende man je nach Uhrenreihe Eta-Uhrwerke Valjoux 7750 oder 7754. Diese werden im waadtländischen Les Bioux gefertigt. Die ehemalige Valjoux SA gehört seit längerem zur Swatch-Tochter Eta. «Generell arbeiten wir sehr eng mit ausgewählten Lieferanten und deren Komponenten aus der Schweizer Uhrenindustrie zusammen», versichert der CTO.

Es sind keine genauen Angaben erhältlich, wie sich die in Solothurn entwickelten und montierten Porsche-Uhren verkaufen. Nur so viel: «2016 haben wir eine fünfstellige Anzahl an Uhren produziert.» Derzeit habe man mit der Chronotimer Collection, der 1919 Collection sowie der neuen Monobloc Actuator-Kollektion drei Uhrenserien im Markt. Letztere Chronographen seien an der Baselworld im März erstmals präsentiert worden.

Diese Uhrenserie sei dank der «noch engeren Verzahnung» – gemeint ist die vollständige Übernahme durch Porsche – entstanden, heisst es in der erwähnten Medienmitteilung. Die Uhr sei in Zusammenarbeit mit Rennsportingenieuren von Porsche Motorsport entwickelt worden. Dabei seien Teile der Technologie bei Rennsportmotoren für die Steuerung der Chronographenfunktion über eine vollständig ins Gehäuse integrierte Schaltwippe transferiert worden. «Das Interesse an der Fachmesse in Basel war sehr gross und die Rückmeldungen vom Handel positiv.»

«Sehr zufrieden mit Solothurn»

Auch personalmässig hat sich offenbar einiges getan. Gestartet mit einer Handvoll Angestellten sind aktuell nach Firmenangaben rund 20 Mitarbeitende bei der Porsche Design Timepieces AG in Solothurn beschäftigt. Das Team, bestehend aus Ingenieuren, Technikern und Uhrmachern sowie Kaufleuten, sei 2016 weiter ausgebaut worden.

Es habe sich gezeigt, dass der Standort Solothurn für den Weiterausbau «geografisch und strukturell» gut geeignet sei. «Deshalb gibt es keine Überlegungen bezüglich einer Verlagerung des Standortes. Wir sind in Solothurn sehr zufrieden», versichert Rolf Bergmann. Leider war ein Blick in die Räumlichkeiten der Timepieces AG nicht möglich. «Aufgrund von aktuell stattfindenden Erweiterungsmassnahmen ist derzeit kein guter Moment für Fotoaufnahmen.»