Als 1966 das Autobahnteilstück zwischen Kriegstetten und Oensingen eröffnet wurde, begann Otto Schwägli als Pionier seiner Zeit mit dem Pannen- und Bergungsservice. 24 Stunden, sieben Tage in der Woche, ununterbrochen seit mehr als 50 Jahren rücken die Bergungsfahrzeuge aus, wann immer sie gerufen werden. Mittlerweile erstreckt sich das Gebiet, das die Touring Garage von Wiedlisbach aus bedient, über die Kantone Bern und Solothurn hinaus bis weit in den Aargau.

Für alle Fälle gerüstet

Und weil die Zeit nicht stehen bleibt, eröffnet Sohn Christoph Schwägli am kommenden Wochenende an der Bielstrasse 50 in Wiedlisbach das neugebaute Abschleppcenter. Sie sehen beeindruckend aus, die beiden auf Hochglanz polierten Bergungsfahrzeuge in der brandneuen Halle, die strenge Umweltschutzauflagen erfüllt. Ein spezielles Auffangbecken kann zum Beispiel auch grössere Mengen aus Unfallfahrzeugen auslaufender Flüssigkeiten auffangen, damit keine Chemikalien ins Grundwasser gelangen.

«Nun sind wir gerüstet für die Aufgaben, die auf uns zukommen, wenn der Ausbau der A1 zwischen Luterbach und Härkingen auf sechs Spuren beginnt», erklärt Schwägli die grosse Investition. Er erwartet, dass sein Pannen- und Abschleppdienst in den kommenden Jahren wegen der Baustellen noch mehr Arbeit bekommen könnte. «Ich hoffe, dass uns das Bundesamt für Strassen Astra frühzeitig bei der Planung für jeden Abschnitt zur Beratung beiziehen wird. Wir kennen auf beiden Seiten der A1 alle Feldwege und kleinen Strassen, auf denen wir an die Autobahn herankommen. Es wird entscheidend sein, dass wir trotz den grossen Baustellen überall rasch an die Unfallstellen gelangen können.»

Seit Kindheit fasziniert

Vor 50 Jahren gab es kein Tempolimit auf der Autobahn. «Viele Motoren vertrugen die hohe Geschwindigkeit nicht und wir holten die Autos gleich reihenweise ab», erinnert sich Christoph Schwägli. Schon bald sei es zu vielen tödlichen Unfällen gekommen.

«Es war ein harter Job für meinen Vater, der diese Unfallautos bergen musste. Aber mich faszinierte das schon als kleiner Bub. Als nachts das Telefon läutete, habe ich mich hinter der Rückbank im Jeep versteckt.» Was er erlebte, habe sich unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt. «Es war kein schöner Anblick. Damals gab es noch kein geeignetes Werkzeug für die Bergung. So lud mein Vater die Autos mit den eingeschlossenen Todesopfern auf den Anhänger und fuhr sie zurück in die Garage. Erst hier konnten die Toten mit Schneidbrennern aus dem zerstörten Auto geholt werden.»

Den traurigen Höhepunkt erlebte die Statistik 1971 mit 1773 Toten auf Schweizer Strassen. «Ein modernes Auto korrigiert sehr viele Fahrfehler, die vor 50 Jahren zu einem schweren Unfall geführt hätten», sagt Christoph Schwägli. «Dank Sicherheitsgurten, stabileren Carrosserien, Airbags, ABS, ESP und all den anderen Entwicklungen nahmen seither die tödlichen Unfälle ab.» Im Jahr 2016 kamen aber immer noch 216 Personen im Strassenverkehr ums Leben.

Mit Bernhardiner zu Grace Kelly

Vor 50 Jahren, als die Schwägli-Garage die Vertretung der französischen Automarke Renault übernahm, stand in Wiedlisbach ein wunderschöner, blauer Alpine. Für die damalige Zeit ein Bolide, der mit 1600 cm3 Hubraum legendäre 138 PS auf die Strasse brachte. Aus heutiger Sicht scheint das nicht mehr so beeindruckend: Der jetzt bei Renault übliche Motor TCe mit 1200 cm3 leistet fast ebenso viel.

Auf Renault sei sein Vater Otto damals aus reiner Sympathie gekommen. «Aber er selber fuhr am liebsten seinen riesigen DeSoto, und er liess sich damit sogar als Chauffeur für Hochzeiten engagieren.» Christoph Schwägli blieb dagegen dem Alpine-Blau treu, der Farbe der Renault-Rennwagen.

«Ich bin meine ersten Rennen auf einem R5 Turbo gefahren. Mein Vater hat mich dabei unterstützt, aber er selber züchtete lieber Bernhardiner. Als einer seiner Hunde in Monaco zum Weltsieger erkoren wurde, lernte er die Fürstenfamilie kennen, und Grace Kelly lud ihn jeweils während der Hundeausstellungen in den Palast ein. Da sagte mein Vater zu mir, erst wenn du es einmal bis nach Monaco schaffst, bist du gut. 1991 war es dann auch für mich so weit, als ich beim Renault-Cup im Vorfeld des Formel-1-Rennens starten durfte.»

Kein Wunder, dass sich das Rennfieber auf Devis Schwägli, einen der beiden Söhne, übertragen hat. «Devis fuhr in der Formel BMW zusammen mit Sergio Pérez und beide waren etwa gleich gute Fahrer. Aber der Mexikaner hatte den grössten Telefonanbieter seines Landes als Sponsor im Rücken, und so hat Pérez den Sprung in die Formel 1 geschafft», sagt Vater Christoph Schwägli.